Erstellt am 03. Oktober 2015, 00:07

von Johannes Bode

Konservative Rollen. Blick zurück in die Geschichte des Feminismus: „Der dressierte Mann“ von Esther Vilar im Wald4tler Hoftheater. / „Ich hab nachgedacht“, sagt der Mann, und das zum zweiten Mal.

Johanna Lindinger hält als linke Theoretikerin und frühe Feministin ihren Sohn Bastian (Clemens Berndorff) für konservativ und kleinkariert: Zu sehen in „Der dressierte Mann“ im Wald4tler Hoftheater.  |  NOEN, REINHOLD HARTL-GOBL
„Ich hab nachgedacht“, sagt der Mann, und das zum zweiten Mal. Wieder darf gelacht werden, denn: So betrunken kann man nicht nachdenken. Bastian ist längst Marionette der Frauen im Haus. Und die wollen komischerweise nur eines: dass er eine von ihnen heiratet.

An den Anfang der Komödie „Der dressierte Mann“, die am 25. September im Hoftheater Premiere feierte, hat Regisseur Hanspeter Horner einen Videoclip gesetzt. Die Kochsendung klärt die Zuschauer nicht nur über industrielle Fischzucht auf, sondern es wird auch eine Banane verkocht, geerntet von „kleinen und großen Arbeitern“, die aufgrund der Pestizide oft früh sterben: „A bissl a Schwund is immer.“

Der derbe Schmäh, geklaut aus einer Satire-Sendung, geht in der Inszenierung etwas unter. Dennoch: Im Anschluss daran erscheinen die Sorgen, die Helen (Maria Kankelfitz) und Bastian (Clemens Berndorff) plagen, wie Luxusprobleme: Wer verdient mehr? Wer klettert schneller die Karriereleiter hinauf? Ein Problem, das vor 1971 nicht vorstellbar war. In dem Jahr ist „Der dressierte Mann“ von Esther Vilar erschienen, darauf basiert das Stück von John von Düffel.

Tempo, Witz, aber auch trockene Abhandlungen

Für die ersten Lacher sorgt Berndorff, der überzeugend einen „modernen“ Mann spielt, der eigentlich aber in den alten Schubladen denkt. „Du opferst meine Spermien deiner Karriere?“ Sogar die Mama (Johanna Lindinger), eine Feministin alter Schule, hält ihn für kleinkariert. Sie und die Mutter von Helen (Susanne Altschul) sind sich schnell einig: Der Mann muss sich als Versorger fühlen können. Denn, so die These, nicht der Mann unterdrückt die Frau, sondern umgekehrt. Den Sexismus-Vorwurf hat sich der Text damals vielleicht zu Recht eingehandelt. Unverständlich bleibt nämlich, warum die feministische Mama es aushält, dass im Kampf um die Ehe plötzlich eben jene konservativen Geschlechterrollen bemüht werden, gegen die sie gerade eben noch aufgetreten ist.

Die Inszenierung bemüht sich um Tempo, nutzt aber die Möglichkeiten, die die Guckkastenbühne auf der Bühne (Klaus Gasperi) bietet, nicht konsequent aus. Bis auf ein paar trockene Abhandlungen bleibt das Stück jedenfalls unterhaltsam und witzig. Eine Komödie, die auch heute noch für Diskussionsstoff sorgen kann.