Erstellt am 22. Juni 2016, 13:10

von Markus Lohninger

Kristall-Erlebniswelt kommt. Marktlücke wird gefüllt: Das Kristallstudio Weber am Fuße des Nebelsteins wird in den nächsten Monaten zur Kristall-Erlebniswelt „Kristallium“ umgebaut.

Das Glas-Thema wollen Ingeborg (mit einem Modell des »Kristallium«) und Erwin Weber in den Mittelpunkt einer neuen Erlebniswelt rücken.  |  NOEN, Markus Lohninger

Der Tourismus- Bezirk Gmünd erhält eine weitere Erlebniswelt: In Hirschenwies (Gemeinde Moorbad Harbach) wird das Kristallstudio Weber in den nächsten Monaten zum „Kristallium“ umgewandelt.

Dafür müssen Erwin und Ingeborg Weber ihren Meisterbetrieb gar nicht neu erfinden – sie wollen das Haus mit Werkstatt, Shop, Café & Frühstücks-Pension, das bereits jetzt fast 11.000 Besucher pro Jahr anzieht, als Schaubetrieb in Rundgängen erlebbar machen. An die 250.000 Euro sollen in die Umsetzung des Konzeptes inklusive Neugestaltung eines Kinoraums, diverser Mauer- und Fensterdurchbrüchen fließen.

Historisch gewachsenes Glas-Thema als Erlebnis

Der Geschäftsführende Harbacher Gemeinderat Erwin Weber, dessen Familie auf mehr als 300 Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Glas zurückblickt, betreibt die Glasschleiferei am Fuße des Nebelsteins in vierter Generation. Sein Urgroßvater Julius hatte die „Schleifmühle“ in Hirschenwies vor über hundert Jahren erworben, danach wurde sie immer wieder erweitert. Mit einem breiten Handels-Segment werden inzwischen auch Filialen – in Weitra, im Moorheilbad Harbach und seit 25 Jahren in der Landstraße in Zwettl – betrieben.

„Doch die Glaskunst ist ein schwieriges Segment, in dem nur noch wenige Kleinbetriebe geblieben sind“, sagt Weber: „Gerade deshalb dürfen wir nicht stehen bleiben, sondern müssen uns weiter entwickeln.“ Daher wurde die Struktur des Hauses um den touristisch-gastronomischen Schwerpunkt erweitert, Ingeborg Weber fertigt nun auch Granitschmuck. Zudem verlagerte sich der Arbeitsschwerpunkt neben klassischem Bleikristall im Lauf der Zeit stärker zu Gravuren, Sportpreisen und jährlich an die 5.000 Glastrophäen. Produziert wurde bereits für Königshäuser, auch Fußballer David Alaba hat eine Glastrophäe aus dem Hause Weber in seiner Vitrine stehen.

„Die nächste Weiterentwicklung zielt nun darauf ab, das bei uns historisch gewachsene Thema Glas erlebnis-orientierter zu gestalten“, sagt Weber. Der künftige Rundgang soll mit einer Kino-Vorführung zu Glas und zur Familiengeschichte zum Thema Glas beginnen. Dazu wird ein ehemaliger Restaurant-Raum entkernt und zum Kinosaal für etwa 25 Gäste neu aufgebaut. Hinter Vitrinen sollen in die Wände eingelassene Stoffe wie Vulkanglas dargestellt und beschrieben werden. Im Geschichteraum sollen Vitrinen, Schautafeln und alte Arbeiten eine Übersicht zum Glas im Waldviertel und zur gläsernen Vergangenheit der Familie Weber geben. Von hier aus soll auch die Arbeit in der Schmuckwerkstatt beobachtet werden können.

Die Arbeit mit dem Glas sehen und ausprobieren

Durch einen mit viel Licht und Glas gestalteten Verbindungsgang soll es zur Glaswerkstätte gehen, wo den Arbeitern durch eine breite Glasfront über die Schulter geschaut werden kann. Besucher sollen auch selbst Hand anlegen dürfen. „Das Probieren ist vor allem für Schulklassen das Spannendste“, sagt Weber. Zum Abschluss wird es in den Shop gehen, den die Familie neu strukturieren und um eine Regionalecke erweitern will. Für Junge und Junggebliebene soll im Schauraum zudem ein „chilliger“ Musikraum dazu einladen, vom Handy via Bluetooth einen Musik-Glastisch zu bespielen. Dieses Glas-Erlebnis soll auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Werkstoffes aufmerksam machen.

Ziel ist es, die Arbeiten noch heuer abzuschließen, die Eröffnung des „Kristallium“ wird für Frühling 2017 anvisiert. Auch der Personalstand von derzeit zwölf Mitarbeitern (inklusive Filialen) soll, so Erwin Weber, um zumindest zwei Beschäftigte erhöht werden. Mittelfristig wird mit einer Verdoppelung der Besucherzahlen spekuliert.