Erstellt am 27. April 2016, 05:24

von NÖN Redaktion

Trauer um Altbürgermeister Hans Ertl. Der ehemalige Gastwirt, Fleischer und langjährige Kommunalpolitiker starb im 77. Lebensjahr.

Johann Ertl wird am 29. April in Großschönau zu Grabe getragen.  |  NOEN, privat

Eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Gemeinde Großschönau ist nicht mehr: Der Altbürgermeister, ehemalige Gastwirt und Fleischer Johann Ertl verstarb am 24. April im 77. Lebensjahr.

Ertl, am 27. Juli 1939 als drittes Kind von Maria und Johann Ertl geboren, war der berufliche Werdegang quasi vorgegeben. Er absolvierte die Gastgewerbe- und Fleischereilehre und übernahm nach der Heirat mit seiner Anni 1967 den elterlichen Betrieb. Das Gasthaus „Schönauerhof“ wurde umfangreich um- und ausgebaut. Im April 2008 übergab Johann Ertl das Unternehmen an Tochter Bernadette.

In all den Jahren war er auch in der Wirtschaftskammer (von 1975 bis 2000) und beim Wirtschaftsbund (seit den 1970er-Jahren bis 2005) sehr aktiv. Er fungierte als Wirtschaftskammer-Bezirksvertrauensmann in den Fachgruppen Gastronomie und Hotellerie oder als Wirtschaftsbund-Gemeindegruppenobmann und Teilbezirksgruppenobmann-Stellvertreter der Teilbezirksgruppe Weitra. Dafür wurde er mit der Silbernen Ehrenmedaille der Wirtschaftskammer Niederösterreich sowie mit der Goldenen und Silbernen Ehrenmedaille des NÖ Wirtschaftsbundes geehrt.

„Letzten Endes Opfer seiner Gutheit“

30 Jahre seines Lebens widmete sich Ertl der Kommunalpolitik. 1975 trat er in den Gemeinderat ein, war von 1980 bis 1990 Vizebürgermeister und danach zehn Jahre Bürgermeister.

In seiner Amtszeit wurde das bioenergetische Trainingszentrum mit dem Wünschelrutenlehrpfad geschaffen, die Nächtigungszahlen in der Gemeinde wurden verzehnfacht. Auch der Neubau der Volksschule und des zweigruppigen Kindergartens, die Errichtung einer biologischen Kläranlage und der Ausbau der Wasserleitung gehen auf Ertl zurück. Der Ausbau des Güterwegenetzes lag Ertl besonders am Herzen. Unter seiner Führung wurden über 40 Kilometer neue Wege geschaffen.

Dieses Engagement führte letztendlich zu einer – laut seinem Bürgermeisternachfolger Martin Bruckner (ÖVP) „ungerechtfertigten“ – Verurteilung Ertls, die ihn nicht nur viel Geld, sondern auch sehr viel Kraft gekostet habe. „Mit Hans Ertl ist ein Mensch von uns gegangen, der als Kommunalpolitiker die Aufbruchsstimmung der 80er Jahre immer unterstützt hat“, sagt Bruckner: „Beim umfangreichen Wegebau hat Hans Ertl als Gemeindevertreter und als Mensch enormes geleistet, und wurde letzten Endes sogar Opfer seiner Gutheit.“

Für sein Engagement in der Gemeinde wurde er mit der Goldenen Ehrenplakette des NÖ Gemeindevertreterverbandes und 2014 mit dem Goldenen Ehrenring der Gemeinde Großschönau ausgezeichnet.

Johann Ertl wird am 29. April seinen letzten Weg antreten. Das Begräbnis beginnt um 13 Uhr in der Leichenhalle, die Seelenmesse wird um 13.30 Uhr gefeiert. Er hinterlässt seine Gattin Anni sowie die beiden Töchter Bernadette und Franziska.