Gmünd

Erstellt am 15. Juni 2017, 04:15

von Markus Lohninger

Gasthaus Kledorfer: Stück Wirtshaus- Geschichte fällt. Baufällig gewordenes Gebäude rund um das legendäre Gasthaus macht Platz für Neues. Abriss ab September.

Alte Firmentafel und Weinfässer vor dem Sägespänelager für die Heizung.  |  Markus Lohninger

Ein legendäres Gebäude in der Gmünder Altstadt, das über Jahrzehnte hinweg als beliebte und weithin bekannte Gastwirtschaft für alle Bevölkerungsschichten vom Schüler über Jugendliche und deren Eltern bis zum mächtigen Sparkassendirektor diente, wird bald nicht mehr sein: Das frühere „Gasthaus zum Waldviertler Kledorfer“ in der Kirchengasse wird wegen seiner dramatisch desolaten Bausubstanz dem Erdboden gleich gemacht.

Johannes Laubenstein will Teile der urigen Kledorfer-Wirtsstube ins benachbarte „Cello“ übernehmen.  |  Markus Lohninger

Johannes Laubenstein, der daneben das Kult-Pub „Cello“ betreibt und es im vorigen Jahr durch hochwertige, stilvolle Sanierung des Nebengebäudes inklusive Gartengestaltung wesentlich aufwertete, hat das „Kledorfer“ heuer gekauft. Die Entscheidung über das zweite Gebäude innerhalb der von außen geschlossenen Häuserfront hat er sich nicht leicht gemacht, wie er beim NÖN-Lokalaugenschein betont. Ein von ihm einbezogener Sachverständiger habe das Gebäude aber als derart desolat eingeschätzt, dass eine Sanierung gefährlich sei.

Ab September – nach der Gartensaison im „Cello“ – sollen also die Bagger auffahren. Eine der Herausforderungen ist dabei ein kleiner Schatz, der im Garten ruht: Hier steht einer der best erhaltenen Abschnitte der Gmünder Stadtmauer, der sich noch im Originalzustand inklusive Zinnen befindet.

Struktur des Altbaus soll in Neubau einfließen

Ein benachbartes Stück der Stadtmauer ist erst vor wenigen Jahren bei Bauarbeiten eingestürzt, große Teile des verbliebenen Restes sind mit brüchigen Gebäuden des Kledorfer-Altbaus verbunden. Dem Erhalt wird freilich, wie Laubenstein versichert, höchste Aufmerksamkeit gewidmet – zumal es im Gastgarten des „Cello“ eine Rolle spielen soll. Der soll nämlich um ein Stück des Kledorfer-Gartens vergrößert werden und dann den Blick auf dieses Dokument der Stadtgeschichte freigeben.

Zudem will Johannes Laubenstein im kommenden Jahr wieder ein neues Gebäude errichten lassen, das sich optisch an der Struktur des Altbaus orientiert. Es soll der privaten Nutzung dienen und auch vermietbare Büroräume beherbergen. – Und, für Kledorfer-Nostalgiker besonders interessant: Einige der urigen Einrichtungsteile aus dem Lokal sollen künftig ins „Cello“ integriert werden.