Erstellt am 18. November 2015, 12:12

Pferdehufe lesen lernen. Als erste Frau in Österreich schloss Bernadette Balcarek vor zwei Jahren die Lehre zur Hufschmiedin ab. Bei Hufbeschlag Filler lernte sie, dass die Arbeit am Pferdehuf mehr mit Technik und Wissen als mit Kraft zu tun hat.

Das Shire Horse Nottingham von der Holzmühle in Harbach ist einer der größten Kunden von Bernadette Balcarek. Sie ist die erste Hufschmiedin mit Lehrabschlussprüfung in Österreich. Foto: Das Shire Horse Nottingham von der Holzmühle in Harbach ist einer der größten Kunden von Bernadette Balcarek. Sie ist die erste Hufschmiedin mit Lehrabschlussprüfung in Österreich.  |  NOEN, Carina Rambauske

Bernadette Balcarek arbeitet mit heißen Eisen, Zange, Hammer, Nägel und Raspel. Ihre Kunden sind meist um einiges größer als sie und nicht immer über ihren Besuch sonderlich erfreut. Sie ist Hufschmiedin, die erste in Österreich, die 2013 die Lehrabschlussprüfung zur Hufschmiedin abschloss. „Ich wollte einfach etwas mit Pferden machen und auch davon leben können“, erzählt die Waldviertlerin über ihre Anfänge.

Mit Pferden hat sie schon zu tun, seit sie denken kann. In einem Gespräch mit ihrem Hufschmied Werner Filler kam sie schließlich auf die Idee, die Lehre zur Hufschmiedin zu beginnen. „Und ich bereue es auf keinen Fall!“, sagt die 20-Jährige überzeugt. Auch wenn der Beruf kein Zuckerschlecken ist: Selbst bei Kälte, Gatsch und Regen warten die vierbeinigen Kunden auf ihre Hufschmiedin, wenn sie gemeinsam mit ihrem Chef Werner Filler im Waldviertel unterwegs ist.

„Das Schönste ist der Unterschied von vor und nach meiner Arbeit, wenn man sieht, was man geschafft hat!“ Hufschmiedin Bernadette Balcarek

Was dabei der schönste Aspekt ihrer Arbeit ist? „Den Unterschied von vor und nach meiner Arbeit, wenn man sieht, was man geschafft hat“, geht die junge Hufschmiedin auf die Bedeutung dieses alten Berufes ein, denn der Huf ist einer der wichtigen Grundbausteine für den gesunden Bewegungsablauf eines Pferdes. Bei der millimetergenauen Arbeit „geht es mehr um Technik als um Kraft“, winkt die 20-Jährige das Vorurteil, dass Frauen zu wenig Kraft für diesen Beruf haben, ab.

Schmiedearbeiten spielen im Alltag des Hufschmieds eine nur geringe Rolle, da die Hufeisen maschinell hergestellt werden und der Hufschmied diese an den Pferdehuf anpasst. Viel wichtiger sei reichlich Wissen über Orthopädie und Krankheiten von Pferden. Um auf jedes Tier individuell eingehen zu können, muss die Hufschmiedin verschiedene Bearbeitungsmethoden, Materialkunde und auch Alternativen kennen. Und: „Das Wissen muss sich ständig erweitern“, weiß sie.

„Die Gefahr ist groß, betriebsblind zu werden, weshalb es mir wichtig ist, dass meine Mitarbeiter ständig ihren Horizont erweitern!“ Hufschmied Werner Filler

„Die Gefahr, betriebsblind zu werden, ist groß, weshalb mir es auch wichtig ist, dass meine Mitarbeiter ständig ihren Horizont erweitern“, führt Werner Filler aus. Deshalb schickte er seinen Lehrling unter anderem auch ins Ausland: fünf Wochen in die Schweiz und fünf Wochen nach Kalifornien. „Dort habe ich ganz andere Seiten der Hufschmiedekunst kennengelernt. Beispielsweise, dass durch die harten Böden auch die Hufe sehr hart sind, was es bei uns in dieser Form nie geben würde“, erzählt Bernadette Balcarek abschließend.