Schrems

Erstellt am 13. Juli 2016, 05:44

von Markus Lohninger

Elk-Verkauf: „Bräuchten sofort 15 Monteure!“. Kommender Elk-Chef Schuller dementiert Stellenabbau-Gerüchte. Breite Zustimmung zu Plänen mit künftigem Eigentümer.

Der Schremser Fertighaus-Produzent Elk steht vor dem Verkauf an den Finanzinvestor Matthias Calice. Foto: Weikertschläger  |  Thomas Weikertschläger

Der bevorstehende Verkauf der Elk Fertighaus GmbH an die luxemburgische „Gampen Fertighaus S.a.r.L.“ des Wiener Investors Matthias Calice, über den die NÖN in der vorigen Ausgabe berichtet hatte, erntet durchwegs Beifall.

„Wenn man sich die Unternehmens-Politik von Matthias Calice ansieht, dann wird es eine vielversprechende Veränderung, die uns zuversichtlich stimmen kann“, sagt dazu etwa Arbeiter-Betriebsrat Christian Toller. Und Angestellten-Betriebsrat Reinhard Poppinger: „Ich bin sicher, dass mit Matthias Calice künftig der richtige Eigentümer im Boot ist.“

Dem Vernehmen nach hatte neben Calice auch ein zweiter Investor Interesse an Elk gezeigt. Calice, der seit 2014 die insolventen FMW (Anlagenbau) und Hanlo-Fertighaus erworben hatte, plant nun einen Ausbau der Marktführerschaft in Österreich und eine Expansion am deutschen Markt. Zu weiteren Entwicklungen will sich der künftige Geschäftsführer Gerhard Schuller während der Verkaufsabwicklung noch nicht äußern, CEO Erich Weichselbaum verweist auf eine Aussendung der Vorwoche. Dort war bloß zu lesen, dass die Familie Weichselbaum „ihre Immobilien- und Bauträgerprojekte sowie das Exportgeschäft – mit Fokus auf England – weiterführen“ wolle.

Gründerfamilie wird vom Stammsitz getrennt

Was das für die Holding, die Elk Fertighaus, Elk Building Systems (ua. für großvolumige Objekte) und Elk Immobilien zusammenfasst, und deren künftige Art der Zusammenarbeit bedeutet, das ließ Weichselbaum offen: „Es tut mir leid, dazu gebe ich keine Auskunft.“

Nach Aussagen aus dem Betriebsrat ist aber fix, dass die Elk Fertighaus GmbH mit etwa 770 Mitarbeitern am Firmensitz Schrems aus der Wiener Holding ausgeklammert und inklusive Firmengelände von der Gründerfamilie Weichselbaum getrennt wird. „Wir bekommen eine schlankere Linie und eine klarere Struktur ohne das kostenintensive Wiener Büro“, spricht Angestellten-Betriebsrat Poppinger von „positiven Änderungen“, durch die man künftig sogar weiter wachsen könne. Aus drei Vorständen in der Holding sowie zwei Geschäftsführern und neun Prokuristen in der Fertighaus-GmbH sollen demnach mit Calice ein Eigentümer, mit dem bisherigen Finanzchef Schuller ein Geschäftsführer und dazu fünf Prokuristen bleiben.

Wachsen durch Synergien

Wachsen kann man auch durch Synergien – Hanlo hat als künftige Firmenschwester keine eigene Produktion. Sie dürfte über kurz oder lang ebenfalls in Schrems herstellen lassen. Unabhängig von „Brexit“-Entwicklungen wird auch positiv bewertet, dass das dem Vernehmen nach wenig profitable Engagement um das großvolumige England-Geschäft aus der Schremser GmbH ausgeklammert wird.

„Wir können jetzt wieder unser volles Augenmerk auf unsere Stärke legen, und die liegt bei Einfamilien-Häusern“, sagt Reinhard Poppinger.

Gerade daher stoßen kursierende Gerüchte auf Unverständnis: Aus dem Firmenumfeld wird die Freisetzung von 270 Mitarbeitern kolportiert. „Erste Entlassungen gab es angeblich schon am 11. Juli“, sagt ein Anrufer zur NÖN.

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Der kommende Alleingeschäftsführer Schuller und auch die Betriebsräte widersprechen den Gerüchten klar. „Ich weiß nichts davon. Wir müssten aber über jede einzelne Kündigung vorab informiert werden“, sagt Arbeiter-Betriebsrat Tollar. Man habe alleine seit 1. Juli sechs Angestellte aufgenommen, arbeite wegen der hohen Auftragslage – im ersten Halbjahr wurden über 550 Aufträge angenommen, so viele wie lange nicht mehr – teils sogar in zwei Schichten, ergänzt Poppinger.

„Die Gerüchte entbehren jeder Grundlage. Die Auftragsbücher sind voll, die Fabriken sind durch einen Auftragszuwachs von 20 Prozent mehr als ausgelastet. Sie werden vom Verkauf profitieren“, stellt auch Gerhard Schuller klar: „Wir suchen Personal wie den Bissen Brot, bräuchten 15 Monteure per sofort!“

Weitere Reaktionen zum Deal finden Sie in der Gmünder Kaufzeitung.

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