Erstellt am 30. April 2016, 06:24

von Markus Lohninger

Ein neues Schul-Angebot. Erfolgreicher Start für Schulprojekt zum zweiten Anlauf auf Arbeitsmarkt – erster von neun Teilnehmern an der Produktionsschule hat bereits eine Lehrstelle.

In der Produktionsschule mit selbst gefertigten Obstkisten und einem Pflanzentisch: Projektteilnehmer Philipp Hofmann, Koordinator Georg Eibensteiner, Projektteilnehmerin Denise Haumer, Marlies Stöber (Coach), Theo Weinzettl (Trainer), Projektteilnehmer Josef Prinz, Erika Königseder und Kai Kranner (Coach; von links).  |  NOEN, M. Lohninger

Gmünd hat ein neues Schulangebot: Jugendliche, die nach ihrem letzten Schultag den Sprung in die Arbeitswelt verpasst haben, können nun in der „Produktionsschule“ einen neuen Anlauf nehmen. In den Räumlichkeiten von „Sozial Aktiv“ sollen, wie dessen Projektleiterin Erika Königseder erklärt, neun Personen „an dem Stand, an dem sie sind, an der Hand genommen und reif für eine Arbeitsstelle gemacht werden.“

Die Einrichtung, die aus Geldern des Sozialministeriumservice und der EU in Partnerschaft mit Produktionsschulen in Stift Zwettl und der Lehrlingsstiftung Eggenburg betrieben wird, sieht fixe Pläne für 33 Wochenstunden vor. Die Schüler sollen darin innerhalb eines Jahres in einen Tagesablauf finden, Talente erkennen, in Arbeitsgebiete hineinwachsen und sich schließlich – auch mittels Berufspraktika – spezialisieren. Ziel ist der Aufbau für den Besuch einer weiterführenden Schule oder Lehre. Ein erster Erfolg stellte sich bereits ein: Eine Schülerin fand eine Lehrstelle, sie verlässt das Gmünder Projekt mit Mai!

Etwas mit eigenen Händen erschaffen…

Noten gibt es nach dem einen Jahr nicht, aber eine Art Kompetenzmappe. Immerhin geht es nicht darum, eine lästige Aufgabe abzuarbeiten: Die Teilnahme wird vom AMS angeboten, ist jedoch auf freiwilliger Basis. Und, so Königseder: „Die Schüler machen mit großem Enthusiasmus mit, nehmen unsere Angebote an und haben Freude dabei.“ Theo Weinzettl, Trainer in der Werkstätte, bestätigt das. „Die Mädchen und Burschen sind geschickt“, sagt er: „Und etwas mit eigenen Händen zu schaffen, das ermöglicht ihnen Erfolgserlebnisse.“

Das sind für manche neue Erfahrungen. Georg Eibensteiner, der die Standorte Gmünd, Stift Zwettl und Eggenburg mit insgesamt 38 Ausbildungsplätzen für die Produktionsschule des Waldviertel-Managements koordiniert: „Viele kommen mit einem total zerstörten Selbstwertgefühl, nachdem sie jahrelang nur gehört haben, sie seien dumm.“ Auch von Mobbing-Erfahrungen oder sozialer Ausgrenzung in der Schule ist die Rede – umso stärker liegt der Fokus der Produktionsschule neben motorischen auch auf kommunikativen Fähigkeiten.

Diese soziale Kompetenz wird als Bereich der „Wissenswerkstatt“ vermittelt, im praktischen Teil stehen in Gmünd die Bereiche Handwerk, Grünraum/ Hausservice und Sport am Stundenplan. In Stift Zwettl, wo auch zwölf Internatsplätze mit 24-Stunden-Betreuung angeboten werden, werden 29 Jugendliche zusätzlich für Küche und Service unterrichtet. Der Stiftsgarten bietet außerdem, wie Eibensteiner erklärt, ein vielfältiges Betätigungsfeld inklusive Wintergarten & Gewächshaus.

Zweistellige Zahl auf der Warteliste

Eibensteiner zum wirtschaftlichen Nutzen des Projektes: „Volkswirtschaftlich rechnet sich eine ganze Projektgruppe bereits dann, wenn nur einzelne Jugendliche eines Moduls langfristig einen Job finden.“ – Um Nachschub müssen sich die Beteiligten selbst im Fall reger Vermittlung an künftige Arbeitgeber keine Sorgen machen. Königseder spricht von einer zweistelligen Zahl an Jugendlichen auf der Warteliste für Gmünd.