Erstellt am 10. Dezember 2015, 05:08

von Markus Lohninger

Hotelprojekt: Massive Kritik. Litschau am Weg zum 6-Millionen-Euro-Familienhotel: Der Spagat zwischen Einsparungs-Potenzialen, neuen Attraktionen und krachender Nächtigungs-Statistik.

Massive Bedenken meldeten SPÖ und Bürgerliste bei der Sitzung des Gemeinderates am 2. Dezember zu dem von Bürgermeister Rainer Hirschmann (ÖVP) präzisierten Projekt „Jugend- und Familienhotel“ in Litschau an: Die Opposition bemängelte vor allem die mit 22 Prozent sehr schwache Bettenauslastung in der Gemeinde und die vom Betreiber Jufa-Holding GmbH erwartete Beteiligung der Stadtgemeinde an den Errichtungskosten.

Jährlich 150.000 bis 200.000 Euro müsste die Sanierungsgemeinde Litschau laut Gemeindeaufsicht 15 Jahre lang finanzieren können, um grünes Licht für das im Bereich Strandbad-Restaurant-Tennisplatz ins Auge gefasste Hotelprojekt zu bekommen, sagte Hirschmann: „Die Frage ist, wie wir das Geld hereinbringen könnten.“

Auf diese Frage ging die Opposition aber gar nicht ein. „Bevor ich ans Finanzieren denke, frage ich mich vielmehr, ob das Projekt laufen wird“, murrte Stadtrat Gerhard Holzweber (SPÖ), und kritisierte die vorgestellten Finanzierungsmodelle: „Das ist, wie wenn ich die Anderswelt II herstellen möchte!“ Die von der Gemeinde in Auftrag gegebene Studie sei alles Andere als positiv ausgefallen. Holzweber: „Da steht ausdrücklich drin ‚im Winter sperrt die Region zu‘ – wir haben mit 475 Betten in Litschau die höchste Zahl im Bezirk und jetzt schon so eine miese Auslastung. Wir sollten bestehende Quartiere ankurbeln, bevor wir über eine neue Bettenburg nachdenken.“

Maximal ein Fünftel der Kosten werden gefördert

Gemeinderat Roland Edinger (BBL) bemängelte vor allem, dass die laut Studien 17.000 Nächtigungen im Jufa-Hotel zu großen Teilen Schüler wären – eine ähnlich hohe Schülerzahl nächtige jetzt schon in Litschau. Von einst 70.000 sei man auf unter 30.000 Nächtigungen pro Jahr gefallen, sagte Edinger: „Wir müssen uns überlegen, wie wir eine Saisonverlängerung schaffen, müssen Attraktionen ins Leben rufen.“ Und die sollten – anders als das Schrammelklang-Festival – nicht in der ohnehin gut ausgelasteten Hauptsaison liegen, ergänzte er.

Das Hotel würde bestehenden Betrieben keine Gäste wegnehmen, konterte ÖVP-Gemeinderat Werner Spazierer. Man müsse der sinkenden Gästezahl irgendwie engegenwirken, „und die Jufa bringt ihre eigene Klientel, die vorher gar nicht hier war.“ Und, Stadtrat Erwin Hauer (ÖVP) in Richtung Holzweber: „Mitbewerb kurbelt an. Warum sind wir bei 22 Prozent Auslastung?“ Es sei jahrelang einfach zu wenig getan worden.

Das Projekt würde, wie Hirschmann erklärte, Gesamtkosten von etwa 6 Millionen Euro aufwerfen, zwei Drittel davon für den Bettentrakt und ein Drittel für den Bäderbereich mit Infrastruktur, Restaurant oder Mehrzweckhalle. Der Bäderbereich sei von der Wirtschaftsagentur Ecoplus des Landes NÖ als nicht förderungswürdig eingestuft worden, für den Bettentrakt könne maximal mit 30 Prozent Förderung (also 1,2 Millionen Euro) gerechnet werden.

Das Thema bleibt uns erhalten – eine Zu- oder Absage der Stadt steht noch in den Sternen.

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