Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:58

von Thomas Weikertschläger

Stadtpolizist zieht zurück. Der als Nachfolger von Gerhard Blaschko vorgesehene Rene Schreiber steht wegen öffentlicher Diskussion um seine Besetzung nicht mehr zur Verfügung.

Helga Rosenmayer (ÖVP)  |  NOEN, privat

Eine brisante Entwicklung zieht die in der letzten Sitzung des Gmünder Gemeinderates diskutierte Anstellung eines Nachfolgers von Gerhard Blaschko als Gmünder Stadtpolizist nach sich. Der mit den Stimmen der ÖVP/AfG/FPÖ-Koalition bestellte Rene Schreiber erklärte, nicht mehr für diese Funktion zur Verfügung zu stehen.

Schreiber hatte sich um die Stelle beworben und war nach mehreren Hearings „unter massiven Protesten der SPÖ Gmünd“, wie er selbst meint, als Nachfolger Blaschkos beschlossen worden. „Zu der von der SPÖ öffentlich geführten Gehalts- und Ausbildungsdebatte – es wurde ein zu hohes Gehalt bzw. mangelnde Ausbildung behauptet – möchte ich nur so viel sagen: Mein Berufswechsel ist tatsächlich mit wesentlichen Gehaltseinbußen sowie mit weiteren schwerwiegenden dienstrechtlichen Verschlechterungen verbunden“, so Schreiber.

„Ich habe gelernt, dass gemeinsames
und seriöses Arbeiten auf Augenhöhe
am schnellsten zum Erfolg führt.
Das fordere ich auch von den SPÖ-Gemeinderäten.“
Rene Schreiber

Die von der SPÖ vorgebrachten Argumente und die öffentlich geführte Debatte sei für ihn befremdlich. Über den Grund für die Verhaltensweise der SPÖ hat Schreiber eine Vermutung: „Ich vermute, dass meine Tätigkeit als Personalvertreter bei der Fraktion Christlicher Gewerkschafter bei der Exekutive für eine Zustimmung durch die SPÖ nicht sehr förderlich war.“

Diese Tätigkeit führe er mit Leidenschaft aus. „Ich habe dabei gelernt, dass gemeinsames und seriöses Arbeiten auf Augenhöhe am schnellsten zum größten Erfolg führt. Diese Seriosität fordere ich auch von den SPÖ-Gemeinderäten ein.“ Als Personalvertreter werde er daher weiterhin tätig sein. Aber: „Ich sehe keine geeigneten Voraussetzungen für einen neuen Berufsstart und stehe als Stadtpolizist nicht mehr zur Verfügung.“

Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP) erklärte in einer ersten Stellungnahme gegenüber der NÖN, dass sie diesen Entschluss „sehr schade“ finde. „Diese Entscheidung tut mir von Herzen leid. Ich verstehe aber, dass es die Aufregung, die nach der Gemeinderatssitzung entstanden ist, für ihn nicht leicht gemacht hat.“ Schreiber sei als bester Kandidat ausgesucht worden, unter diesen Voraussetzungen sei aber klar, dass es für Schreiber nicht leicht gewesen wäre, den Job anzutreten: „Menschlich ist seine Entscheidung verständlich.“

Auch seitens der SPÖ gibt es Mitgefühl für Schreiber. Fraktionschefin Beatrix Vischer-Simon: „Ich sage es aus reinem Herzen: Diese Entscheidung tut mir leid.“ Der SPÖ sei es nie um die Person Schreiber gegangen, „ich kenne ihn ja nicht einmal“. Für sie sei die Vorgehensweise der Bestellung zu hinterfragen gewesen. „Wir haben kritisiert, dass mit uns nie die Konditionen der Anstellung besprochen wurden.“ Daher habe man die Art und Weise der Bestellung hinterfragt. Die politische Ausrichtung Schreibers und seine Tätigkeit in der Gewerkschaft sei nie Thema gewesen, „das haben wir auch in der Sitzung gesagt“, so Vischer-Simon. Dass Schreiber jetzt der Leidtragende der Diskussion sei, „ist blöd, aber ohne Informationen kann man auch keine Beschlüsse fassen.“