Gmünd

Erstellt am 27. April 2017, 05:15

von Markus Lohninger und Johannes Bode

Buchfrühling: Von Ruhe und Verfall. Viel zu erzählen hatten Erni Mangold und Bernhard Aichner, politische Fragen beantworteten Thurnher und Urschitz. Von Markus Lohninger

 |  NOEN, J. Bode

Große Teile Niederösterreichs beherrschte am 20. April der kräftige Wintereinbruch, den Gmündern blieb immerhin der Griff zur Schneeschaufel erspart. Dennoch erinnerte zum Start des „3. Stark-Buch-Frühlings“ im Palmenhaus primär der Name der Veranstaltung an die eigentliche Jahreszeit.

Erni Mangold.  |  NOEN, M. Lohninger

Die Launen des April brachte am Donnerstag auch Bühnenstar Erni Mangold ins restlos ausverkaufte Haus mit. Anders als das Wetter entsprach sie durchaus den Erwartungen des bunt gemischten, auch sehr jungen Publikums – das sie auch für ihre Widerspenstigkeit liebt. Wien geht ihr, wie die Waldviertlerin bekannte, „auf den Hammer, es ist nicht mehr angenehm dort“. Vom Theater wird sie Mitte Dezember „die Nase voll haben“ – nach einer letzten „Batzen-Hauptrolle“ der dann 91-Jährigen. Was sie dann im Ruhestand so treiben wird? Zu „Standard“-Journalistin Doris Priesching, die Mangolds Memoiren „Lassen Sie mich in Ruhe“ aufgezeichnet hatte: „Gar nichts. Wirklich nichts.“

Aus dem Buch selbst las sie nicht. Dafür erzählte sie aus ihrem Leben, vom Krieg, von Disziplin und Bescheidenheit oder davon, wie sie im Alter „sogar einen Porno gedreht“ und dabei dem Regisseur den korrekten Geschlechtsakt erklärt hat.

Thurner und Urschitz waren zu Gast

In eine neue Runde zur Betrachtung des Zustandes der Republik ging es indes am Freitag, nachdem Kinderbuch-Autorin Sonja Kaiblinger bei mehreren Auftritten vor etwa 200 Schülern gesprochen hatte. Die Journalisten Armin Thurnher (Falter) und Josef Urschitz (Presse), die ihre Analysen dazu in Buchform gegossen haben, waren grundsätzlich nicht uneinig. Besonders zu Wegen aus der Situation – Urschitz begründete einen „schleichenden Verfall“ durch einen aufgeblasenen Staatsapparat, industriefeindliche Stimmung und „bürokratische Mühlen, die neue Projekte zermahlen“ – gab es aber doch Diskussionsbedarf; genauso in der Frage über die Rolle des Staates im Wirtschaftsgefüge.

Welche Therapie-Möglichkeiten es für die von Urschitz diagnostizierte „Krankheit der Austrosklerose“ gäbe, fragte Primar Hans-Martin Vischer aus dem Publikum. Urschitz: Es brauche zunächst eine Föderalismus-Reform mit klarer Kompetenzenteilung zwischen Bund und Ländern, zudem müsse das Listenwahlrecht zum starken Mehrheits-Wahlrecht geändert und Politiker müssten direkt wählbar werden. Thurnher: Das Wahlrecht könne an Mentalitäten und blockierenden Kräften wenig ändern, in England seien die Verhältnisse durch das Mehrheits-Wahlrecht sogar noch schlimmer geworden.

Aichner las aus seinem Frühwerk

Weniger politisch verlief der letzte Abend am Samstag, an dem Bernhard Aichner für Spannung, aber auch für viele Lacher sorgte. Locker erzählte der Krimi-Autor, der bereits zum sechsten Mal nach Gmünd geladen wurde, aus seinem Alltag als Autor. Und er las nicht nur aus seinem neuen Buch „Totenrausch“, sondern auch die elf besten Zeilen aus dem Roman, den er mit 15 Jahren zu schreiben versuchte: „Das ist natürlich eher Rosamunde Pilcher“, so Aichners Urteil. Im rot beleuchteten Palmenhaus sorgten „HaLiBo“ für Musik, und Veranstalterin Birgit Stark lud zur „After-Show-Party“.