Erstellt am 18. April 2016, 07:54

von Johannes Bode

Manuela Schuster: „Ist oft nur ein Palaver“. Regisseurin Manuela Schuster plaudert über Diplomatie, Nationalismus und das Stück „Häuptling Abendwind“, das sie mit der Bühne Heidenreichstein aufführen wird.

Regisseurin Manuela Schuster führt das zeitlos-aktuelle Nestroy-Stück »Häuptling Abendwind« mit der Bühne Heidenreichstein auf.  |  NOEN, privat

Die Bühne Heidenreichstein bringt ab 29. April den „Häuptling Abendwind“ von Johannes Nestroy zur Aufführung. Die NÖN bat Regisseurin Manuela Schuster zum Gespräch.

NÖN: Der Nestroy’sche Häuptling Abendwind ist eigentlich nicht so bekannt, warum haben Sie sich für dieses Stück entschieden?

Manuela Schuster: Es ist genau die Art Stück, die mich anspricht: Es ist vordergründig komisch, im Grunde genommen aber eine Satire voll schwarzem Humor – und trotz des „Alters“ ist es gerade heute wieder höchst aktuell; eine köstliche Persiflage auf die hohe Kunst der Diplomatie. Das Stück spielt auf der Südsee-Insel Groß-Lulu, wo Häuptling Abendwind seinen Amtskollegen von der Nachbarinsel zu einer Konferenz erwartet. Wie es sich gehört, möchte Häuptling Abendwind den Gast ordentlich bewirten, doch leider ist Frischfleisch mehr als rar. Zum Glück ist aber gerade ein Schiffbrüchiger angeschwemmt worden. Was es mit diesem jungen Fremdling und seinem Schicksal auf sich hat, möchte ich nicht verraten.

NÖN: Warum ist das Stück höchst aktuell? Was kann es uns heute erzählen?

Schuster: Es gibt eine Reihe von Themen, die Nestroy mit seiner Satire anprangerte, auch wenn das damals nicht erkannt wurde. Diese Themen beschäftigen uns heute, teilweise in anderem „Gewand“, wieder: Damals wie heute erleben wir ein Erstarken des Nationalismus und ein Abgrenzen gegen das „Fremde“, imperialistisches Gehabe nicht nur auf Staaten-Ebene, sondern auch bei Institutionen oder Konzernen, und last but not least eine Diplomatie, die oft nicht viel mehr ist als wortreiches, heuchlerisches Palaver.

NÖN: In der Persiflage ging es ja damals auch um den europäischen Imperialismus und Kolonialismus – und es wurde damals oft missverstanden. Könnte die Persiflage heute auch noch missverstanden werden?

Schuster: Missverständnisse kann man wohl nie ausschließen. Nicht einmal bei Bedienungsanleitungen. Gerade die Form der Satire bzw. der Posse bietet einerseits die Möglichkeit, sich mit brisanten Themen öffentlich kritisch auseinanderzusetzen, andererseits ist damit das Risiko verbunden, dass die Message falsch ankommt. Ich sehe es aber nicht als meine Aufgabe, dem Publikum vorzugeben, wie es das Stück zu verstehen hat. Mein Ziel ist es, eine stimmige Inszenierung dessen auf die Bühne zu bringen, was ich in dem Stück sehe und wie ich es interpretiere.

NÖN: Das Stück spielt auch in der Fassung der Bühne Heidenreichstein auf einer Insel – wie haben sie das angelegt?

Schuster: „Häuptling Abendwind“ szenisch umzusetzen, sodass die Doppelbödigkeit nicht im Klamauk untergeht, ist eine schwierige Sache. Ich bin glücklich, so ein tolles Team um mich zu haben, das es mir ermöglicht, meine Ideen umzusetzen. Das Spektakel beginnt nicht erst um 20 Uhr, sondern schon in dem Moment, wo der Besucher das Volksheim betritt. Eine der größten Herausforderungen ist es, die eher unpersönliche Atmosphäre des Volksheimes mit seiner „Guckkastenbühne“ mit Südsee-Insel-Feeling zu erfüllen. Dementsprechend aufwendig sind Ausstattung, Requisiten und Kostüme. Die Kostüme wurden eigens angefertigt, wobei wir für die noch unentdeckte Insel weitgehend Naturmaterialien verwendet haben, während sich bei der Ausstattung der Nachbarinsel Papatutu bereits alle „Segnungen“ der Zivilisation zeigen.

NÖN: Das Team auf der Bühne ist wieder groß, es wird sogar gesungen und gespielt. Wie kriegt ihr das mit dem Proben hin?

Schuster: Es ist immer eine Herausforderung, den Probenplan zu erstellen. Bei dieser Produktion sind es 15 Darsteller, die unter einen Hut gebracht werden müssen. Am Anfang haben wir einzelne Szenen und kurze Sequenzen geprobt, sodass nicht immer alle dabei sein mussten.

Eine Besonderheit ist sicher die Live-Band. Es gibt einige Couplets, zu denen Martin Schuster äußerst stimmige Kompositionen gemacht hat. Die Couplets haben wir in speziellen Proben erarbeitet und erst danach in die jeweiligen Szenen integriert. Jetzt, in der Endphase ist es wichtig, dass alle Zeit haben: auch das Backstage-Team. Deshalb proben wir hauptsächlich an den Wochenenden.