Erstellt am 08. Januar 2016, 09:07

von Johannes Bode

Hannes Wirth: "Es geht steil bergab". Gitarrist Hannes Wirth im NÖN-Gespräch über das neue Album von "A Life, A Song, A Cigarette", über oberflächlichen Pop und die österreichische Musikszene.

Hannes Wirth  |  NOEN, Josef Leitner

Im Jänner erscheint „All that glitters is not gold“, das neue Album der Band „A Life, A Song, A Cigarette“ (ALASAC), mit der der Gmünder Hannes Wirth seit 2004 Musik macht.

NÖN: Ihr habt euch ja wie immer viel Zeit gelassen. Das letzte Album ist 2012 erschienen. Wie ist das neue Werk entstanden?
Hannes Wirth: Das Album ist nach dem Prinzip „Spiel?ma einfach“ entstanden. Bisher war es so, dass wir die Songs gemeinsam komponiert haben und dann ins Studio gegangen sind. Für „All that glitters is not gold“ hatten wir nur Ideen und ein paar Skizzen und haben mit unserem neuen Produzenten Stefan Deisenberger alles gemeinsam gemacht. Sogar die Texte, die bisher immer von Stephan Stanzel kamen, haben wir diesmal zum Teil gemeinsam verfasst. Ein Vorteil war auch, dass Deisenberger im Laufe der Aufnahmen in unser Studio „Tonkombüse“ eingezogen ist. Wir haben uns in den zweieinhalb Jahren immer wieder für Sessions getroffen. Es waren so sechs bis sieben Sessions, die jeweils drei bis fünf Tage gedauert haben.

War es vor – sagen wir mal – zwei Jahren absehbar, dass ALASAC noch ein Album rausbringt?
Nein, überhaupt nicht. Aber es waren viele Ideen da, und wir haben dann festgestellt: Diese Welt braucht das… auf irgendeine Art und Weise. Die erste Session war im Herbst 2013, und die Idee war, eine EP zu machen. Aber die Arbeit mit Deisenberger war sehr produktiv und es ist ein Album entstanden. Was mir diesmal gut gefallen hat, war die uneitle Arbeitsweise. Wir hatten auch keine fixen Strukturen. Wir haben alle viel zu tun, daher war es oft schwierig, Zeit zu finden. Aber wir haben uns einfach keinen Stress gemacht.

Wie ist der Titel des Albums „All that glitters is not gold“ entstanden? Ist es eine Absage an die glänzenden Oberflächen des Pop, wo nichts dahintersteckt?
Die Titelfindung war ein schwieriger Prozess. Irgendwann ist dann dieses Zitat aufgetaucht. Es kommt in abgewandelter Form in einem Led Zeppelin Song vor, ich glaub in „Stairway to heaven“. Später sind wir draufgekommen, dass es von Shakespeare ist. Und ja, das glitzernde Pop-Ding interessiert mich eigentlich nicht. Wir machen auch Pop-Musik, aber so, wie wir uns das vorstellen.

Aber der Titel drückt jedenfalls die Melancholie aus, die in ALASAC fast immer präsent ist … geht die Welt unter?
Global betrachtet geht es steil bergab. Aber da darf man sich nicht zu sehr reinsteigern. Man kann in seinem Umfeld positive Sachen bewirken, und das ist wichtig. Und es gibt sehr viele schöne Dinge zu erleben, etwa das gemeinsame Musizieren. Wir haben jedenfalls viel Spaß gehabt bei den Aufnahmen – aber es kommt dann trotzdem diese Musik raus.

Du musizierst ja auch mit anderen, etwa Ernst Molden. Welche Projekte gibt es aktuell?
Es gibt mehrere Musiker, mit denen ich ab und zu spiele, etwa Alfred Goubran oder Max Perner, der Schlagzeuger von Garish. Aber das ist nichts Fixes. Derzeit bin ich im Quartett mit Ernst Molden, Willi Resetarits und Walther Soyka live unterwegs. Und es wird auch wieder ein neues Theaterstück mit Molden geben, 2017 im Rabenhof. Die letzte Vorstellung von „Hafen Wien“ war erst vor rund zwei Wochen. Theatermusik ist halt wieder was anderes. Da sind so viele Leute involviert, man muss auf die Dramaturgie achten, es gibt eine fixe Hierarchie – und die gibt es in der Band nicht.

In der österreichischen Pop-Szene hat sich im letzten Jahr ja einiges getan, etwa die Hypes um Wanda oder Bilderbuch. Gibts dadurch mehr Aufmerksamkeit? Ist es dadurch für Musiker hier leichter geworden?
Nein, das finde ich gar nicht. Dieser Hype ist doch nur von den Medien gepusht. Die beiden Bands gibts schon Jahre, und sie waren auch immer schon gut. Ich gönne ihnen den Erfolg, auch wenns nicht meine Musik ist. Es gibt andere Bands in Österreich – wie etwa Schmieds Puls – die spannender sind. Die Wiener Szene wächst jedenfalls seit Jahren, das merkt man schon. Man ist gut vernetzt, trifft sich im Wirtshaus und jamt oder schmiedet Pläne.

Da ist ja Wien quasi der Mittelpunkt – ist das Waldviertel schon zu abgelegen?
In Wien zu sein macht alles viel einfacher. Man borgt sich die Musiker, mit denen man sich gut versteht, fürs Studio aus. Karl Stirner, der übrigens der einzige Gastmusiker am neuen Album ist, lebt ja im Waldviertel – und pendelt immer hin und her. Und braucht dann schon drei Stunden, weil er abgelegen wohnt. Der Gastauftritt von Karl Stirner war ja eigentlich Zufall, er war mal in Wien und hat mich angerufen. Ich war gerade im Studio und hab gemeint: Schau vorbei und nimm deine Zither mit...

Mit GmündRockCity hat vor kurzem ein Veranstalter, der auch immer wieder ALASAC gebucht hat, aufgehört…
Egal ob im Waldviertel oder in Vorarlberg – am Land habens die Veranstalter halt schwieriger. Vielleicht liegts aber auch daran, dass die Musik heute anders konsumiert wird, durch die leichte Verfügbarkeit. Man muss nicht irgendwo hingehen, um neue Musik zu hören. Die Künstler und Musiker gibts natürlich überall. Aber am Land wird man halt anders wahrgenommen. Früher hats eine super Musikszene in Heidenreichstein gegeben, da gabs mehr Bands als in Gmünd. Aber die sind jetzt auch alle in Wien.

Ab wann stellt ihr das neue Album live vor?
Im Februar gehts mit der Tour los.