Erstellt am 11. Mai 2016, 06:14

von Markus Lohninger

Das Leben sollte Vorrang haben. Markus Lohninger über Baum-Neupflanzungen direkt neben Straßen

Wenn regionale Forderungen seit Jahrzehnten vom Verkehr handeln, dann ist mit Verkehr primär das möglichst rasche motorisierte Weiterkommen gemeint. Darüber, wie dieses nicht selten das Leben im öffentlichen Raum beeinflusst und unterdrückt, fehlt eigentlich jede Diskussion. Im Gegenteil.

Unsere Radwege werden beispielsweise, wenn überhaupt, dann so gebaut, dass sie nur ja den Straßenverkehr nicht stören. Wir verstehen den Ärger von Autofahrern, wenn sie sich auch nur kurzfristig einmal dem öffentlichen Leben unterordnen müssen – so erntete heuer mit dem Wien-Marathon selbst das größte Sport-Event Österreichs mit über 40.000 Teilnehmern Prügel statt Applaus dafür, dass es die Ringstraße vorübergehend benzinfrei mit Leben füllte. Irgendwie verrückt, oder?

Ist es angesichts dessen grotesk, wie aktuell nahe Heidenreichstein das Nachsetzen von Bäumen direkt an gefährlichen Straßenstücken zu kritisieren? Wohl kaum. So viel Zündstoff das Opfern von Bäumen für den Verkehr auch birgt – so schwer wird es sein, Hinterbliebenen zu erklären, warum ohnehin bereits gefällte Bäume kurz nach einem tödlichen Unfall wieder nachgesetzt werden mussten.