Erstellt am 30. Oktober 2015, 04:52

von Markus Lohninger

Neue Anlaufstelle für Flüchtlings-Fragen. Diakonie eröffnete in Gmünd erstes Büro für anerkannte Flüchtlinge im Westen des Landes. Es berät auch Einheimische.

Beim Kennenlern-Treffen: Projektassistentin Manuela Preißl, Rene Rauch (Berater in Gmünd und Amstetten), Bürgermeisterin Helga Rosenmayer, Vermieter Stefan Ruzicka, IBZ-Leiterin Eva Surma, Edith Oberbauer (Gmünd; inzwischen aus dem Projekt ausgeschieden), Rafaela Rosenberger (Amstetten), Jo Schedlbauer (Gmünd) und Bettina Greindl (Amstetten; von links). Foto: M. Lohninger  |  NOEN, Markus Lohninger
Flüchtlinge mit positivem Asylbescheid im ganzen Waldviertel blicken seit wenigen Tagen nach Gmünd: Ausgerechnet in der ehemaligen Ordination des aus Syrien stammenden Allgemeinmediziners Kamal Yassin am Stadtplatz 20 der Bezirkshauptstadt eröffnete die Diakonie in der Vorwoche die Waldviertler Außenstelle des Integrations- und Bildungszentrums (IBZ) NÖ-West.

„Sind auch Ansprechpartner für Einheimische“

In dem auch aus EU-Geldern für syrische Flüchtlinge, die in Österreich bleiben dürfen, finanzierten Büro wird nun an vier Vormittagen pro Woche versucht, eine Lücke nach dem Anerkennungsprozess zu füllen: Sind Asylwerber doch nach Erhalt eines positiven Bescheides bei der Arbeits- und Wohnungssuche, bei Behördengängen, ihrer Weiterbildung oder bei Schulangelegenheiten ihrer Kinder weitgehend auf sich alleine gestellt.

„Wir sind aber auch ein Ansprechpartner in Flüchtlings-Fragen für Einheimische“, betont die für Gmünd und das geplante zweite IBZ-Büro in Amstetten verantwortliche Leiterin Eva Surma.

Sie will in ihrer Arbeit einen wichtigen Spagat schaffen: „Wir wollen unvoreingenommen auf alle zugehen – auf Fremde genauso wie auf Menschen vor Ort mit möglichen Ängsten oder Bedenken.“

„Das Thema fordert uns Gemeinden irrsinnig“

In Sachen Fremdsprachen appelliert Surma allerdings an ihre Mitmenschen auf Rücksichtnahme. „Wir spüren erst im Ausland, wie unangenehm es ist, selbst in einer fremden Sprache reden zu sollen“, sagt sie.

In Debatten über Fluchtgründe von Hilfesuchenden streut die IBZ-Leiterin übrigens den Aspekt, dass sie selbst Wirtschaftsflüchtling sei – reist Eva Surma doch wöchentlich aus der Steiermark an, weil es dort, wie sie sagt, ein ähnlich professionelles System der Flüchtlingsbetreuung nicht gibt.

Am 20. Oktober gab es ein erstes Kennenlernen des siebenköpfigen IBZ-Teams mit Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP) und Vermieter Stefan Ruzicka, der aus einem NÖN-Artikel auf die Bürosuche der Diakonie aufmerksam geworden war.

„Das Flüchtlings-Thema fordert uns Gemeinden irrsinnig“, sagte Rosenmayer dabei. Man müsse sich aber der Situation stellen und sich um eine Eingliederung der Flüchtlinge bemühen: „Auch deshalb sind wir erleichtert und sehr dankbar dafür, einen Ansprechpartner direkt vor Ort zu haben.“
 

Diakonie-Büro:

Integrations- und Bildungszentrum (IBZ) NÖ-West
Stadtplatz 20, 3950 Gmünd

Öffnungszeiten:
Montag - Donnerstag  8-12 Uhr

Diensthandys Betreuer: 0664/8273369, 0664/8273374