Erstellt am 02. März 2016, 05:04

von Markus Lohninger

Wissen, das verloren geht. Markus Lohninger übers Erforschen der Lokalgeschichte – und die Lehren daraus

Nationalsozialismus, Holocaust oder Zweiter Weltkrieg verband viele Jahre lang ein Tabu, das im Geschichtsunterricht nicht oder kaum angerührt wurde.

Zur Herausforderung, in einem Feld mit unzähligen zumindest offenen Fragen aufzuklären, ohne anzuprangern, kam die Not der Nachkriegszeit. Es verwundert nicht, wenn der Fokus mitunter mehr auf der Bewältigung des Hier und Jetzt als auf der Aufarbeitung der Vergangenheit lag.

Das geschah im Großen wie im Kleinen. Nur: In mehreren Gemeinden ist, wie auch Historiker Franz Drach nach seinen umfangreichen Recherchen bedauert, selbst mehr als 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch äußerst wenig Material über diese Zeit gesichert worden. Allmählich sterben jedoch auch die letzten Zeitzeugen, und Historikernachwuchs – der sich der Zeitgeschichte in seiner Heimat annehmen möchte – bleibt weitgehend aus.

Damit droht Wissen über ein Kapitel unserer Vergangenheit, das über die rein lokale Bedeutung hinausgeht, für immer verloren zu gehen. Das ist gerade in Zeiten wieder aufkommender Radikalismen doppelt bitter.