Gmünd

Erstellt am 20. Juli 2016, 06:34

von Maximilian Köpf

Pokémon-Jagd in Gmünd. „Pokémon Go“ macht auch vor dem Bezirk Gmünd nicht Halt. Drei „Trainer“ über Erfahrungen mit der Handy-App. Polizei warnt vor Leichtsinn im Verkehr.

Tobias Zimmel macht „Pokémon Go“ Spaß. Dienstagmittag gab‘s am Gmünder Stadtplatz allerdings kein Pokémon für ihn.  |  NOEN

Ein Clinton kandidiert für das Präsidentenamt der USA, die Punkrocker Blink 182 bringen ein neues Album auf den Markt und jeder spielt Pokémon. Man könnte meinen, in die 1990er zurückversetzt worden zu sein. Vor allem das Revival einer der erfolgreichsten Spieleserien überhaupt versetzt die Welt in Aufruhr.

Pokémon spielt man aber heute nicht am Gameboy oder mit Karten, sondern am Handy. „Pokémon Go“ ist die erste App, die erfolgreich das Prinzip der „augmented reality“ (veränderte Realität) umsetzt. Das Spielprinzip ist das gleiche wie vor 20 Jahren: Der Spieler kann kleine Fantasiewesen, die Pokémon, fangen, trainieren und gegen andere Spieler antreten. Nur diesmal muss er dafür das Wohnzimmer verlassen.

Der Spielort ist die ganze Welt, und bewegen muss man sich selbst. Mit der installierten App sieht man auf seinem Handy eine Straßenkarte und an irgendeinem Punkt taucht ein Pokémon auf. Die Handykamera schaltet sich ein und auf dem Bildschirm wird eine 3D-Version des Pokémon projiziert.

 |  NOEN

Seit Samstag ist Pokémon Go offiziell in Österreich erhältlich. Patrick Butschell aus Brand wartete seit einem Jahr, als die ersten Trailer erschienen, gespannt. „Als ich ein Kind war, hat jeder Pokémon auf dem Gameboy gespielt“, erinnert er sich. „Jetzt gibt es das wieder, mit einer ganz neuen Spielart. Man muss rausgehen, Pokémon in der Natur suchen. Das will man natürlich ausprobieren.“

Ähnlich ging es dem Dietmannser Tobias Zimmel: „Es ist schon einige Jahre her, dass ich Gameboy-Spiele gespielt habe, aber das Spiel weckt definitiv Kindheitserinnerungen.“

Michael Neugschwandtner  |  NOEN, privat

Seit zwei Wochen spielt Michael Neugschwandtner aus Großschönau Pokémon Go, „weil ich alles Neue ausprobiere“. Die Spielanlage erinnert ihn an Geocaching, eine „GPS-Schnitzeljagd“. „Die Idee finde ich gut – überhaupt in Verbindung mit augmented reality“, sagt er. „Darum werde in der nächsten Zeit das Waldviertel abwandern und schauen, wie gut wir aufgestellt sind.“

Aber nur, um Erfahrung zu sammeln. „Ich bin kein fanatischer Spieler“, sagt er, „freue mich schon, wenn irgendein Pokémon daher kommt.“ Das trifft auf alle drei NÖN-Gesprächspartner zu. „Mir gefällt das Spiel, aber mir fehlt etwas die Zeit dafür“, erzählt Butschell. Zimmel rechnet überhaupt damit, dass die Aufregung schnell wieder abflachen wird.

Brocks: „Hoffe auf Mündigkeit der Spieler“

Dagegen spricht die Online-Community. Seit einigen Tagen sind die Pokémon-Go-Spieler des Bezirks via Facebook vernetzt, geben sich Tipps oder vereinbaren Treffen. „Pokémon Go Gmünd“ zählte Dienstagnachmittag bereits über 300 Likes.

Wie lange auch immer im Bezirk Pokémons gejagt werden, die Polizei hat wenig Freude damit. „Ich hoffe, dass die Spieler mündig genug sind, nichts zu tun, das sie selbst oder andere im Straßenverkehr gefährdet“, sagt Bezirkskommandant Wilfried Brocks. „Die Sache ist nicht ungefährlich.“ Das zeigen Vorfälle aus den USA, wo Fußgänger wegen eines Pokémons auf die vollbefahrene Autobahn liefen oder Autofahrer ebendort wegen der Taschenmonster wendeten. „Solche Vorfälle sind bei uns noch nicht bekannt, das Spiel ist bei uns auch erst kurz verfügbar“, so Brocks, der an die Spieleprogrammierer appelliert, sich von öffentlichen Gebäuden, Ämtern etc. fernzuhalten. „Das ist dann kein Spaß mehr.“

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Was ist Pokémon?

Pokémon waren die Fantasiewesen im gleichnamigen Videospiel aus den 1990ern. Auf das Spiel folgten eine Serie und ein Kartenspiel. Die Marke gehört zum Nintendo-Imperium.

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