Erstellt am 18. November 2015, 06:18

von Markus Lohninger

Ein Viertel der Gescheiterten?. Markus Lohninger über unbrauchbare Waldviertel-Stereotype

Ein Uni-Professor und sein Team wollten wie berichtet Schrems und Heidenreichstein nach dem Muster der großen Marienthal- Studie über einen Ort, wo um 1930 drei Viertel aller Familien durch einen Konkurs in Arbeitslosigkeit und bitterste Armut gedrängt wurden, „vermessen“. Immerhin das Wirtschaftsblatt zeichnet in Berufung auf den Forscher das Bild eines Waldviertels des Scheiterns, das maximal andere Gescheiterte aus der City anzieht, die sich im Gemüsegarten als Selbstversorger neu erfinden wollen. Keine Arbeit, keine Bildung, kein Geld, keine Perspektiven, keine brauchbaren Handwerker. Kein Leben.

Über diesen Schmarren erregt sich Margit Weikartschläger zurecht. Der Gmünder Bezirk beschäftigt in vielen Sektoren die meisten Arbeitskräfte im Waldviertel, deren Einkommen liegt im Schnitt überm Landes- und Bundeswert. Ja, uns plagt auch Arbeitslosigkeit. Aber damit wissenschaftlich wirkende Effekthascherei zu betreiben ist dumm und gefährlich: Wird das Bild lange genug in unsere Köpfe gebrannt, dann erfüllt es sich womöglich irgendwann wirklich. Vielleicht ist gerade das gewollt.