Lainsitztal

Erstellt am 12. Oktober 2016, 06:50

von Johannes Bode

Eine Stunde als Währung. Das Netzwerk „Willkommenskultur im Lainsitztal“ übernimmt das in Groß Gerungs erprobte System „Dankeschön“, bei dem Hilfsleistungen getauscht werden.

Gerhard Fallent (Obmann von „Willkommen Mensch!“), Brigitte Temper-Samhaber („Willkommenskultur Lainsitztal) und Nazer Hosseini, der seine Fertigkeiten als Schneider in das Netzwerk einbringt.  |  NOEN, privat

“Die Initiative in Groß Gerungs hat dieses Konzept entwickelt – und nun verschenken sie ihr Know-How! Das kann in ganz Niederösterreich angewendet werden“, freut sich Thomas Samhaber, der die Öffentlichkeitsarbeit für das Netzwerk „Willkommenskultur Lainsitztal“ macht.

Der Verein hat nun das System „Dankeschön“ übernommen, in dem ganz einfach Zeit getauscht wird: Einheit ist eine Stunde, die Plus- bzw. Minus-Stunden werden in ein persönliches „Tauschbuch“ eingetragen.

System nicht für regelmäßige Arbeit da

Die Initiative „Willkommen Mensch! in Groß Gerungs und Langschlag“ wurde erst Ende September für ihr Engagement ausgezeichnet, Vereinsobmann Gerhard Fallent nahm die niederösterreichweit ausgeschriebene Auszeichnung „Ort des Respekts“ entgegen. Über 100 Menschen engagieren sich dort für die Integration von Flüchtlingen, für das Projekt „Dankeschön“ gibt es dort sogar eigene Bürozeiten.

Im Lainsitztal wird übers Internet – derzeit via „Whatsapp“ – kommuniziert. „Wichtig ist, dass kein Geld fließt, dass es nicht personenbezogen ist und dass es hier nicht um regelmäßige Arbeit geht“, erklärt Samhaber. Das heißt also, dass alle Vereinsmitglieder „kreuz und quer“ tauschen.

„Und das kann übers Handy oft recht schnell gehen – etwa wenn jemand zum Arzt muss.“ Sollten Vereinsmitglieder Dienstleistungen brauchen, aber nicht anbieten wollen, gibt es auch eine Lösung: Man kann eine Stunde um 4,50 Euro kaufen. Der Verein kassiert – und bei Bedarf können andere Mitglieder überschüssige Stunden wieder umtauschen – etwa, wenn ein Kühlschrank benötigt wird. Außerdem erhält jedes Vereinsmitglied einmal pro Jahr fünf „Dankeschöns“ gutgeschrieben.

Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Kommunikation innerhalb des Netzwerks dadurch angeregt wird – und sich Menschen treffen, die sonst keinen Kontakt hätten.

Umfrage beendet

  • Zeittausch-System für Flüchtlinge: gut?