Erstellt am 22. September 2015, 09:05

von Thomas Weikertschläger

Private formieren sich. Diakonie und Caritas informierten Privatpersonen über Möglichkeiten der Flüchtlingsunterbringung.

Eva Surma, neue Leiterin des Büros des Integrations- und Bildungszentrums in Gmünd (siehe auch Seite 14), Wolfgang Gaigg von der Diakonie, Organisator Peter Herzog und Christian Scheidl von der Caritas stellten das Angebot ihrer Einrichtungen in Flüchtlingsfragen vor.  |  NOEN, zVg

Damit hatte auch Organisator Peter Herzog nicht gerechnet: Der Zuspruch zum Informationsabend in der Taverne Perikles für Menschen, die Interesse daran haben, Flüchtlinge privat bei sich aufzunehmen, war größer als erwartet. An die 80 Personen aus allen Teilen des Bezirks Gmünd fanden sich dazu ein.

Zunächst stellten Wolfgang Gaigg, Leiter der mobilen Flüchtlingsbetreuung West der Diakonie, und Christian Scheidl, Asyl- und Flüchtlingskoordinator der Caritas für das Waldviertel, das Angebot ihrer Organisationen vor. Und zwar jenes Angebot, das sie Flüchtlingen hinsichtlich Betreuung, Rechtsberatung, Unterkunft, Wohnberatung und Verpflegung bieten, aber auch jenes, das hilfsbereite Österreicher in Anspruch nehmen können.

Informationen zu brennenden Fragen eingeholt

Sie stellten Stellen vor, bei denen man Informationen zu brennenden Fragen einholen kann. Dabei brachte Gaigg Licht in den Dschungel der verschiedenen Beratungsstellen und zeigte den Grund auf, warum es eine Vielzahl dieser verschiedenen Anlaufstellen gibt: „Weil es bei den Klienten verschiedene Rechtstitel gibt (Anm.: Asylwerber in der Grundversorgung, Konventionsflüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte).“

In einer durchaus lebhaften Diskussion wurden dann Fragen der Besucher behandelt. Da ging es etwa um Details zu Mietverträgen oder Nutzungsvereinbarungen. Es wurden die Vor- und Nachteile der privaten und der organisierten Unterbringung diskutiert. Auch die Frage, ob Kinder, die ohne Eltern nach Österreich gekommen sind, privat aufgenommen werden können, wurde aufgeworfen.

„Warum schaffen wir nicht in den Gemeinden Integrationsbeauftragte?“ Organisator Peter Herzog richtete einen heiß diskutierten Appell an die Politik

Einige Teilnehmer haben Herzog nach der Veranstaltung bereits gemeldet und konkretes Interesse an der Aufnahme von Flüchtlingen bekundet: „Da gibt es schon sehr positive Resonanz“, meint Herzog.

Ein interessanter Vorschlag, der heiß diskutiert wurde, kam von Herzog selbst. Er plädierte an die Regionalpolitik, in den Gemeinden „Integrationsbeauftragte“ zu installieren, die Hilfsangebote zu koordinieren, aber auch bei Fragen zu Projekten zur Verfügung zu stehen. „Damit meine ich nicht Politiker, sondern Personen aus anderen Bereichen, die in den Gemeinden über ein gewisses Standing und über Lösungskompetenz verfügen.“ Diese sollten auch mit einer „Aufwandsentschädigung“ für ihre Tätigkeit entlohnt werden.

Integrationsbeauftragte für jede Gemeinde?

Die Gmünder Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP), die von viel Hilfsbereitschaft seitens der Bevölkerung, etwa gegenüber den in Breitensee untergebrachten Flüchtlingen, berichtete, nahm diese Idee positiv auf, merkte aber an: „Versprechen kann ich die Ernennung eines Integrationsbeauftragten heute nicht. Aber darüber kann man diskutieren.“

Unterstützung erhielt Rosenmayer von ihren Kollegen Martin Bruckner (Großschönau) und Margit Göll (Moorbad Harbach). Sie strichen hervor, dass in der Bevölkerung die Bereitschaft zu privaten Initiativen spürbar sei – eine Entwicklung, die zu begrüßen und zu fördern sei.