Erstellt am 06. Februar 2016, 06:23

von Johannes Bode

Ungewöhnliche Eröffnung in Karlstift. Melanie Zipf will ehemaligen Nahversorgungs-Laden in Karlstift mit Kunst neu beleben - und will Gruppe an Karlstiftern finden, die Nahversorgung übernimmt.

Melanie Zipf bei ihrer Installation im »K26«, wo es in Kooperation mit der Bücherei Bad Großpertholz auch einen Bücherkoffer gibt.  |  NOEN, J. Bode

Den Spruch, es sei „eine Kunst, in Karlstift ein Geschäft zu eröffnen“, nahm die vor knapp drei Jahren zugezogene Melanie Zipf wörtlich: Sie startete ein „kulturelles Experiment“ mit dem Ziel, den seit zweieinhalb Jahren geschlossenen Nahversorgungs-Laden in Karlstift gemeinschaftlich wieder zu beleben.

Doch als ersten Schritt wollte Zipf die Bedeutung von Ökonomie in einer Gemeinschaft thematisieren: „Was brauchst du?“, ist eine der Fragen, die sie den Karlstiftern stellt. Welche Investitionen sind nötig? Was ist das wert? Und: Was ist Wert überhaupt? Dieser Prozess wurde bei der Vernissage am 30. Jänner in ehemaligen Geschäft in Karlstift 26 unter dem Titel „K26 – einmachen.anmachen.aufmachen“ (Infos dazu auch unter www.k-26.at ) vorgestellt.

Der Raum, der als „kreativer Spielraum“ zum Ideensammeln einlädt, zeigt bereits den Beginn des Prozesses: Direktvermarkter und Hofkollektive werden vorgestellt, Wirtschafts-Statistiken (etwa zur ungleichen Verteilung des Reichtums in der Gesellschaft) gezeigt und die Bedürfnisse der Karlstifter sind bereits in einer Tabelle zu lesen: Salz, Öl, Milch, Getreide, Obst, Gemüse steht da etwa. „Es ist aber auch wichtig, dass das Geschäft als sozialer Treffpunkt funktioniert. Die Leute wünschen sich, dass man hier auch einen Kaffee trinken kann oder dass es am Samstag Frühstück gibt“, erzählt Zipf.

„Die Leute wünschen sich,
dass man hier auch einen Kaffee trinken kann
oder dass es am Samstag Frühstück gibt.“
Melanie Zipf sieht K26 auch als sozialen Treffpunkt

Eine weitere Frage, die sich ihr stellte: Warum soll man für ein Produkt – etwa Milch – in den Supermarkt in der nächsten Stadt fahren, wenn es vielleicht ganz in der Nähe produziert wird? Regionales Wirtschaften ist in der interaktiven Installation genauso ein Thema wie die Gemeinschaft an sich: Wer kann sich wie einbringen? Bis 1. Mai soll das Experiment laufen, im Idealfall soll bis dahin die Nahversorgung organisiert sein und eine Gruppe von Karlstiftern gemeinsam den Laden betreiben. Melanie Zipf, die auch in Wien einige Jahre im Kulturbereich tätig war, gibt sich optimistisch: „Ich will die Leute zusammenkriegen. Natürlich stößt man auf Widerstände, aber man bekommt ebensoviele positive Rückmeldungen.“

Der Zugang, Karlstift nicht automatisch in die Kategorie „strukturschwach“ einzuordnen, sondern das ökonomische Potenzial zu sehen, hat jedenfalls schon für Aufsehen im Ort gesorgt. Bei der gut besuchten Eröffnung wurde auch das Dorfzentrum mit einem Konzert von „Soyka & Stirner“ – und einigen Dikussionen – belebt.