Erstellt am 25. November 2015, 04:38

von Markus Lohninger

Nicht nur Freude über Hofbauer-Nachfolge. Margit Göll folgt Johann Hofbauer gegen Widerstand in eigener Reihe in den Landtag: Proteste der Bezirks- und Landes-JVP.

Johann Hofbauer hört als Abgeordneter und auch Bezirkspartei-Obmann der ÖVP auf. Fotos: Archiv  |  NOEN, Archiv, Philipp Monihart
Eine große Persönlichkeit der Volkspartei im Bezirk Gmünd tritt von der politischen Bühne ab: Hatte er Anfang November dahin gehende Gerüchte gegenüber der NÖN dementiert, so bestätigte Johann Hofbauer dem Bezirkspartei-Vorstand am Freitag (19. November), sein Mandat als Landtags-Abgeordneter mit Jahresende zurücklegen zu wollen.

NÖN.at hatte am Freitagabend berichtet:



Als Nachfolgerin präsentierte er Margit Göll – auch das entspricht dem NÖN-Bericht der Woche 45.

„Entscheidung aufgrund des Geschlechts“

Hofbauer, der 1993 für die ÖVP in den Landtag einzog und seit 2000 ihr Klubobmann-Stellvertreter ist, will sein Mandat als einer der längstdienenden Abgeordneten mit Jahresende der Harbacher Bürgermeisterin übergeben. „Margit ist eine engagierte Kämpferin, kann hartnäckig und konsequent sein. Sie bringt die nötige Begeisterung mit“, freut sich der 65-Jährige über die Nachfolge-Lösung.

Die Dezember-Sitzung wird seine letzte im Landtag sein. Zugleich will er Göll auf ihre Aufgaben vorbereiten, „damit sie meine Themen nahtlos fortführen kann. Ich möchte die geordnete Übergabe auch meines Netzwerkes auf alle Fälle.“ Margit Göll (51) erwartet sich keine leichte Aufgabe. „Aber ich freue mich auf die Herausforderung, gehe mit Elan und Enthusiasmus in die Aufgabe“, sagt sie.

Gedämpft ist die Euphorie im Lager der Jungen Volkspartei (JVP). Sie hatte sich in offenbar längerer Diskussion, unterstützt von einigen Bürgermeistern, für ihren früheren Bezirksobmann Patrick Layr ins Zeug gelegt: Der 28-jährige Weitraer Stadtrat hatte Hofbauer im April als Bezirksobmann im NÖAAB beerbt, hatte als provisorischer Bezirkspartei-Geschäftsführer erfolgreiche Wahlkämpfe organisiert und bei der Landtagswahl 2013 hinter den Abgeordneten Hofbauer und Diesner-Wais mit Abstand die meisten ÖVP-Vorzugsstimmen (803) im Bezirk erhalten.

Bezirks- und Landes-JVP schrieben Protestbrief

Dass Layr dennoch nicht auf Hofbauers NÖAAB-Mandat in den Landtag nachrücken darf, ärgert den mit dem Slogan „Wir sind dran!“ werbenden Nachwuchs. Bezirks- und Landes-JVP beklagten in einem Protestbrief, dass der Wählerwille missachtet und „anscheinend eine Entscheidung aufgrund des Geschlechts getroffen“ wurde.

Die Aussage in einer VP-Meldung, Göll sei „einhellig“ vom Bezirksvorstand als neue Abgeordnete vorgeschlagen worden, dementiert die Bezirks-JVP klar. Die Entscheidung des Landesvorstandes sei nur „zur Kenntnis genommen“ worden, heißt es gegenüber der NÖN: „Es gab keinen Vorschlag des Bezirksvorstandes.“ Die Unterstützung vieler Bürgermeister und Funktionäre für ihr Anliegen habe die JVP „positiv überrascht, aber leider nichts mehr an der Entscheidung geändert.“

Patrick Layr wollte die Causa erst nicht kommentieren, bewertete die Reaktion der Landes- und Bezirks-JVP dann aber als „gerechtfertigt“. Die JVP NÖ sei die stärkste politische Jugendorganisation Österreichs, leiste in den Gemeinden gute Arbeit und erziele respektable Wahlergebnisse. Doch bei der Mandatsvergabe spiele das keine Rolle. Layr: „Es gibt in Niederösterreich derzeit keinen VP-Landtags-Abgeordneten unter 35 Jahren.“

Trotz Kritik: volle Unterstützung für Göll

Dennoch betont die JVP um Obmann Michael Meindl, dass man nun Margit Göll voll unterstützen werde. Es gehe um die demokratiepolitisch bedenkliche Vorgangsweise, „nicht um die Personen selbst, die für dieses Vorgehen ja nichts können.“ Auch Patrick Layr nimmt die „im NÖAAB so gefallene Entscheidung“ zur Kenntnis und wünscht Margit Göll „alles Gute für ihre Arbeit im Bezirk“.

Hofbauer betont, dass die Entscheidung zwischen mehreren guten Kandidaten mit der Landespartei abgestimmt worden sei. „Wir mussten hoffen, dass wir das Mandat überhaupt behalten können“, sagt er. Die Hälfte der Stimmen bei der Wahl 2013 reichten wegen der geringen Einwohnerzahl nicht zum Direktmandat des Bezirkes – er ist nur dank einem Mandat der VP-Landesliste im Landtag.

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