Erstellt am 02. Oktober 2015, 08:07

von Petra Suchy

Impulse für die Bahn. Diskussion im Schatten des Todesfalls in ÖBB-Lok. Aber: Mehrere Lichtpunkte im Austausch mit Tschechien.

Das von tschechischer und österreichischer Seite prominent besetzte Podium zur zweiten Diskussionsrunde der Initiative „Pro Franz-Josefs-Bahn“ beleuchtete im Gmünder Palmenhaus einerseits bereits in die Wege geleitete bzw. ersehnte Maßnahmen zur Verbesserung des Regionalverkehrs diesseits und jenseits der Grenze – und war andererseits ein längst überfälliges Annähern für eine intensivere internationale Zusammenarbeit.  |  NOEN, Suchy

Im Schatten des Zugsunglücks bei Allentsteig, bei dem ein Lokführer aus Brand sein Leben lassen musste, stand die Diskussionsrunde der Initiative „Pro Franz-Josefs-Bahn“ am 25. September im Palmenhaus Gmünd.

Da mehrere Gesprächsteilnehmer mit dem Zug anreisten und über Ersatzdienste nach Gmünd gelangten, verzögerte sich der Beginn um fast eine Stunde und ÖBB-Regionalmanager Michael Fröhlich musste sein Kommen kurzfristig absagen. Aus dem anberaumten Zeitrahmen von zwei Stunden wurden über fünf, zumal durch die Absage der Dolmetscherin die geplante Simultan-Übersetzung für hochrangige tschechische Gäste scheiterte. Pavel Mráèek vom Ministerium für Regionalentwicklung sprang kurzfristig als Übersetzer ein.

90 Minuten Fahrtzeit für Gmünd-Wien

Inhaltlich ist die Initiative ihren Kinderschuhen entwachsen. Erste Erfolge (2-stündiger Taktfahrplan mit besseren Umsteigemöglichkeiten und mehr Komfort durch den City-Jet ab 2017) stimmen optimistisch. Landesverkehrsplaner Friedrich Zibuschka schwärmte langfristig von 90 Minuten Fahrtzeit für Gmünd-Wien: „Ich bin hoffnungsfroh über den Schulterschluss aller Waldviertler Abgeordneten mit dem Land und der ÖBB. Es gibt auch schon konkrete Gespräche über eine Neutrassierung auf 160km/h.“

Bis Jahresende sollen bereits neue Trassenpläne vorgestellt werden, nach einem Abstimmungsprozess mit der Region und den Bürgermeistern sei die „hohe Politik“ mit Finanzierungsvorschlägen am Zug.

Privater Betreiber zeigt Interesse an FJB-Trasse

Interessantes war aus Tschechien zum Thema FJB zu hören, wobei in Gmünd zahlreiche grenzüberschreitende Kontakte von Experten geknüpft wurden.

So sieht Ivan Studlar, Verkehrsberater im Südböhmischen Kreisamt, die Aufwertung der FJB als Teil eines Gesamtkonzepts für die Europaregion Donau-Moldau. Technische Probleme der Vergangenheit seien, so Studlar, bereits lösbar, die Modernisierung tschechischer Loks nahe. Für große Impulse brauche es aber noch einen klar kommunizierten gemeinsamen Willen. Eine Chance dafür biete sich am 13. Oktober bei einer länderübergreifenden Sitzung in Linz.

Pavel Kosmata, Regionalmanager der tschechischen Bahn, wünscht sich längerfristig gemeinsame Tickets mit gerechter Kostenteilung für ÖBB/CZ-Bahn, etwa bei Gruppenfahrten. Derzeit seien die Tarife Richtung Oberösterreich noch günstiger als nach Niederösterreich.

Interessante Aspekte brachte indes das private Verkehrsunternehmen LEO-Express ein, das Bus- und Zugsverbindungen in Tschechien, der Slowakei und Polen betreibt: Generaldirektor Peter Köhler dachte offen über die Übernahme von FJB-Verbindungen nach. Er sieht großes Potenzial im österreichischen Grenzraum und dem Anschluss nach Wien, zumal die Trasse Wien-Prag über Brünn bereits stark überlastet sei und die Variante über Gmünd mit weniger Kilometern auch günstigere Tarife ermögliche.

Bloß ist die Direktverbindung über Èeské Velenice-Veselí noch nicht elektrifiziert. Jaromír Slíva, Bürgermeister von Velenice und Kreishauptmann-Stellvertreter von Südböhmen, berichtete aber von Vorarbeiten am Bahnhof und der Finanzierung für die geplante Elektrifizierung; der Bau der notwendigen Trafo-Station stehe bevor. Zur Prüfung stehen derzeit, wie Jan Køemen (CZ-Schienennetz-/Infrastrukturverwaltung) sagte, fünf Modernisierungsvarianten von neuen Bahnhöfen bis zur Aufrüstung für Tempo-160-Züge. 2016 erwarte er erste Ergebnisse.