Erstellt am 21. Mai 2016, 05:14

von Markus Lohninger

In Gmünd wird geheiratet. Bezirk wird nach Arbeiten über Anderlfabrik und Schuhwerkstatt wieder Schauplatz einer Doku: Für „Universum History“ hat sich selbst die Stadtchefin in Schale geworfen.

 |  NOEN, Udo Müller
Am Ende wird vor versammeltem Filmteam geheiratet. Für die Hochzeitsgesellschaft im Stadtwirtshaus Hopferl haben sich am 13. Mai unter anderem Bürgermeisterin Helga Rosenmayer, Stadtrat Benjamin Zeilinger, Pater Georg Kaps, Gottfried und Gabriele Libowitzky sowie Karl Binder als Laiendarsteller herausgeputzt.
x  |  NOEN, Harald Winkler

Und wir sind gespannt, wen von ihnen wir in einigen Monaten neben „Fernsehkommissarin“ Kristina Sprenger von den Bildschirmen flimmern sehen, wenn die ORF-Reihe „Universum History – Unser Österreich“ über Gmünd und Ceské Velenice erstmals gezeigt wird.

Die Hochzeit ist der zukunftsweisende Höhepunkt des Dokumentarfilms „Gmünd – Leben an der Grenze“, der derzeit in der geteilten Stadt gedreht wird.

x  |  NOEN, FF Gmünd

Harald Winkler, der in das Projekt involvierte Mitarbeiter der Stadtgemeinde, habe sie zu diesem Ende in der Gegenwart inspiriert, sagt Regisseurin Anita Lackenberger zur NÖN: „Ich kam auf die Idee, als er im Vorfeld gesagt hatte, dass hier Familien aus verschiedenen Stadtteilen häufig durch die Heirat zusammenwachsen. Die Fürnsinns sind dafür ein Paradebeispiel. Ich zeige die Heirat nicht romantisierend – Menschen wachsen tatsächlich so zusammen.“

Mit den Fürnsinns durch die Geschichte

Anhand der Familie Fürnsinn um Hans Fürnsinn, dessen Vater Johann als „Stadtbaumeister“ in die Geschichte Gmünds einging, wird ein Blick über mehrere Generationen in drei unterschiedlichen Stadtteilen geworfen, die also getrennt und doch irgendwie auch gemeinsam sind.

Lackenberger, die Filmemacherin und Historikerin, zeigt die Geschichte beispielhaft für das 20. Jahrhundert in Niederösterreich dokumentarisch sowie mit Spielszenen. Dafür wurde teils Wohnräumen der Familie Fürnsinn für historische Aufnahmen der Hauch der 1920er Jahre verpasst.

Sieben Feuerwehr-Kameraden wurden zudem Zeugen einer spektakulären nächtlichen Fluchtszene mit einem Stuntman von der Dampflok in Ceské Velenice – die Gmünder Wehr ermöglichte mittels Teleskopmastbühne die Ausleuchtung des Areals.

„Hier wurde in Windeseile Raum
für 30.000 Flüchtlinge geschaffen.
Das lässt nachdenken.“
Regisseurin Anita Lackenberger


Etwa 20 Drehtage sind für den Raum Gmünd vorgesehen, wobei Anita Lackenberger auch Seitenblicke in die aufregende Landschaft abseits der historischen Schauplätze werfen will.

In der Stadt faszinierte sie nicht nur der herzliche Empfang, sondern auch die Vergangenheit. „Die Schaffung des Flüchtlingslagers in der heutigen Gmünder Neustadt vor mehr als hundert Jahren war ein unglaublicher Meilenstein der Geschichte, der die tragischen Ereignisse zu dieser Zeit fast in den Hintergrund rückte. Man muss sich das angesichts heutiger Debatten einmal vorstellen: Hier wurde in Windeseile Raum für 30.000 Flüchtlinge geschaffen, das lässt nachdenken…“

Recht hat sie: Gmünd hatte nach 1914 als 2.600-Einwohner- Stadt die Aufnahme von 30.000 Flüchtlingen im Lager verkraftet – Österreich schlitterte hingegen im Vorjahr als 8,7-Millionen-Einwohner-Staat durch die Aufnahme von nur dreimal mehr Flüchtlingen praktisch und politisch ins Chaos.