Weitra

Erstellt am 27. Juli 2016, 05:00

von Karin Pollak und Mathias Schuster

Amoklauf: „Das mulmige Gefühl blieb“. Christoph Anderl und seine Partnerin erlebten das Chaos nach dem Amoklauf eines 18-Jährigen in München mit. Die Lust am Reisen lässt er sich nicht nehmen.

Christoph Anderl aus Reinprechts war zum Zeitpunkt des Amoklaufes in München.  |  privat

In schauriger Erinnerung bleibt dem Radiologie-Technologen am Landesklinikum Waidhofen und Sektionsleiter-Stellvertreter beim USC Bad Großpertholz, Christoph Anderl aus Reinprechts in der Gemeinde Weitra, ein Wochenend-Trip nach München: War dieser doch geprägt vom Amoklauf eines 18-jährigen Verehrers des Massenmörders Breivik am Abend des 22. Juli, bei dem neun Menschen erschossen und viele weitere schwer verletzt wurden.

Der Ausflug führte Christoph Anderl und seine Begleiterin am Freitag-Nachmittag in den Englischen Garten. „Alle waren gut drauf, die Stimmung perfekt. Aber als die Meldung vom Attentat beim Olympia-Einkaufszentrum gekommen ist, dauerte es nur wenige Sekunden und es gab Panik und Hektik“, berichtet der Reinprechtser.

„Das Schlimmste war die Ungewissheit.“

Christoph Anderl war während des Amoklaufs in München

Alle wollten nach Hause, nach nicht einmal einer halben Stunde kamen auch schon die sorgenvollen Anrufe der Familienangehörigen. „Wir wussten eigentlich nicht, was genau passiert war. Es war die Rede von drei Attentätern und vielen Toten.

Sofort wurden U-Bahnen, Straßenbahnen und Busse eingestellt. Daher warteten extrem viele Menschen bei der Münchner Uni, um ein Taxi zu ergattern“, rekapituliert Anderl die schlimmen Momente.

Diese Momente werden ihn noch länger beschäftigen. Das Polizeiaufgebot war riesig, alle Arten von Einsatzfahrzeugen fuhren am Pärchen aus dem Bezirk Gmünd vorbei, über ihnen kreisten die Polizeihubschrauber.

„Das Schlimmste war die Ungewissheit, die vielen Gerüchte und vor allem, dass es keinen öffentlichen Verkehr mehr gab – und wir rund zwei Stunden Fußmarsch zum Hotel gehabt hätten“, erzählt Anderl. Dazu kam die Warnung, öffentliche Plätze zu meiden – daher mussten sie bis 22.30 Uhr warten, ehe sie ein mit zwei Personen besetztes Taxi anhalten konnten, das sie ins Hotel brachte.

„Ans Schlafen war diese Nacht nicht zu denken, zu aufgewühlt waren wir. Auch als die Meldung kam, dass der Attentäter von der Polizei tot aufgefunden worden ist, änderte sich das nicht“, so Anderl. Das restliche Wochenende blieben er und seine Freundin in München.

„Es war wenig los, die Stimmung war gedrückt. Das mulmige Gefühl blieb. Man denkt oft an die neun Toten und vielen Verletzten.“ Vom Reisen will sich Anderl trotz des Attentates, das nur wenige U-Bahn-Stationen von ihm entfernt passiert ist, nicht abhalten lassen: „Ich war auch bei der Fußball-EM in Paris und habe schon viele Städte bereist. Ich werde mich nicht unterkriegen lassen.“