Erstellt am 23. Dezember 2015, 17:03

von Markus Lohninger und Johannes Bode

Moritz Hierländer : „Meine Perspektive war immer nur Kultur“. Moritz Hierländer übernimmt nach dem Tod von Harald Gugenberger das Hoftheater. Der 31-Jährige im großen NÖN-Interview.

»Ich weiß, was dahinter steckt - trotzdem mache ich es und freue mich darauf«, sagt der im Hoftheater aufgewachsene Moritz Hierländer.  |  NOEN, M. Lohninger

NÖN: Herr Hierländer, Sie sind nach dem Tod ihres Vaters Harald Gugenberger neuer Leiter des Wald4tler Hoftheaters. Können Sie sich kurz vorstellen?
Moritz Hierländer: Ich bin ein Theaterkind, bin im Theater groß geworden. Meine Perspektive war von klein auf immer nur die Kunst und Kultur – als Schauspieler, als Musiker, als Filmemacher und jetzt als Theaterleiter. Das liegt in meinem Blut. Daher habe ich einst die HAK verlassen, mich in verschiedene Kulturbereiche vorgetastet und schließlich das Studium der Jazzgitarre begonnen. Ich habe bereits an die 200 Gigs gespielt, bin aber auch mit 15 Jahren erstmals und zuletzt beim „Flaschengeist“ auf der Bühne gestanden und habe bei Kurzfilmen als Drehbuchautor, Co-Regisseur und Schauspieler mitgewirkt. In den letzten zweieinhalb Jahren bin ich durch die gesundheitlichen Probleme meines Vaters immer mehr in das bestehende Team des Hoftheaters hineingewachsen.

Wie „freiwillig“ war nun die Übernahme?
Hierländer: Sie war das Ergebnis eines Prozesses, den beide so wollten: Mein Vater gab mir immer alle Freiheiten – sein letzter Wunsch wäre nicht gewesen, dass ich die Leitung übernehme. Er hätte wollen, dass ich glücklich bin, und das bin ich in meiner Rolle. Hary hat öfters gescherzt, er hätte das Projekt nicht gestartet, hätte er gewusst, wie viel Arbeit dahinter steckt. Ich weiß, was dahinter steckt – trotzdem mache ich es und freue mich darauf, zumal ich mit Dominik Herout und Reinhold Hartl-Gobl, der das Theater mitaufgebaut hat und ihm enormen Rückhalt gibt, ein starkes Team um mich habe.

Was ist Ihnen seit dem Tod Ihres Vaters entgegengebracht worden?
Hierländer: Ich habe eine große Dankbarkeit der Menschen ihm gegenüber empfunden. Er hatte eine sehr würdige Verabschiedung am einzigen sonnigen Tag einer langen Zeit. Eine Schauspielerin sagte, die Sonnenstrahlen beim Begräbnis waren wie die Strahlkraft des Theaters. Ich werde in der Öffentlichkeit wirklich oft auf ihn und die Zukunft des Hoftheaters angesprochen – das zeigt das echte Naheverhältnis zwischen Theater und Bevölkerung. Alle sind überglücklich, dass es weitergehen wird.

Was war der Reiz dafür, das Lebenswerk Ihrer Eltern zu übernehmen?
Hierländer: Es ist ein super Job in einem gewachsenen Team, das sich hier verwirklichen kann und freundschaftlich verbunden ist. Es gibt kein bürokratisches Denken in Abteilungen – jeder bis zum Leiter ist flexibel von der Gastro übers Bühnenbild bis zum Kloputzen einsetzbar. Die Arbeit ist keine Verpflichtung, sondern etwas, das wir gerne und freiwillig tun. Das ist der Charme des Hoftheaters, den Schauspieler und Besucher einfach spüren. Es ist ein Ort der Reflexion, unterhält und berührt die Menschen. Das macht Kunst und Kultur aus.

