Gmünd

Erstellt am 06. Dezember 2017, 06:00

von Markus Lohninger

Bau- und Sanierungs-Boom: 2017 ist Jahr der Erneuerung. Regelrechter Schub für Gebäude-Substanz in Bezirkshauptstadt: Zahlen schon jetzt deutlich über Vorjahren.

Aufmerksamen Besuchern von Gmünd ist es nicht entgangen: Die Bezirkshauptstadt befindet sich in einem massiven baulichen Erneuerungs-Prozess. Der Bau- und Sanierungs-Boom wird dabei nicht nur von der Stadtgemeinde, sondern auch von etlichen Betrieben und vielen einzelnen Hausbesitzern getragen.

„Auch ich werde regelmäßig von Leuten darauf angesprochen“, freut Infrastruktur-Stadtrat Martin Preis (ÖVP) erwartungsgemäß die Vielzahl an kleineren bis ganz großen Initiativen: „Es tut sich wirklich sehr viel in der Stadt.“ Selbst die Schnelllebigkeit der Zeit kann die Dichte an Projekten in den vorigen Monaten nicht verschleiern. In die Jahre gekommene Altbestände verschwanden oder wurden aufwendig saniert, neue Bauten kamen dazu.

Dazu gehören große Baustellen bei Lagerhaus, NÖGKK, Bahnhofs-Halle samt neuer Bank-Austria-Zentrale, Leyrer+Graf, Agrana, der Hallenbau von Schnabl-Transporte an der B41 oder der Abriss des alten ÖBB-Areals als Vorleistung auf Merkur, Bipa & Wohnraum. Genauso zählen dazu der Neubau von Tip-Top-Reinigung Hauer am Eck Schremser Straße/Gymnasiumstraße, der generalsanierte und mit Handyshop ausgestattete Altbau an der Annakreuzung, unweit davon das ehemalige Drochter-Haus oder der Abriss des alten Kledorfer-Gasthauses und das generalsanierte Mehrparteien-Haus in der Kirchengasse.

Privater Hausbau wird kräftig zunehmen

Auch der Abriss zweier Altbauten beim Braunauplatz durch die Stadtgemeinde schuf Luft – und Optionen für die Zukunft. Vieles könne die Stadtgemeinde aber nicht beeinflussen, beteuert Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP): „Gerade deshalb danke ich auch den vielen Privaten, die Wohnraum sanierten und Straßen einen neuen Aufputz verpassten.“

Den Trend zum Bauen und Sanieren in Gmünd kann Bauamts-Leiter Franz Höllrigl statistisch untermauern.

Die Zahl der in seinem Amt bearbeiteten Bauakte lag bereits mit Stichtag 28. November deutlich über jener aus den gesamten vorigen Jahren: 250 Akte wurden bis zu diesem Tag bereits behandelt, ein Viertel mehr als in den Jahren 2016 (203) und 2015 (198) – und das, obwohl die Verfahren laut Bauordnung seit Mitte Juli teils vereinfacht, teils gestrichen wurden. Höllrigl: „Zu den genannten Zahlen werden heuer noch weitere dazu kommen.“

Die Zahl der Verfahren für heuer fertiggestellte Häuser wird bis Jahresende etwa die Werte der Vorjahre erreichen (2016: 42). Für den aktuellen Trend aussagekräftiger sind aber beim Hausbau die Bewilligungsverfahren, und die liegen mit 15 jetzt schon um mehr als die Hälfte über den vorigen Jahren. Weit mehr als verdoppelt haben sich vor allem die Akte für Grundteilungen bzw. -vereinigungen: Gab es im Vorjahr noch 17 dieser Vorleistungen für späteren Hausbau, so sind heuer bereits 40 erreicht – obwohl größere Parzellierungen wie in Eibenstein oder bei den ÖBB-Gründen (genauso wie die Generalsanierung des Gemeindewohnhauses Hans-Lenz-Straße) immer nur als ein gesamter Akt behandelt werden.

Der Gemeindearzt kam zur Verhandlung mit

Um ein Fünftel auf 159 gestiegen ist auch bis dato schon die Zahl der Bauansuchen, Bauanzeigen und Meldungen. „Diese beinhaltet alles von großen Hallen bis zu kleinen Garagen“, klärt Höllrigl auf. Dabei ist die Bürokratie hier nicht komplizierter, sondern sogar einfacher geworden: Viele Leistungen scheinen heute in den Statistiken gar nicht mehr auf, weil – etwa für die heuer sehr vielen Fassaden-Erneuerungen – gar keine Bauanzeigen mehr erforderlich sind.

Dank bürokratischen Erleichterungen habe sich der Verhandlungs-Aufwand in den vergangenen Jahrzehnten stark reduziert, sagt Franz Höllrigl – ein Urgestein des Bauamtes, der die Geschichten hunderter Gebäude in der Stadt aus dem Stegreif abrufen kann. Heute gibt es Vor-Ort-Verhandlungen nicht mehr. Der Großteil der Akte wird aus dem Büro abgearbeitet, bei Unklarheiten kann sich jemand vom Bauamt an Ort und Stelle um eine Klärung bemühen – jedoch ohne Verhandlung. „In den 1970er Jahren hatten wir aber oft mehr als ein Dutzend Verhandlungen pro Tag, bei jeder musste auch der Gemeindearzt dabei sein“, sagt Höllrigl.

Bis in die 1990er Jahre waren bei Bauverhandlungen immer auch zwei Gemeinderäte dabei – parteipolitisch korrekt ein „roter“ und ein „schwarzer“.