Gmünd

Erstellt am 12. Oktober 2016, 05:24

von Markus Lohninger

Lagermuseum zum Ersten Weltkrieg entsteht. Wo die Flucht vor 100 Jahren für 200.000 Menschen endete, da soll künftig ein Museum das zentrale Kapitel der Gmünder Geschichte veranschaulichen.

Am Tor zum einstigen Gmünder Flüchtlingslager soll – gegenüber der Boutique „Engel Design“ – ein Lagermuseum entstehen.  |  NOEN, M. Lohninger

Das seit Jahren auch in der NÖN mehrfach geforderte „Lagermuseum“ zur einzigartigen Vergangenheit der Gmünder Neustadt – als Folge der Schaffung eines gigantischen Flüchtlingslagers im ´ – ist bereits im Entstehen!

Das enthüllte die ÖVP-Bürgermeisterin Helga Rosenmayer bei der Gemeinderats-Sitzung am 7. Oktober, nachdem die SPÖ einen Dringlichkeits-Antrag zur Umsetzung der seit Jahren herumschwirrenden Idee zum Lagermuseum gestellt hatte. „Es ist schon in Arbeit. Wir haben auch schon die Örtlichkeit dafür“, sagte die Stadtchefin, bevor die ÖVP/AfG/FPÖ-Stadtregierung den Antrag der SPÖ – das Thema in die Tagesordnung aufzunehmen – ablehnte.

Ort würdigt Opfer und Protagonisten von damals

SP-Klubchefin Beatrix Vischer- Simon hatte im Antrag ein Lagermuseum als Ort beschrieben, der die „Opfer und Protagonisten von damals“ würdige. Die Geschichte der Entstehung der Neustadt im Zuge des Baues eines Flüchtlingslagers wurde ja bereits für das 100-Jahr-Jubiläum im Jahr 2014 aufgearbeitet und in einer – höchst erfolgreichen – Ausstellung präsentiert. Die Einrichtung eines dauerhaften Museums zur „einzigartigen Geschichte“ der Neustadt würde nun, so Vischer-Simon weiter, auch das touristische Angebot Gmünds weiter aufwerten.

„Das Museum soll eine Art Gedenkkultur schaffen. Der Standort wäre am Eingang zur Neustadt die ideale Lösung.“

Harald Winkler

Auf NÖN-Nachfrage präzisiert Rosenmayer ihr Statement aus dem Gemeinderat. Das seit Jahren leerstehende ehemalige Lebensmittelgeschäft beim Haupttor (gegenüber der Boutique) sei die „perfekte Location“ für ein Lagermuseum, die Eigentümer seien mit den bisherigen Plänen einverstanden. „Das Lagermuseum wird hier kommen, die konkreten Pläne müssen aber erst ausgearbeitet werden“, sagt Helga Rosenmayer – und verweist für nähere Auskünfte an den Stadtgemeinde-Mitarbeiter Harald Winkler.

Winkler, der mit Franz Drach und Manfred Dacho maßgeblich an der Ausstellung zur Lagergeschichte inklusive Video und Buch mitgewirkt hatte, sieht das Projekt erst in der Anfangsphase. „Der Standort am Eingang zur Neustadt wäre die Ideallösung, weil er hoch frequentiert ist und durch eine Nutzung als Museum optisch aufgewertet werden würde“, sagt Winkler. Er sieht ein ständiges Lagermuseum auch als Möglichkeit zur Schaffung einer „Art Gedenkkultur“. Aber: „Es gibt noch keine Verträge, keinen Kostenplan, und auch baulich ist alles offen.“

Der Platz ist im Gebäude beim Haupttor begrenzt. Dem könne aber, so Winkler, durch einen Fokus auf Multimedia-Möglichkeiten von Videos über Animationen bis zu interaktiven Aktionen Rechnung getragen werden. Zudem könne eine große Auslagefläche in die Ausstellung eingebunden werden – und somit nach außen auch abseits der Öffnungszeiten des Museums wesentliche Infos liefern.

Auch ein Stadttaxi ist „in Vorbereitung“

In der Sitzung wurde von ÖVP, AfG und FPÖ auch ein zweiter Dringlichkeits-Antrag der Sozialdemokraten nicht in die Tagesordnung aufgenommen: ein Antrag für einen Grundsatzbeschluss zur Schaffung eines „GmünderInnen-Taxis“. Auch dieses Thema sei, so Rosenmayer, „bereits in Vorbereitung“.

Die SPÖ würde das Taxi angesichts „nicht zufriedenstellender öffentlicher Verkehrs-Anbindungen“ für ältere bzw. mobilitäts-eingeschränkte Personen sehen, wie Gemeinderat Jürgen Binder sagte: Wer zumindest Pflegestufe eins habe, der solle mit einem Ausweis die Hälfte der Fahrtgelder ersetzt bekommen. Mehr zur Sitzung: S. 10/11