Die größte Aufmerksamkeit haben Sie bisher als Gitarrist in unzähligen Projekten erlangt. Wie wird es mit Ihrer Musikerkarriere weitergehen?
Hierländer: Meine musikalischen Projekte ruhen derzeit, die oberste Priorität liegt am Hoftheater. Ich stehe momentan morgens auf und gehe ins Büro. Ich verlasse es um 22 Uhr, um schlafen zu gehen. Aber ich werde der Musik treu bleiben, werde weiter hie und da einen Gig spielen und kann die Musik in gewisser Form auch mit meiner Arbeit für das Theater verbinden. Ich habe zum Beispiel in der Vergangenheit viel Theatermusik gemacht.

Auch Gugenbergers Herz schlug bekanntlich für die Musik. Zum 30-Jahr-Jubiläum wäre heuer seine erste CD-Produktion unter anderem mit seinem Gesang und eurem Gitarrespiel geplant gewesen. Was wurde daraus?
Hierländer: Die Musik ist fertig, doch die Vocals konnten nicht mehr fertig eingesungen werden. Es wird bestimmt irgendwann die Zeit kommen, das Projekt abzuschließen…

Was macht das Hoftheater aus Ihrer Sicht einzigartig?
Hierländer: Es hat einen guten Ruf in der Szene und ist zugleich tief verwurzelt in der Region. Es war immer ein neutraler Ort. Das Hoftheater ist weit mehr als ein Theater, es ist ein Gesamtkonzept… eine kleine eigene Stadt. Es ist ein Ort der Kommunikation mit ständigem Kommen und Gehen, an dem Beruf und Privatsphäre verschmelzen. Das ist völlig einzigartig. Einen solchen Platz kann man nicht einfach aufgeben – das hätte auch mein Vater nicht gekonnt. Eine totale Übergabe hätte es sicher nie gegeben, es wäre einfach allmählich leichter geworden für ihn.

Hatten Sie je einen konkreten Berufswunsch, einen Masterplan für eine Karriere?
Hierländer: So konkret nicht. Ich wollte immer Musik machen, Geschichten erzählen und die Menschen berühren – egal, ob mit einem Lied, einem Film, einem Bild, auf der Theaterbühne oder mit einer Performance.

Sie sind 31 Jahre alt – genauso alt wie Ihr Vater, als er mit dem Aufbau des Hoftheaters begonnen hat. Seine Handschrift lesen wir an allen Ecken des Hauses, wie wird Ihre Handschrift aussehen?
Hierländer: Altbewährtes soll bleiben, aber dennoch langfristig etwas frischer Wind ins Hoftheater einkehren. Kleinigkeiten wollen wir schon 2016 ausprobieren, unter anderem kann ich mir in Sachen Einbeziehung von Jugendlichen einiges vorstellen. Grundsätzlich wollen wir aber dort weitermachen, wo wir stehen. Ich war bereits vor zehn Jahren bei der Programmerstellung und Budgetierung dabei, habe das laufende Jahr über all das gemacht, was zuvor mein Vater gemacht hat. Sein Leitgedanke wird weiter getragen werden: Die Leute sollen bei uns Spaß haben, aber auch mit dem „Prinzip Hoffnung“ heimgehen!

Was können Sie schon über den Spielplan für 2016 verraten?
Hierländer: Die Vorplanungen haben mein Vater und ich bereits in Co-Produktion gemeinsam geleistet. Es wird im Wald4tler Hoftheater zwischen Mai und Dezember ein buntes Programm mit drei bis vier Eigenproduktionen und auch einigen Gastspielen geben. Nähere Details kann ich jetzt noch nicht nennen – wir stecken gerade mitten in der Programmgestaltung. Aber die Ideen werden uns bestimmt nie ausgehen, in meinem Kopf schwirren jetzt schon Ideen für die Jahre 2017 und 2018 herum.
war immer nur Kultur“