Erstellt am 31. März 2016, 04:24

von Maximilian Köpf

Schwere Vorwürfe: Eskaliert Bücherei-Streit?. Bibliothekarin Anna Felbabel sieht Angriff von Bürgermeister Kozar gegen sich selbst und will um die Reingerser Bücherei kämpfen. Der Ortschef dementiert.

 |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at
Fertig gelesen hatte sie sie noch nicht. Da aber laut NÖN-Bericht die Bücherei in Reingers mit Ende März schließe, wollte eine Dame vorigen Donnerstag ihre ausgeliehenen Bücher zurückgeben – zur Überraschung von Anna Felbabel, der ehrenamtlichen Bücherei-Leiterin (Foto links).

Die wusste von der im Gemeinderat beschlossenen Schließung nämlich nichts. „Ich habe der Dame gesagt, sie könne die Bücher ruhig fertig lesen“, erzählt sie: „So einfach lasse ich mir die Bücherei nicht zusperren!“

Warum sie geschlossen werden soll, das ist Felbabel klar: „Es geht um mich, nicht um die Bücherei. Die ganze Aktion war ein Alleingang von Andi!“

Sie meint VP-Bürgermeister Andreas Kozar (Foto unten) – der spürte bei seinem Antrag im Gemeinderat auch Gegenwind aus der eigenen Partei. „Grund für die Schließung ist einfach die fehlende ‚Manpower‘, die wir für die Fördermittel zur Erneuerung des Bestands brauchen würden.“

x  |  NOEN, privat


Eine Fragebogen-Aktion in der Gemeindezeitung sei kaum angenommen worden. „Von 381 Exemplaren sind zehn Fragebögen zurückgekommen, eine Person bot an, mitzuhelfen. Da war klar, dass es nicht weitergehen kann.“ Auch kein Gemeinderat wollte die Zuständigkeit für die Bücherei übernehmen, damit sie weiter besteht. „Das habe ich in der Sitzung angeboten“, so Kozar.

Von alldem wusste Felbabel ihrer Aussage zufolge nichts. „Sie hat Freizeit und Geld hineingesteckt, wurde aber in den Schließungsprozess überhaupt nicht eingebunden“, sagt der Landwirt Stefan Weinstabl, der Felbabel mit der Bücherei hilft. „Und dann erfährt sie von der Schließung noch aus der NÖN…“ Das sei keine Absicht gewesen, so Kozar, sondern habe sich ergeben, „weil ich da noch nicht dazugekommen bin, die Sitzung aufzuarbeiten.“

Das Verhältnis mit Kozar sei schon längere Zeit nicht das Beste, sagt Felbabel. Der Ortschef geht darauf nicht näher ein, erzählt aber von einem Erlebnis im Vorjahr, das das Verhältnis etwas zerrüttet habe. „Sie hat ohne mein Wissen ein Förderansuchen beim Land für Umbauten eingereicht“, so Kozar. „Dass ich darauf harsch reagiert habe, ist verständlich.“

Gemeinde-Chef will Beschluss nicht ändern

Vor drei Jahren hat Felbabel die Gemeindebücherei Reingers aus ihrem Dornröschenschlaf erweckt, hat danach den Bestand erweitert – teils aus Spenden, teils aus Eigenmitteln. Auch Süßigkeiten für Kinder, Kaffee und Tee bezahlte die Bibliothekarin selbst.

Das Engagement habe immer mehr Menschen in die Bibliothek gebracht, sagt sie. „Aber selbst, wenn nur vier Leute gekommen wären, muss das in einer Zeit, in der wir junge Menschen zum Lesen bewegen wollen, egal sein“, so Felbabel.

Der Bürgermeister, der „so gerne liest“, sei nie unter den Besuchern gewesen. „Das stimmt“, bestätigt dieser der NÖN. „Es gibt dort einfach keine Bücher, die mich ansprechen. Außerdem saß ich jahrelang in der Bücherei, ehe Frau Felbabel übernommen hat.“

Sie will um „mein Kind“ kämpfen und wird von Weinstabl unterstützt: „Es soll kein Krieg daraus werden, aber Kozar soll die Schließung einfach sein lassen. Vor allem, wenn sich jemand ehrenamtlich darum kümmert.“

Dazu Andreas Kozar: „Wir haben schon vorher um den Erhalt gekämpft, als sich die Bildungsgemeinderätinnen mit Frau Felbabel zusammengesetzt haben, zuletzt mit der Befragung. Irgendwann muss man jedes Thema ruhen lassen.“