Erstellt am 25. Dezember 2015, 05:08

von Markus Lohninger

Löffler nimmt Flüchtlinge auf. Gastronom Löffler sucht neuen Betreiber für Stadt-Pub – und quartiert im Haus demnächst 24 Asylwerber ein. Hirschmann: „Tragen Verantwortung.“

Wegen privater Veränderungen denkt Ludwig Löffler über einen Rückzug aus der Gastronomie im Stadt-Pub Löffler nach und hält mittelfristig nach einem neuen Betreiber Ausschau. Zugleich hat er Teile des Hauses am Stadtplatz 21 zu Wohnungen umgerüstet, wird dort bald die ersten von insgesamt 24 Asylwerbern in Empfang nehmen. Mit Jahresende will er zudem unabhängig von seinem Engagement für Flüchtlinge das Tanzcafé schließen und zu Wohnungen umbauen.

Löffler betreut bereits 14 Asylwerber in Eisgarn

„So toll die Sommersaison in Litschau auch ist – im Winter ist es schwierig“, sagt Löffler zur NÖN. Durch die Aufnahme von Flüchtlingen könne er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: „Ich möchte helfen, und ich kann damit meine wirtschaftliche Existenz sichern.“ Bestärkt haben ihn die Erfahrungen mit 14 Asylwerbern, die er bereits in Eisgarn beherbergt. Löffler: „Das sind total liebe Leute, mit denen es absolut keine Probleme gibt. Die Gemeinde engagiert sich mehr als sie müsste, auch große Teile der Bevölkerung stehen hinter dem Projekt.“

Der Gastronom bietet den Flüchtlingen in Eisgarn Unterschlupf, betreut sie aber auch von der Auszahlung der Essensgutscheine über laufende Transportdienste bis zum organisierten Sport, bei dem er vom Sportmediziner Pierro Lercher beraten wird. Auch einen Tischtennis-Tisch kaufte er. „Bewegung hilft bei der Bewältigung der Stresssituationen in ihrer Warteposition. Wir wurden dabei Freunde, haben großen Spaß daran“, sagt Ludwig Löffler, den die positive Art der Flüchtlinge überraschte: „Diese Menschen strotzen vor Arbeits- und Bildungswillen, sind freundlich und nett und sicher keine Bedrohung für die Bevölkerung.“

In Litschau richtete er nun vor allem in ungenutzten Räumen drei Wohnungen mit jeweils eigenen Küchen und Sanitär-Anlagen ein, die alle eigene Zugänge ins Freie haben und insgesamt 24 Menschen Platz bieten. Bürgermeister Rainer Hirschmann (ÖVP) stellte sich nicht in den Weg. „Natürlich müssen wir aufpassen, dass die Bevölkerung eingebunden wird und die Zahl der Asylwerber nicht zu groß wird“, sagt er zur NÖN. Aber: „Wir haben eine Verantwortung zu tragen und erfüllen die 2-Prozent-Quote noch nicht. Wenn die Infrastruktur passt, dann spricht nichts gegen das Projekt.“ Auch das Amt der Landesregierung gab grünes Licht.

Weitere Flüchtlinge auch im Koller-Stiftungshaus

Hirschmann und Löffler hoffen auf Zuteilung von Irakern oder Syrern, denen der stark in der Flüchtlings-Hilfe engagierte kurdische Zahnarzt Tawar Kum- Nakch beim Durchbrechen der Sprachbarriere helfen könnte.

Selbiges gilt in der bislang ersten Asylwerber-Herberge der Stadt im „Koller-Stiftungshaus“ am Stadtplatz 62. Dort erhalten die 15 Bewohner nämlich nach Auskunft des Bürgermeisters in absehbarer Zeit bis zu zehn weitere Mitbewohner: In Absprache mit der Firma SLC-Europe, die landesweit bereits mehr als hundert Quartiere betreut, wird hier auch das Untergeschoß zum Wohnraum umgebaut.

Sobald auch diese Herberge voll belegt ist, erfüllt die 2.275-Einwohner-Stadt Litschau die 2-Prozent-Quote.