Schrems

Erstellt am 20. August 2016, 03:05

von Markus Lohninger

Hypo-Quartier für Flüchtlinge. Nach Einstellung von vier Flüchtlingen als Schuster vermietet „Waldviertler“-Chef auch ehemalige Hypo-Alpe-Adria-Herberge in Klagenfurt für Asylwerber.

Besuch von einer stattlichen Gruppe junger Flüchtlinge aus Eggenburg erhielt Heini Staudinger in den Waldviertler Werkstätten. In einem von ihm vor Jahren gekauften ehemaligen Hypo-Alpe-Adria-Haus in Kärnten wird er ab 1. September langfristig Gastgeber für etwa 20 Flüchtlinge.  |  noen, privat

Nicht nur positive Reaktionen erntete der Schremser Unternehmer Heini Staudinger für seinen in der NÖN beschriebenen Entschluss, im Sommer zusätzlich zu fünf Österreichern auch drei minderjährige afghanische Flüchtlinge als Lehrlinge und einen vierten Afghanen als Mitarbeiter einzustellen: Aus dem „Strache-Hofer-Lager“ habe es teils massive Anfeindungen gegeben, sagt der „Waldviertler“-Chef.

Es wäre aber nicht Heini Staudinger, wenn er das nicht hinnehmen und auch gleich den nächsten Schritt setzen würde. Ab 1. September will er die zwei obersten Etagen eines vor mehreren Jahren gekauften Gebäudes in Klagenfurt, die einst als Gästezimmer für Beamte der Hypo Alpe Adria bei Schulungen dienten, für die Unterbringung von etwa 20 Asylwerbern nutzen. Elf Monate dauerte das Prozedere, wie Staudinger kryptisch anmerkt, ehe der bestehende Wohnraum nach Umrüstungen als akzeptabel für Flüchtlinge bewertet wurde.

Staudinger stellt die beiden Stockwerke mit etwa 400 m2 Fläche, unter denen sich in der 8.-Mai-Straße 10 – nahe Lindwurm, Dom und SPÖ-Landesparteizentrale in Klagenfurt – eine Gea-Filiale befindet, der Diakonie Kärnten zur Verfügung. „Die Diakonie ist für die komplette Abwicklung der Unterbringung zuständig. Wir verrechnen ihr nur die aliquoten Betriebskosten“, sagt der „Schuh-Rebell“, der den Rest von etwaigen Einnahmen für die Beherbergung der Schutzsuchenden nicht anrühren will: „Was übrig bleibt, das muss wieder Flüchtlingen zur Verfügung gestellt werden.“

Beim neunten Mal der Grenzpolizei entwischt

In die Flüchtlingshilfe hatte sich Heini Staudinger bereits voriges Jahr massiv eingebracht, als er 1.300 Paar seiner „Waldviertler“-Schuhe an Flüchtlinge verteilt hatte. Vorige Woche kamen etliche der Beschenkten an den Firmensitz in Schrems, um zu sehen, wie die nahezu „unkaputtbaren“ Treter erzeugt werden: 44 „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ zwischen 14 und 18 Jahren, die derzeit in einem Pavillon des Eggenburger Lindenhofes untergebracht werden, besuchten die Waldviertler Werkstätten.

Begleitet wurden sie von etlichen Betreuern sowie neun ehemaligen Mitbewohnern, die bereits die Volljährigkeit erlangten und aufgrund der geknüpften Kontakte im Raum Eggenburg blieben.

Der Besuch hinterließ nicht nur bei den ohne Eltern nach Österreich gekommenen Burschen bleibende Eindrücke. Auch Hausherr Staudinger war tief ergriffen von Geschichten, die seine Gäste aus ihrem erst kurzen Leben berichteten – etwa jener von Dschamal (17): Der erzählte in gutem Deutsch von seiner Flucht als 14-Jähriger zu Fuß aus dem Iran nach Österreich, die insgesamt zwei Jahre gedauert habe.

Die türkische Grenzpolizei habe ihn am Meerweg nach Griechenland acht Mal verhaftet, der neunte Anlauf sei schließlich geglückt. Staudinger, beeindruckt: „Als er das erzählte, hatte er nicht den Ausdruck der Qual wegen der acht gescheiterten Fluchtversuche, sondern den Ausdruck des Triumphes beim neunten Mal in seinem Gesicht.“