Nondorf

Erstellt am 19. Oktober 2016, 06:44

von Markus Lohninger

Müll-Imperium wächst weiter. 2003 sattelte Alexander Rammel zum Abfall-Verwerter um. Jetzt erweitert er sein Imperium für eine Million Euro einmal mehr.

Flugdächer, Hallen und Lagerplätze umgeben 13 Jahre nach Betriebsübernahme durch Alexander Rammel das Gelände, das sich über die Gemeindestraße ausbreitete (oberer Bildteil). Den Graben am rechten unteren Bildrand will der Firmenchef noch mit 30.000 m  |  NOEN, M. Lohninger

Wer mit dem Auto von der L68 bei Nondorf in Richtung des belieben Gasthauses Pöhn abbiegt und von dort gradaus Richtung Groß-Höbarten weiterfährt, der wird einige hundert Meter später Zeuge einer ungewöhnlichen Firmen-Entwicklung: Auf Höhe Elexenweg 116 glaubt man plötzlich, sich mitten in ein gewaltiges Firmengelände mit hohen Flugdächern, schwerem Arbeitsgerät und Altwaren, so weit das Auge reicht, verirrt zu haben.

Der Ort, an dem alles begann: die Hammerschmiede, bereits jenseits des Elexenbaches auf Groß-Höbartener Seite.  |  NOEN, privat

Man befindet sich im Imperium des Mülls, das Alexander Rammel binnen 13 Jahren am Ufer des Elexenbaches aus dem Boden gestampft hat. Seine Rammel GmbH hat sich in der Zeit von einer Hammerschmiede mit kleinem Lager auf gut 1,5 Hektar Fläche ausgedehnt – sodass sie bereits auf die andere Seite der Gemeindestraße hinaus wuchs und auf der anderen Seite weit über den Bach auf Groß-Höbartener Boden in die Gemeinde Waldenstein ragt.

„Wir nehmen alles.“

Alexander Rammel darf in seinem Betrieb mehr als 830 verschiedene Rohstoffe bzw. Abfälle annehmen, verarbeiten, lagern und weiter verkaufen

„Wir nehmen alles“, sagt Alexander Rammel zur NÖN. Seit 2010 zertifizierter Fach-Entsorger, darf er mehr als 830 verschiedene Rohstoffe bzw. Abfälle annehmen, verarbeiten, lagern und weiter verkaufen. Von reinem Restmüll über Eisenschrott, Baustoffe und Spitals-Abfälle bis zu gefährlichen Säuren und Laugen reicht die Palette. Kann er am Markt für bestimmte Altstoffe Erträge erzielen, so wirft er Zulieferern eine Vergütung ab – entstehen Kosten, so muss auch er Kosten für die Annahme verrechnen. Das Geschäft läuft jedenfalls. Fünf Lkw und über 300 Container hat Rammel bereits, 16 Mitarbeiter verarbeiten bis zu 20.000 Tonnen Altstoffe pro Jahr.

Vom Bürojob ins Abfall-Geschäft gewechselt

Zum Start seiner Selbstständigkeit im Betrieb seines Vaters Franz anno 2003 war das für ihn nicht absehbar. Gearbeitet wurde damals bloß in einer 1820 am Ort einer Mühle errichteten Schmiede mit Lagerplatz für einen kleinen Schrott- und Metallhandel. „Wir waren mein Vater, ein Arbeiter und ich“, sagt er. Der Juniorchef erfüllte die ersten eineinhalb Jahre nebenbei sogar noch halbtags den früheren Job am Gemeindeamt.

Alexander Rammel – einst viele Jahre Torhüter beim SC Nondorf – hatte nämlich ursprünglich ganz andere Dinge im Sinn. Drei Jahre arbeitete er im Landwirtschafts-Ministerium, danach zwölf Jahre lang am Gemeindeamt Hoheneich. „Vor der Pensionierung meines Vaters habe ich dann kurzfristig umgesattelt.“

Heute arbeitet Franz Rammel immer noch nebenbei in der Schmiede, der Sohn baute den Altstoffbereich aber im großen Stil aus. An die vier Millionen Euro hat Alexander Rammel bereits in den Ausbau gesteckt, seit der Betriebsübernahme 2003 verging kein Jahr ohne großes Erweiterungsprojekt. Unter den Highlights waren neben unzähligen Investitionen in die Energieautarkie (siehe eigener Beitrag!) der Komplettumbau des Betriebsgeländes, der Totalumbau des Bürogebäudes, mehrere Ausbauten von Lagern und Überdachungen, die Bauten von Brückenwaage oder Tankstelle.

Eine Million Euro fließt in den weiteren Ausbau

Der noch wachsende Kundenstock und steigende Platzbedarf zur ordnungsgemäßen Lagerung der Altstoffe nötigt den Firmenchef nun zu einer weiteren, etwa eine Million Euro teuren Investition: Der tiefe Graben, der das Betriebsgebiet derzeit auf Groß-Höbartener Seite begrenzt, soll aufgeschüttet werden und die Lagerfläche um einen Hektar auf nahezu auf das Doppelte erweitern.

Das Projekt, das derzeit die Behördenverfahren durchläuft, wird einen mühsamen Arbeitsprozess erfordern: Der Graben muss mitsamt seinem kleinen Bächlein 1:1 nach hinten verlegt werden. Zugleich muss der bestehende Graben mit gut 30.000 m³ Erdmaterial und Recyclingbaustoffen befüllt werden, damit das Gelände oben betoniert und mit drei Flugdächern für zusätzliche Lager ausgestattet werden kann. „Ziel ist es, mit dem Projekt heuer noch zu starten“, sagt Rammel: „Das Platzproblem sollte danach für längere Zeit gelöst sein.“