Erstellt am 27. Februar 2016, 05:19

von Markus Lohninger

Drogenmissbrauch? Anzeige gegen Primar nach Kindesabnahme. Pürbacher Familie verlor Obsorge über zweite Tochter. Anzeige gegen Freistädter Primar wegen Drogen-Vorwurfs.

Primar Neuner vom Klinikum Freistadt sieht der Anzeige gelassen entgegen.  |  NOEN, gespag.at

Im Sorgerechtsstreit der Pürbacher Familie Trinko mit der Bezirkshauptmannschaft Gmünd (die NÖN berichtete mehrfach) gab es nun eine erste Anzeige: Die Eltern zeigten den interimistischen Primar Peter Neuner von der Frauenheilkunde/Geburtshilfe am Klinikum Freistadt, wo am 23. Jänner das zweite Mädchen zur Welt kam und kurz darauf zu Pflegeeltern gebracht wurde, am Polizeiposten Schrems an.

Grund dafür sind Angaben in einem Bericht, der in die Sorgerechts-Verhandlung um das jüngere Mädchen einfloss. Dort beruft sich das Jugendamt auf ein Gutachten vom Februar 2015, das den Eltern die Erziehungsfähigkeit abspricht. Zugleich beruft es sich aber darauf, dass Primar Neuner gegenüber Beamten den Verdacht auf Drogenmissbrauch der Mutter geäußert habe, genauso wurden ihm Aussagen über „massive andere Mangelerscheinungen“ oder einen angeblichen Beinahe-Tod des Kindes im Mutterleib wegen Unterernährung zugeschrieben.

Das Bezirksgericht erteilte danach der Bezirkshauptmannschaft die Obsorge auch für das zweite Kind. Die Mutter, Nicole Trinko, unterzog sich nach der Entbindung einem Alkohol- und Drogenscreening am Klinikum Gmünd, das ausschließlich negative Werte brachte. „Ich habe mein Leben lang noch keine Drogen genommen“, beteuert sie. Das Baby habe, obwohl es drei Wochen vor Geburtstermin das Licht der Welt erblickte, immerhin 2.490 Gramm gewogen.

Primar „fürchtet sich in keinster Weise“

Vor allem: In der schriftlichen Stellungnahme des Arztes an die Bezirkshauptmannschaft, die der NÖN vorliegt, ist von Drogen oder Unterernährung gar keine Rede. Er bezieht sich ausschließlich auf einen „verwahrlosten Zustand“ der Mutter bei der Einlieferung ins Spital und deren „Sorglosigkeit“ wegen einer fehlenden Mutter-Kind-Pass-Untersuchung trotz einer früheren Fehlgeburt.

Neuner lässt ihm zugeschriebene Aussagen unkommentiert. Er wolle sich zum laufenden Verfahren nicht äußern, lässt er der NÖN durch Pressesprecherin Jutta Oberweger (OÖ Gesundheits- und Spitals-AG) ausrichten: „Aber er fürchtet sich vor dem Verfahren in keinster Weise.“ Das Baby habe er der Mutter aufgrund des gerichtlich verhängten Ausfolgungsverbotes nicht ausgefolgt.

Die Eltern beteuern, mit der Behörde kooperieren zu wollen. So will der Vater, Patrick Trinko, das abgebrochene Erziehungs- und Aggressionstraining nachholen. Der aktuelle Zustand sei jedenfalls nicht tragbar. „Ein Kind ist keine Ware! Wir durften die Ältere seit März 2015 dreimal sehen, wissen von mindestens fünf Wechseln zu neuen Pflegefamilien seither“, beklagt er: „Bei der Kleinen fürchten wir nun Ähnliches.“