Litschau

Erstellt am 13. April 2017, 04:01

von Thomas Weikertschläger

Nach Sanierung: "Wir punkten mit Verstand“. Litschauer Bauunternehmen Kuben sucht Mitarbeiter und plant Neubau des Firmengebäudes.

Mit dem Plan für eines der nächsten Projekte in Händen strahlt Johannes Kuben Optimismus für die Zukunft seines Litschauer Bauunternehmens aus.  |  Thomas Weikertschläger

Im vergangenen Dezember musste die Litschauer Baufirma Kuben aus eher ungewöhnlichem Grund beim Landesgericht Krems ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung anmelden (die NÖN berichtet) – jetzt setzt das Unternehmen mit rund 35 Mitarbeitern, zum saisonalen Höhepunkt sogar bis zu 50, ein kräftiges Lebenszeichen: Dank guter Auftragslage sucht das Unternehmen zusätzliche neue Mitarbeiter, auch ein weiterer Ausbau der Firma ist geplant.

Das Sanierungsverfahren war damals notwendig geworden, weil ein Kunde, der ausgefallene Sonderwünsche gehabt hatte, die Firma geklagt hat und in erster Instanz Recht bekommen hat. Geschäftsführer Hannes Kuben fühlte sich aber im Recht und legte gegen dieses Urteil Berufung ein. Das Sanierungsverfahren musste aber wegen eines fehlenden Rechtstitels dennoch eingeleitet werden. „Ich hätte mich strafbar gemacht, wenn ich damals anders entschieden hätte“, erinnert sich Kuben zurück. Allerdings wurde dem Unternehmen kein Masseverwalter beigestellt, es gab lediglich einen Sanierungsverwalter, da die Sanierung mit Eigenverwaltung durchgeführt wurde. Den Gläubigern wurde eine 30-Prozent-Quote angeboten, die akzeptiert wurde. Der Sanierungsplan ist mittlerweile bestätigt.

„Wo andere vielleicht Spezialgeräte brauchen, punkten wir mit Hausverstand.“
Hannes Kuben über Wettbewerbsvorteile Waldviertler Unternehmen

„Die Richterin des Insolvenzgerichtes Krems, der Sanierungsverwalter sowie die Gläubigerschutzverbände waren mit dem Ablauf des 90-tägigen Verfahrens sehr zufrieden“, erzählt Kuben. Zur Bestätigung des Sanierungsplanes brauchte es eine Zustimmung von mehr als 50 Prozent der Gläubiger (sowohl der Gläubiger-Anzahl als auch bezüglich der Gesamtsumme der Verbindlichkeiten). „Wir hatten eine Zustimmung von 100 Prozent. Sogar jener Gläubiger, der uns geklagt hat, hat zugestimmt“, so Kuben.

Unter anderem sei diese Zustimmung auch dem Verhalten von Finanzamt, Gebietskrankenkasse und Bauarbeiterurlaubskasse zu verdanken. „Letztere hat seit zehn Jahren keinem Sanierungsverfahren eines Bauunternehmens zugestimmt. Bei uns schon“, meint Kuben. Auch Lieferanten und Kunden seien immer zum Unternehmen gestanden. Kuben: „Wir versuchen, unseren Kunden immer zu zeigen, dass sie uns wichtig sind. Das haben sie uns in dieser Situation mit ihrem Vertrauen zurückgegeben.“

Ausbau: Suche nach neuen Mitarbeitern läuft

Nach dem überstandenen Sanierungs-Thema blickt Kuben optimistisch in die Firmenzukunft. Die Auftragslage sei sehr gut, derzeit werden einerseits noch Aufträge aus dem Vorjahr abgearbeitet, andererseits auch schon neue Aufträge begonnen. „Seit April sind wir in Vollbeschäftigung, alle Baustellen laufen“, so der Chef, der derzeit Baustellen in Litschau, Gmünd, Waidhofen, dem Bezirk Zwettl und im Großraum Wien betreut. Besonders in Wien sei die Firma dank der bekannten Waldviertler Zuverlässigkeit gefragt, der Fokus bleibt aber in der Region Waldviertel.

Damit diese Qualität auch weitergegeben wird, legt Kuben großen Wert auf Lehrlingsausbildung. Besonders wichtig ist ihm dabei, den jungen Menschen auch die Bearbeitung von Waldviertler Granit-Findlingen zu vermitteln. „Es wäre schade, wenn diese Fähigkeit verloren gehen würde“, so Kuben. Derzeit werden drei Lehrlinge ausgebildet und neue Lehrlinge gesucht. Dabei setzt Kuben auf eine umfassende Ausbildung, vom „normalen Mauern über Sanierungen, Pflasterungen, Terrassen – Platten verlegen, Verputztechniken, Schalungs- und Stahlbetonbau bis zur Fassadenrenovierung ist alles dabei. Wenn man die drei Jahre sinnvoll nutzt, steht einem der Weg bis zum Baumeister offen, auch ich habe als Maurerlehrling begonnen“, meint Kuben. Aber auch drei bis vier qualifizierte Fachkräfte für den Regiebereich werden derzeit gesucht.

Bei den Auftraggebern, meist Privatpersonen, aber auch der öffentlichen Hand oder der Diözese bei Kapellen- und Kirchensanierungen, will Kuben mit perfekter Planung punkten und bietet auf 3D-Planung aufbauende Visualisierungen an, die letztendlich für den Kunden wie ein Foto aussehen. Außerdem: „Wir schrecken auch vor herausfordernden Projekten nicht zurück. Wo andere vielleicht Spezialgeräte brauchen, punkten wir mit Hausverstand“, macht Kuben seine Unternehmensphilosophie klar. Dass der Optimismus im Unternehmen groß ist, zeigt die Tatsache, dass ein Neubau des Firmengebäudes geplant ist. Allerdings, so Kuben: „Das passiert noch nicht 2017, da wollen wir die vergangenen Monate noch so richtig verdauen.“