Erstellt am 26. Mai 2016, 06:04

von Markus Lohninger

Schösswender überzeugt mit Qualität. Gießerei trotzt Randlage und Billig-Konkurrenz mit Qualitäts-Offensive und Spezialisierung: 2016 werden gut 500.000 Euro investiert – und +10 Prozent Umsatz erwartet.

Wo Geschäftsführer Johann Süß (links) und Johannes Steindl stehen, da wird ab Herbst - auf neuem Bodenbelag - die bereits siebente CNC-Bearbeitungsanlage laufen.  |  NOEN, M. Lohninger

Der größte private Betrieb in Litschau stellt seinen Standort auf einer Karte inmitten der Großstädte Wien, Budapest, Prag, Berlin oder München dar. Kein Wunder: Im verkehrstechnisch abgelegenen Norden des Bezirkes kann als Industriebetrieb am ehesten bestehen, wer räumlich unabhängig ist.

Dass sie das ist, verdankt die Metallgießerei Schösswender mit 56 Beschäftigen neben hoher Liefer-Verlässlichkeit auch hoher Qualität. Und so ist sie trotz des arbeitsintensiven Fertigungsprozesses – aufgeschmolzenes Alu bzw. Messing wird von Hand aus Schöpfern gegossen – nicht von Billig-Konkurrenz aus Osteuropa bedroht. Im Gegenteil: Schösswender macht selbst gute Geschäfte auch in Billiglohnländern, bedient etwa in Brünn laufend Großaufträge.

Geschäftsführer Johann Süß spricht gar von einer „positiven Entwicklung. Wir haben heuer bereits drei neue Mitarbeiter aufgenommen, streben eine Umsatz-Steigerung von mindestens zehn Prozent an.“ So lassen sich auch umfassende Investitionen rechtfertigen: Bis Herbst sollen ein neues CNC-Bearbeitungszentrum, eine erste 3D-Messmaschine für exakte Messungen und Protokollierungen sowie ein Vorwärm-Ofen für Formen („Kokillen“) – zum Beschleunigen des Aufbereitungs-Prozesses des Gussmaterials – einsatzbereit sein. Etwa 500.000 Euro werden dafür in die Hand genommen, zusätzlich werden die Park- und Asphaltflächen im Zuge des Straßenbaus in der Industriestraße neu asphaltiert.

„In Zügen rundum mit Teilen vertreten“

Die Geschichte der „S. Schösswender-Werke Metallgießerei GmbH“ geht in Litschau auf das Jahr 1959 zurück, als Cyrill Auer eine Gießerei unter anderem für Maschinenbauteile, Tür- und Fenstergriffe gründete. Elf Jahre später wurde diese von einem Kunden – dem Salzburger Alu-Waren-Großhändler Sebastian Schösswender – erworben, er realisierte 1977 den Neubau am aktuellen Standort. Heute ist das Werk eine von drei eigenständigen Gesellschaften der Holding von Gerhard Schösswender.

Geänderten Markterfordernissen sei man, wie Geschäftsführer Süß erklärt, zur Jahrtausendwende mit einer Spezialisierung auf einbaufähige, fertig bearbeitete Gussteile begegnet. Die erste Fräsmaschine wurde angeschafft, laufende Investitionen in Maschinenpark und Produktqualität folgten – so werden ab Herbst bereits sieben Fräsanlagen und acht Schmelzöfen im Einsatz sein. Im Qualitätsmanagement können Prozesse im 3D-Simulationsprogramm getestet und wichtige Teile unter anderem mit einer Röntgenmaschine überprüft werden.

Verlässlichkeit und Genauigkeit öffneten Schösswender die Tore in die hochsensible Schienenfahrzeug-Industrie. Die Gießerei unterzog sich 2014 als erste in Österreich der Zertifizierung nach dem internationalen „IRIS“-Bahnstandard, einer Erweiterung der ISO-9001-Vorgaben – heute trägt der Bahnsektor mehr als die Hälfte des Umsatzes ein. Johann Süß: „In Zügen sind wir rundum mit unseren Teilen vertreten.“ Aus Litschau werden Sicherheits-Bauteile, Sandungs-Anlagen zur Bremsung, Not-Aus-Klappen, Gepäckträger, Türdrücker, diverse Gussteile für Waggontüren und vieles mehr bis nach Australien und China geliefert.

Litschauer Spezial-Guss auch für den Papst

Da neben dem „Kokillenguss“ mit Dauerformen eine Sandgießerei für Prototypen oder Nachbauten betrieben wird, kann jede beliebige Menge vom Einzelstück aufwärts erzeugt werden. Messingteile für Orchesterpauken werden genauso produziert wie Zaunspitzen, Wasserstands-Pegel, Brückenbelastungs-Tafeln oder Lüftungsgitter für Heizkörper. Abfall fällt nahezu keiner an – Alu- & Messingreste werden einfach neu eingeschmolzen.

Geformt werden auch Kunstgusse – etwa jene Figur, die Landeshauptmann Erwin Pröll im Jahr 2008 anlässlich der Christbaumspende an Papst Benedikt XVI. übergab. Eine Londoner Hochhaus-Spitze zieren indes zwei Meter lange Gussteile von Schösswender, und auch die nachts farbenfroh leuchtende Fassade des Juweliers Egger am Wiener Stephansplatz besteht aus Platten made in Litschau.