Erstellt am 05. Dezember 2015, 10:49

von Markus Lohninger

Gugenberger: Begräbnis am Montag. Harald Gugenberger gestorben | Der Theaterpionier hinterlässt seinem Sohn ein funktionierendes Profitheater im Dorf.

 |  NOEN, Foto: R. Hartl-Gobl

Die Manege ist leer. Der alle Elemente verbindende Herzschlag in der Mitte ist verstummt. Sanft weht die schwarze Flagge am Hauptplatz der Schremser – aus deren Mitte ein sanftmütiger, bescheidener und stets neugieriger Identitätsstifter gerissen wurde. Harald „Hary“ Gugenberger ist kurz vor seinem 62. Geburtstag in den Morgenstunden des 27. November in Linz einem Krebsleiden erlegen.

Durch die Lande ziehender Zirkusdirektor wäre er gerne geworden, das sagte Gugenberger einst zur NÖN. Das breite Anforderungsprofil des Zirkusdirektors erfüllte der gebürtige Linzer in Pürbach locker, wurde hier aber nach Wanderjahren mehr als sesshaft: Er ließ das 1986 im ehemaligen Bürgermeisterhof eröffnete Wald4tler Hoftheater zum Dreh- und Angelpunkt seines Lebens werden, wo Berufliches und Privates verschmolzen.

Intendant, Regisseur, Musiker, Komponist 

Gugenberger war hier Intendant, Regisseur, Musiker, Komponist und Ideengeber. Er nahm Reservierungen entgegen, begleitete Gebrechliche zu ihren Plätzen, läutete die Vorstellungen ein. Er war Pionier und Wegbereiter, baute mit Gattin Stella Hierländer (2004 verstorben) mit Idealismus und hohem persönlichen Einsatz im Waldviertel eine Theaterszene auf, wie es sie vor dem Theaterfest NÖ sonst nur im urbanen Raum gegeben hatte.

Mit Gespür schaffte der ehemalige Klosterschüler, Schuhmacher und Absolvent des Bruckner Konservatoriums Linz die Balance zwischen Komödie und ernsten, oft sperrigen Themen (etwa 1999: „Warten auf Godot“), machte das Hoftheater zum Ort, der den Generaldirektor aus der City mit der lokalen Dorfbevölkerung einte. Letzterer bescherte er den Ausbau zum Ganzjahresbetrieb, der nach 2002 eines zeigte: Das Waldviertel ist groß genug, um auch ohne Sommerfrischler aus den Ballungsräumen ein Profi-Programmtheater zu erhalten.

Ausgetretene Pfade langweilten Gugenberger. Das Publikum wollte er ohne ewig gleiche Ensembles und Wiederholungen von Erfolgsstücken beglücken, wie er 2014 sagte: „Das Leben erzählt ohnehin so viele extrem geile Geschichten.“ Etwa jene, aus der „Jackpot“ hervorging – nachdem er den mit seinen Geburtsdaten ausgefüllten Lottoschein just nicht aufgab, als er 2001 die sechs Richtigen hatte. Was er mit dem Geld getan hätte? Er hätte die Gage der Schauspieler verdreifacht. Großherzig war Gugenberger, ein Menschenfreund, der das Wohl der anderen vor das eigene stellte.

Seinem Mut und Netzwerk war es geschuldet, dass etliche Geschichten in Pürbach gespielt wurden, bevor sie die Bühnen in den Städten eroberten. Auch große Karrieren nahmen hier ihren Anfang. Etwa „Norway Today“ erfüllte beides zugleich: Der erfolgreiche Musiker, Kabarettist und Schauspieler Manuel Rubey hatte 2002 in dem Drama seine erste Hauptrolle. Das Stück reifte inzwischen zum Klassiker, Rubey zum Fernsehstar.

Begräbnis findet am 7. Dezember statt

Für Harald Gugenberger fiel kurz vor Ende der 30. Spielsaison der Vorhang. Der Schremser Ehrenbürger, Träger des Großen Ehrenzeichens und Kulturpreises des Landes NÖ wird am 7. Dezember in Langschwarza zu Grabe getragen (Trauergottesdienst in der Kirche um 12 Uhr).

Die Show aber muss weitergehen. Das Programm läuft unverändert weiter. Das Erbe Harald Gugenbergers und Stella Hierländers muss weiter leben. Ihr gemeinsamer Sohn Moritz Hierländer, der in das umfassende Lebenswerk geboren wurde, will das Hoftheater mit seinem Team in die Zukunft führen. Die Planungen für 2016 laufen. Gugenberger mischte dabei noch vom Krankenbett aus mit.

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