Erstellt am 07. Oktober 2015, 05:17

von Markus Lohninger

„Ein Anschlag auf die Region“. Massive Kritik an Plänen in Waidhofen auch aus Reihen der ÖVP, SP-Bezirkschef Antoni appelliert an Menschlichkeit.

Landesklinikum Waidhofen an der Thaya Spital Krankenhaus  |  NOEN, NÖN

Die vorwöchige NÖN-Exklusivmeldung über die bis Mitte 2016 geplante Schließung der Geburtenstation und Gynäkologie am Landesklinikum Waidhofen schlug ein wie eine Bombe – auch und vor allem im Nachbarbezirk Gmünd, der ohnedies bereits seit mehr als fünf Jahren als einziger Bezirk weit und breit ohne „Gyn“ dasteht.

Besonders hart trifft der Eingriff zugunsten eines Psychiatrie-Schwerpunkts in Waidhofen die Bezirkshälfte nördlich der Bezirkshauptstadt Gmünd, Frauen sowie deren Angehörige von hier müssen künftig bei guten Straßenverhältnissen Anfahrtszeiten in die nächste gynäkologische bzw. geburtshilfliche Abteilung in Zwettl oder Horn von bis zu einer Stunde in Kauf nehmen. Dementsprechend laut fällt der Aufschrei aus.

Ein „Wahnsinn“ ist das für FPÖ-Bezirksobmann Peter Immervoll. „Was ist künftig bei Notfällen?“, fragt er: „Da werden dann die Rot-Kreuz-Leute am Feldweg beim Entbinden helfen.“ Es sei, so Immervoll weiter, nur eine Frage der Zeit, bis auch der nächste Polizeiposten geschlossen werde. Betroffen sind auch die Nationalrats-Abgeordneten des Bezirkes, Martina Diesner-Wais (ÖVP) und Konrad Antoni (SPÖ).

„Ja zu Reformen“, sagt Antoni. Aber für eine Schließung dürfe nicht nur die nackte Statistik herangezogen werden. Antoni: „Die Frage sollte doch sein, was einer Frau zumutbar ist – eine Stunde von Litschau ins Spital ist nicht zumutbar. Das ist ein Anschlag auf die Region, ich sehe das überhaupt nicht ein!“ Er appelliert an die Verantwortlichen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Auch Diesner-Wais ist gegen das Ende der „Gyn“. „Alles, was mit Frauen und Geburten zu tun hat, ist sensibel. Wenn es da ernst wird, sind Kilometer absolut ein Thema“, sagt sie. Angesichts zunehmender Abwanderung junger Mütter nach Zwettl sei der Schritt nachvollziehbar, ergänzt Diesner-Wais. „Trotzdem geht damit ein weiteres Stück Struktur verloren.“

Vor Jahren eingeleiteter Abzug nach Zwettl

„Sehr weh“ tut das auch dem Landtags-Abgeordneten und VP- Bezirksobmann Johann Hofbauer. Seine eigenen beiden Kinder erblickten im Waidhofner Klinikum das Licht der Welt, „wir waren hier höchst zufrieden. Wenn aber nicht einmal jeden Tag eine Geburt zu verzeichnen ist, dann ist es schwierig, die Präsenz von kompetentem Personal zu finanzieren.“

In etlichen Gemeindeämtern zwischen Haugschlag, Heidenreichstein, Schrems und selbst dem Süden des Bezirks liegen Unterschriftenlisten gegen die Schließung auf. Aus den Gemeindestuben dringt teils auch massive Kritik an den bereits bestätigten Plänen.

Bürgermeister Karl Harrer (Schrems) bemängelt den vor Jahren eingeleiteten Abzug von Müttern in Richtung Zwettl durch die nur dort eingerichtete Neugeborenen-Station, ins selbe Horn stößt sein Heidenreichsteiner SPÖ-Kollege Gerhard Kirchmaier: „So werden Statistiken beeinflusst.“ Er findet es schade, dass Lokalpolitiker aus den Medien von den vollendeten Tatsachen erfahren mussten. Letzteres stößt auch dem Bürgermeister der Gemeinde Haugschlag Adolf Kainz (ÖVP), die künftig am weitesten von der nächsten Gyn entfernt ist, auf.

„Vielleicht will man die Kleinregion nicht mehr“

„Man soll für die Bürger da sein, wird aber nicht gefragt und auch nicht eingebunden. Vielleicht will man unsere Kleinregion gar nicht mehr“, sagt Kainz: „Aber was sollen wir noch alles ausbaden? Was sollen wir den Jungen sagen, die durch solche Sachen zum Abwandern verleitet werden?“

Protestiert wird am Sonntag mit einer Demo in Waidhofen aber auch im Internet: Auf Facebook mobilisierte die „Bürgerinitiative Pro Geburtshilfe Waidhofen“ 3.600 Unterstützer, mehr als 300 unterzeichneten dort auch eine Petition.