Gmünd

Erstellt am 12. Oktober 2016, 07:17

von Markus Lohninger und Thomas Weikertschläger

Wieder Wirbel um Spital-Abbau. Protest nach Schwarz-Besuch im Spital: „Verharmloserei und Schönrederei“ von Abbau-Maßnahmen.

Besuch im Klinikum: Alexander Grubmayr, Helga Rosenmayer, Margit Göll, Ärztlicher Standortleiter Michael Böhm, Landesrätin Barbara Schwarz, Kaufmännischer Standortleiter Karl Binder, Pflegerische Standortleiterin Herta Weissensteiner und Elke Ledl (NÖGUS).  |  NOEN, Thomas Weikertschläger

Große Aufregung herrscht im Lager der Gmünder Sozialdemokraten um Aussagen, die Landesrätin Barbara Schwarz (ÖVP) beim Besuch des Landesklinikums Gmünd anlässlich des Tages der Europäischen Zusammenarbeit am 6. Oktober getätigt haben soll.

„Wir protestieren massiv gegen diese Verharmloserei und Schönrederei“, sagt die Chefin im SPÖ-Gemeinderatsklub, Stadträtin Beatrix Vischer-Simon, zur NÖN: „Die Aussagen, die mir von mehreren beteiligten Personen zugetragen wurden, empören mich als Gmünderin und als Frau!“

Landesrätin Schwarz habe, das sei Vischer-Simon von mehreren Beteiligten erzählt worden, am Rande der Spitals-Führung die vermeintlichen Errungenschaften für das Waldviertel in jüngster Zeit gepriesen.

„Ich frage mich, wo bei der Gyn-Schließung der Qualitätsgewinn ist. Die Versorgung ist in Teilen des Bezirkes gestorben.“

Beatrix Vischer-Simon, SPÖ-Klubchefin Gmünd

Mit massiver Betten-Reduzierung auf der chirurgischen Station in Gmünd sei der drohenden Schließung eines ganzen Spitals entgegengewirkt worden, Frauen sollten zudem nach der Schließung der Gyn und Geburtenstation in Waidhofen über einen Qualitätsgewinn froh sein, weil sie jetzt in der Hand von Ärzten seien, die durch mehr Geburten qualitativ besser arbeiten würden. Schwarz habe – so Vischer-Simon aufgrund ihr zugetragener Erzählungen – kritisiert, dass Lokalpolitiker diese Verbesserungen nicht ausreichend kommuniziert hätten.

„Es ist verwunderlich, dass unsere Lokalpolitiker da nicht sofort den Mund aufmachen“, beklagt sich Vischer-Simon. Nachsatz: „Wir lassen uns aber sicher nicht mundtot machen, auch wenn von unserer Fraktion niemand – auch nicht der SP-Gesundheits-Stadtrat – zum Termin eingeladen wurde.“

Ihre Fraktionskollegen aus dem Bezirk hatten sich im Vorfeld der Gyn-Schließung mit ihrem Protest auch mit ihrer eigenen Landespartei angelegt, aus heutiger Sicht hält Vischer-Simon die Gyn-Versorgung in Teilen des Bezirkes für „gestorben. Es geht nicht nur um Entbindungen, sondern auch um die medizinische Versorgung bis zu gynäkologischen Notfällen – bei denen jetzt vielen Frauen aus dem Norden des Gmünder Bezirkes nicht einmal mehr in Waidhofen geholfen werden kann. Ich frage mich, wo hier der Qualitätsgewinn ist.“

Schwarz lässt Aussagen nicht dementieren

Landesrätin Schwarz lässt die ihr zugeschriebenen Aussagen auf NÖN-Nachfrage durch ihren Sprecher Dieter Kraus nicht dementieren. Die Maßnahmen des Landes NÖ im Krankenhausbereich seien beim Besuch im Klinikum besprochen worden, bestätigt Kraus, und: Schwarz trage „die Entscheidungen des Landes NÖ selbstverständlich mit“. Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP) kann sich an Äußerungen der Landesrätin zu Gyn-Schließung und Bettenreduktion erinnern. Aber, so Rosenmayer: Sie habe aus den Aussagen absolut nichts Negatives herausgehört.

Beatrix Vischer-Simon will die Gyn-Waidhofen-Schließung und den Bettenabbau in Gmünd nicht als Erfolg sehen.  |  NOEN, Markus Lohninger

Barbara Schwarz hatte an sich am 6. Oktober neben dem Klinikum das Kulturzentrum Fenix in eské Velenice und den Kindergarten Gmünd-Neustadt besucht. Im Kindergarten erlernen die Kleinen im Rahmen der NÖ Sprachoffensive Tschechisch. Beim Besuch führten einige der Kids bereits ein Märchen in tschechischer Sprache auf.

Im Klinikum wurde anschließend das für die Standortsicherheit wichtige Projekt „health across“ zur ambulanten Versorgung tschechischer Patienten in Gmünd vorgestellt. Es war einst wie berichtet zeitlich und auf 200 Patienten beschränkt, war aber laut kaufmännischem Standortleiter Karl Binder „unstoppbar“ und ging schließlich in den Regelbetrieb mit jährlich 1.400 Patienten aus Tschechien über. Verhandelt wird nun mit einer tschechischen Versicherung, das Projekt auf stationäre Behandlungen auszudehnen. Die Vision ist ein gemeinsames Gesundheitszentrum mit Velenice direkt an der Grenze.

Auch eine verstärkte Kooperation mit dem etwa auf Herzkatheter hochspezialisierten Klinikum eské Budejovice müsse man ins Auge fassen, so Binder. Dafür sei aber auch der Ausbau der Straße nach Budweis nötig, die Strecke sei von Gmünd aus kürzer als jene nach Krems, aber wegen der schlechten Straßenverhältnisse keine Alternative.