Erstellt am 10. August 2016, 05:37

von Markus Lohninger

Zweierlei Maß bei Delikten. Markus Lohninger über Ausraster in den Scheuklappen unserer Zeit

Halten wir uns eine Szene vor Augen, die sich am Wochenende in Gmünd zugetragen hat: Ein Mann schreit im Lokal herum, bedroht anwesende Gäste mit dem Umbringen, lässt sich nicht beruhigen, wird abgeführt.

Stellen wir uns vor, es wäre ein Flüchtling oder jemand gewesen, der eben auf den ersten Blick als Flüchtling eingeschätzt wurde. Hätten wir die Sache als vielleicht „b’soffene G’schicht“ abhandeln können? Wäre ein Auflauf von Cobra-Spezialisten und Terror-Experten ausgelöst worden? Hätten Internet-Hetzer zum großen Aufschrei ausgeholt und ihre „Ausländer raus“-Parloen formuliert? Hätten sie einen Skandal daraus gemacht, weil der Mann ohnehin schon amtsbekannt war? Würden wir uns nachts nicht mehr in die Neustadt trauen, weil wir uns dort jetzt unsicher fühlen?

Es war ein „waschechter“ Gmünder. Der Vorfall war für überregionale Medien (und auf Facebook sowieso) nicht der Nennung wert, er schaffte es auch nicht ins Stadtgespräch auf der Straße. Die vergangenen Monate haben uns offenbar gelehrt, mit zweierlei Maß zu messen – und uns vergessen lassen, dass es gute und zumindest nicht immer nur gute Menschen in allen Völkern gibt.