Erstellt am 08. April 2016, 07:34

von Karin Pollak

„Mittlere Katastrophe“. „Wohin sollen wir unsere Kunden zum Essen schicken?“, fragt Maisetschläger und kritisiert Bürokratie. Wirtschaftsbund und Bürgermeister suchen Lösungen.

Gähnende Leere herrscht derzeit an einem der Gäste-Hotspots von Weitra: Das Gasthaus Waschka ist geschlossen - nicht nur das.  |  NOEN, M. Lohninger

„Es ist traurig geworden am Rathausplatz“, bringt Trachtenlady Elfi Maisetschläger die „Schließungswelle“ von Gasthaus Waschka, dem Spar-Markt Becker-Irrschik und dem bevorstehenden Aus des Gasthauses zu den Kuenringern (

) auf den Punkt. „Weitra ist so eine schöne Stadt. Die braucht aber aktive Geschäfte, die etwas bieten“, sagt Maisetschläger, die seit 25 Jahren ihre Geschäfte in Weitra führt: „Aber wenn es so weiter geht, dann gibt es nur mehr ein paar letzte Mohikaner, die für die Einheimischen und die vielen Gäste in Weitra etwas bieten.“

Vor allem die Situation im Gastrobereich sei alles andere als gut. „Wohin sollen wir unsere Kunden zum Essen schicken?“, so Maisetschläger, die das Brauhotel alleine den Spitzen des Gästezustroms nicht gewachsen sieht. Sie erwartet in den nächsten Wochen alleine zwölf Busgruppen. Und sie macht sich Gedanken über die zahlreichen Veranstaltungen in Weitra, die viele Gäste anlocken. So halten am 1. Mai beim „Mailüfterl“ viele Geschäfte offen und bieten Aktionen, dann folgen Schloss-Weitra-Festival und Bierkirtag.

„Ich verstehe alle Gewerbetreibenden, die zusperren. Schuld ist die Bürokratie. Der Wirtschaftsbund schaut leider dabei zu – im Gegensatz zum Bauerbund, der für seine Leute kämpft“, ist die engagierte Gewerbetreibende überzeugt.

Diesen Vorwurf lässt Wirtschaftsbund-Bezirksobmann Peter Weißenböck, der in Weitra ein Transportunternehmen führt und auch hier wohnt, nicht gelten. „Wir sind alle am Kämpfen und Rennen. Die Regierung hat einen Bürokratieabbau versprochen, bis Sommer sollte in diese Richtung etwas kommen“, sagt er zur NÖN: „Umfragen zeigen, dass die Unternehmer keine Förderungen wollen, sondern einfach nur in Ruhe arbeiten und das ganz ohne Schikanen, aber die Auflagen werden immer mehr.“

Auch Buchungsbüro verlässt das Rathaus

Die Entwicklung in Weitra am Gastronomiesektor sieht auch Peter Weißenböck „als mittlere Katastrophe“. Jedes Lokal habe sein Publikum, bei einer Wirtshausschließung würden diese Gäste nicht mehr kommen. „Man kann aber nicht alles auf die Bürokratie zurückführen. Wenn das Pensionsalter erreicht ist oder man krank wird, werden Betriebe auch geschlossen.“ Man müsse, so Weißenböck weiter, Ideen suchen, mit denen Nachfolger anzulocken sind. „Da werden wir natürlich behilflich sein.“

Die Geschäftsschließungen in der Weitraer Innenstadt machen auch Bürgermeister Raimund Fuchs (ÖVP) Sorgen. „Die Stadtgemeinde wird sich weiterhin und mit besonderem Fokus auf die Innenstadt mit Wirtschaftsförderungen für Nahversorgung in der Kernzone aktiv einbringen. Ich hoffe und bin mir sicher, dass sich die Liegenschaftsbesitzer positiv einbringen, damit sich so wie in den letzten Jahren Interessenten finden.“ Die mit Jahresende geplante Übersiedlung der Waldviertel Incoming aus dem Rathaus nach Zwettl stelle Weitra vor zusätzliche Herausforderungen: „Hier wurde jahrzehntelang wertvolle Arbeit geleistet. Jetzt ist eine neue Lösung für die Gästeinfo zu finden, erste Gespräche sind bereits im Gange“, sagt Fuchs.