Erstellt am 13. April 2016, 06:54

von Thomas Weikertschläger

Vielfältige Reaktionen nach Höbarth-Vorstoß. Vorschlag des St. Martiner Bürgermeisters für S10-Ausbau durchs Waldviertel findet keine breite Zustimmung.

Sorgte mit seiner Forderung nach einer Verlängerung der S10 durch das Waldviertel für Aufsehen: Peter Höbarth.  |  NOEN, Markus Lohninger

Gemischt fallen die Reaktionen auf den Vorstoß des St. Martiner Bürgermeisters Peter Höbarth (ÖVP) aus, mittels Ausbau der Mühlviertel-Schnellstraße S10 quer durch das Waldviertel über Weitra, Gmünd, Vitis, Allwangspitz und Raabs Richtung Tschechien das Waldviertel an das hochrangige Straßennetz anzubinden. Von Anerkennung für visionäres Denken bis zu Irritation über den Vorstoß ist die Palette der Meinungen Waldviertler Mandatare und Gemeindevertreter breit. Höbarth selbst berichtet von zahlreichen positiven Rückmeldungen auf den vorwöchigen NÖN-Bericht. „Es ist wichtig, dass jetzt darüber geredet wird. Es darf nicht sein, dass der Ausbau der Anbindung des Waldviertels in Zwettl aufhört und auf das Lainsitztal und den Rest vergessen wird.“

Eine, die die Meinung Höbarths, die Verbindung Gmünd-Zwettl bringe „uns keinen Schritt weiter“ nicht teilt, ist seine Parteikollegin Margit Göll. Für die Landtagsabgeordnete ist diese Verbindung wichtig, und: „Das Land signalisiert klar: Wenn wir im Waldviertel nicht vereint hinter diesem Projekt stehen, fallen wir wieder darum um.“ Auch Nationalratsabgeordnete Martina Diesner-Wais sieht in der Verwirklichung der Anbindung an St. Pölten und Wien prioritäre Ziele, „das sind unsere vorrangigen Zentren.“

Waldhäusl: „ÖVP braucht mehr Rückgrat“

Für interessant hält den Plan der Horner Landtagsabgeordnete und Verkehrssprecher der ÖVP, Jürgen Maier: „Diese Route wurde bisher nicht angedacht, ist aber durchaus diskussionswürdig.“ Ob eine Verbindung auf transeuropäischer Ebene umgesetzt werden könne, müsse in Abstimmung mit Bund und den anderen Ländern und Staaten erfolgen.

Maier will innerhalb des Waldviertels die bisher fehlende Einigkeit wegen Trassenführungen beseitigen: „Da kann man nicht jeden Wunsch erfüllen.“ Ähnlich sieht der Schremser SPÖ-Bürgermeister und Obmann des Gemeindevertreterverbandes Karl Harrer die Ausgangslage: „Wir müssen eine gemeinsame Lösung suchen. Mit einzelnen Ideen vorzupreschen, hilft da nicht.“

Der Schremser Nationalratsabgeordnete Konrad Antoni (SPÖ) hält hingegen den Anschluss des Wirtschaftsraums Gmünd-Schrems mit seinen 4.000 Industriearbeitsplätzen mittels höherrangigen Straßen zunächst an die Zentralräume Krems-St. Pölten und Wien für prioritär. „Ich möchte aber eine sternförmige Anbindung an alle umliegenden Zentren, auch Linz und Budweis – je nach finanzieller Möglichkeit.“

FP-Klubobmann Gottfried Waldhäusl hält „jede Autobahn für das Waldviertel“ positiv, hat aber eine Vorliebe für die Anbindung an Wien und St. Pölten, „weil wir mit diesen Räumen einfach mehr zu tun haben.“

Was für Waldhäusl noch zu tun ist, damit die Vision einer Autobahn für das Waldviertel wahr wird? „Die ÖVP-Abgeordneten müssten ihre Rückgratlosigkeit beenden und endlich auf den Bau einer Autobahn beharren.“ Das würde derzeit nicht passieren, weil die ÖVP-Mandatare „Angst vor dem Landeshauptmann haben. Aber vielleicht ändert sich das ja nach der Ära von Erwin Pröll.“

Die Meinung der Teilnehmer an der Umfrage „Ist der S10-Ausbau Linz-Waldviertel sinnvoll?“ auf gmünd.NÖN.at ist hingegen klar: 72 Prozent der 691 Teilnehmer befürworten den Bau, nur 28 Prozent (191) sprechen sich dagegen aus.