Gmünd

Erstellt am 18. Mai 2017, 02:27

von Markus Lohninger

Baumann-Dekor: Hoffnung trotz Kurzarbeit. 48 Beschäftigte in Gmünd ab 1. Juni in Kurzarbeit. Geschäftsführer kündigt neue Marktstrategie an, die auch Arbeitnehmervertreter positiv stimmt.

Für einen großen Teil der derzeit 59 Mitarbeiter in der Schremser Straße wurde per 1. Juni Kurzarbeit für sechs Monate beantragt.  |  M. Lohninger

Beim Gmünder Traditions-Hersteller von hochwertigen Designerstoffen bleibt es auch zwei Jahre, nachdem die Freistellung eines Großteils der Belegschaft durch den Verkauf der Baumann-Dekor an eine Gruppe rund um die indische Chamundi Silks wieder aufgehoben worden war, turbulent. Am 11. Mai wurde für ein halbes Jahr Kurzarbeit beantragt, von der ab 1. Juni insgesamt 48 Beschäftigte betroffen sein werden.

Die Auftragslage sei derzeit einfach nicht ausreichend, beteuert Geschäftsführer Ajay Bikram Singh gegenüber der NÖN. Er ist für die Zukunft des Hauses aber dennoch „extrem optimistisch“: Singh spricht von einem Neustart mit neuer Marktstrategie, die noch etwas Zeit brauche, um greifen zu können. Hatte Baumann-Dekor bisher überwiegend zuerst Kollektionen entworfen und produziert und dann versucht, diese über Verkäufer zu vertreiben, so soll künftig gezielter auf konkrete Nachfrage hingearbeitet werden. Zugleich soll auch der Verkauf direkt an Endkunden forciert werden.

"Vielleicht kann die Kurzarbeit auch früher beendet werden"

Die Umstellung könne noch bis zu neun Monate erfordern, sagt Singh: „Vielleicht kann die Kurzarbeit aber auch schon früher wieder beendet werden, das halbe Jahr ist lediglich unsere Option.“

Seitens Gewerkschaft und Arbeiterkammer kam die Empfehlung zur Zustimmung zu diesen Plänen. Auch Gmünds AK-Bezirksstellenleiter Michael Preissl sieht nämlich intakte Chancen, dass sich das Rad noch zum Guten drehen kann. „Die Auslastung ist derzeit nicht hoch genug für volle Beschäftigung“, sagt er zur NÖN: „Es sieht aber auch aus meiner Sicht so aus, als könne die Reorganisation in der Firma fortgeführt und die Produktion wieder so angeschraubt werden, dass der Fortbestand eines der letzten der großen traditionsreichen Textilbetriebe gelingen kann.“

Die Weberei Baumann wurde vor 101 Jahren in Böhmen gegründet, übersiedelte 1924 nach Kirchberg/Walde und 1929 in die frühere „Wagnermühle“ nach Gmünd, danach wurde gegenüber in der Schremser Straße der heutige Produktions- und Bürostandort aufgebaut. In den 1990er Jahren gab es hier 300 Beschäftigte, 20 Jahre später immerhin noch 150. Nach der Insolvenz im Juli 2011 konnte die Schließung durch Übernahme einer Bietergruppe um Franz Siller abgewendet werden, ehe die GmbH 2015 an den heutigen Eigentümer verkauft wurde – der die Belegschaft immerhin leicht von damals 56 auf nun 59 Mitarbeiter aufgestockt hatte.