Erstellt am 08. Juni 2016, 05:55

von Jutta Hahslinger

Verprügeltes Opfer: „Wollte nur kochen“. Turbulente Szenen innerhalb einer Familie im türkisch- islamischen Vereinshaus in Schrems. Vier Schuldsprüche.

Vier Schuldsprüche setzte es nach einer Prügelei im türkisch-islamischen Vereinshaus in Schrems.  |  NOEN, NÖN

"Ich kam vom Gebetsraum, als man mir mitteilte, ich solle meine Frau (47) wegbringen. Ich fand sie dann in der Küche am Boden liegend und am Kopf blutend. Ich befürchtete, dass sie stirbt und schrie um Hilfe. Ein Landsmann rief dann die Rettung“, schildert ein 57-Jähriger vor Gericht den erschreckenden Anblick, der sich ihm am 28. Februar 2014 in Schrems im türkisch-islamischen Vereinshaus geboten hat.

Schockierend dann für ihn, wie er im Zeugenstand leise eingesteht, dass die Familie seiner Frau sie so hergerichtet und verletzt (Schädelhirntrauma, Rissquetschwunde am Kopf sowie Hämatome und Prellungen) habe.

„Stimmt ja gar nicht“, erklären die angeklagten Eltern (beide 70-jährig) sowie die 43-jährige Schwester und deren Gatte (47), und sie unterstreichen mit unangebrachten Wortmeldungen und Gesten ihr aufbrausendes Naturell. Richterin Julia Bennersdorfer versucht es erfolglos mit Güte, nur Strenge und Ermahnungen wirken. Das Quartett bleibt aber dabei, es habe die 47-Jährige nicht tätlich angegriffen.

Videoaufnahme als Beweis

Der 70-Jährige will der Tochter keine Ohrfeigen verabreicht haben, sondern meinte: „Ich berührte sie nur an der Wange, um sie aus der Krise zu holen.“ Auch die Mutter will die Tochter nicht mit einem Kochlöffel traktiert haben, obwohl eine Videoaufnahme im Aufenthaltsraum den rüden Umgang mit ihrer Tochter beweist. Auch der Schwager will keine Morddrohungen geäußert, und dessen Ehefrau will die Schwester nicht mit Geschirr beworfen haben.

Die Opferaussage: „Ich wollte nur kochen. Aber sie wollten mich weghaben und sie gingen auf mich los“, sorgt bei den Beschuldigten wieder für lautstarken Unmut, der in erstarrtes Erstaunen und Verstummen wechselt, als die Richterin Schuldsprüche fällt: Für den 70-Jährigen setzt es zwei Monate bedingt, die übrigen Familienmitglieder werden zu je drei Monaten bedingt verurteilt.