Erstellt am 24. Februar 2016, 05:24

von Thomas Weikertschläger und Mario Kern

Imam muss gehen. Weil Mustafa Evet mit Geld aus der Türkei finanziert wird, muss einziger ATIB-Imam des Waldviertels gehen.

Der Schremser Imam Mustafa Evet steht vor der Ausweisung in die Türkei.  |  NOEN, Markus Lohninger

Schwerer Schlag für die türkisch-islamische Union ATIB Schrems/Gmünd: Die Glaubensgemeinschaft dürfte aufgrund des neuen Islamgesetzes ihren Imam Mustafa Evet verlieren. Er wird als nächster Imam Österreich verlassen müssen, wie der Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft in NÖ, Mehmet Isik, gegenüber der NÖN erklärte.

Damit wäre Evet als einziger Waldviertler Vorbeter der weitläufig organisierten ATIB einer der ersten, denen der Aufenthalt in Österreich untersagt wird. Evet gehört zu jenen neun Imamen, die für Moscheevereine in Niederösterreich unter dem Dachverband ATIB arbeiten. Finanziert wird sein Gehalt zumindest teils mit Geld aus der Türkei. Das ist nach dem neuen Islamgesetz nicht mehr erlaubt – dieses sieht vor, dass Imame künftig in Österreich ausgebildet und bezahlt werden. Mehmet Isik: „Für viele Gemeinden wird es allerdings schwierig, selbst einen Imam anzustellen.“

Gelingt das nicht, so müssen Imame aus Österreich ausreisen, sobald ihr Visum abläuft.

Bürgermeister Harrer: „Hat sehr offen gewirkt“

Die Glaubensgemeinschaft will dies nicht ohne Weiteres hinnehmen, wie Obmann Yusuf Acikgöz der NÖN bestätigt. „Nach einer Sitzung in Wien in der Vorwoche haben wir eine Klage gegen diese Entscheidung eingebracht.“ Jetzt müsse man abwarten, Acikgöz rechnet mit einer definitiven Entscheidung bis Ende März: „Derzeit bleibt Evet noch hier.“

Insgesamt hat die Gemeinschaft Schrems/Gmünd mit Sitz in der Schremser Moschee in der Niederschremser Straße etwa 300 Mitglieder, laut Acikgöz allesamt türkische oder österreichische Staatsbürger. Für sie wäre der Verlust des Vorbeters hart. Und, so Acikgöz: „Er hat sich immer für eine gute Zusammenarbeit zwischen den Religionsgemeinschaften ausgesprochen.“ Ein Eindruck, den auch der Schremser Bürgermeister Karl Harrer (SPÖ) – der erst von der NÖN über die Pläne erfuhr – teilt: „Er hat auf mich sehr offen gewirkt.“