Erstellt am 18. Dezember 2015, 05:28

von Karl Tröstl

Es gibt ein Leben nach dem Schlüpfen für Hahnenküken. Kein unnötiges Sterben mehr: An der B2 bei Kottinghörmanns wird Bio-Aufzuchtbetrieb für Hähne errichtet.

Stefan und Nicole Kolm bei einer Inspektion ihrer Baustelle.  |  NOEN, Karl Tröstl

Ein österreichweit bislang einzigartiger Betrieb entsteht derzeit neben der Bundesstraße B2 in Kottinghörmanns: Dank Investitionen in Höhe von etwa 500.000 Euro bauen Nicole Kolm und ihr Gatte Stefan einen ehemaligen Milchproduktionsbetrieb zum Aufzuchtbetrieb für Hähne auf – gelebter Tierschutz inklusive.

Dreieinhalb Jahre, nachdem Kolm mit ihrem Gatten den landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern übernommen hat, wird 2016 auf Hahnenaufzucht umgerüstet. Dazu müssen die Bio-Bauern zahlreiche Auflagen des Gesundheitsministeriums berücksichtigen – das betrifft die nötige Lauffläche von je einem halben Quadratmeter in der im Bau befindlichen Halle und auch im Freigehege, die Beschaffenheit des Wintergartens oder den Tageslicht-Einfall. Draußen muss eine fluchtsichere Umzäunung aufgebaut werden. Auf der Baustelle herrscht daher reger Betrieb, schließlich will man im März eröffnen.

Die Abnahme durch große Lebensmittel-Konzerne ist dank einer Partnerschaft mit der Eiermacher GmbH in Schlierbach gesichert, die die Hälfte des Bio-Eier-Marktes ausmacht und auf Tierschutz aus Überzeugung setzt. Die Eiermacher beziehen Eier von zahlreichen biologischen Partnerbetrieben. Erbrütet werden sie in Kremsmünster, wo aus rund 800.000 Eiern etwa zu gleichen Teilen Hennen und Hähne schlüpfen.

Nach glücklicher Zeit in Lebensmittel-Konzerne

Wurden früher Hahnenküken nach dem Schlüpfen getötet (laut Eiermacher in Österreich jährlich sechs Millionen!), so dürfen sie nun als – in Zusammenarbeit von Zuchtlabors und Tierschützern entstandene – „Zweinutzungsrasse Sandy“ weiterleben. Sandy-Hähne soll eine „glückliche Zeit“ erwarten. Sie werden in Bio-Betriebe geliefert und dort etwa neun Wochen artgerecht gehalten. Dabei werden sie nach traditioneller Art mit biologischem Futter und Freilauf groß gezogen, und schließlich für die Verwertung als Lebensmittel wieder abtransportiert.