Erstellt am 01. Juni 2016, 05:55

von Markus Lohninger

Es wird eng um die Aichelberglifte. Verträge um zentrale Grundstücke liefen mit Ende Mai aus – ohne Verträge droht aber noch vor Winter der Bescheid zur Aufforstung der Trassen!

Ein Bild aus besseren Tagen: Geschäftsführer Wolfgang Landl braucht noch heuer neue Pachtverträge für die Trassen, um die Rodungsbewilligung verlängern lassen zu können. Ohne Bewilligung muss das Skigebiet wieder in den ursprünglichen Zustand - also aufgeforstet - werden.  |  NOEN, Archiv

Keine zwei Jahre ist es her, dass Wolfgang Landl die Gemeindeführung von Bad Großpertholz über die geplante Schließung seiner Aichelberglifte informierte. Einzelne Besitzer von Kleingrundstücken hatten bei millionenschweren Ausbauplänen zum Ganzjahresbetrieb mitsamt Kletterpark, Mountainbike-Strecken, Hotel, Sommerrodelbahn und 4er-Sessellift nicht mitgespielt und auch die Verlängerung bestehender Pachtverträge für Pisten und vor allem die Lifttrasse verweigert.

Nach einer Welle der Solidarisierung für das größte Skigebiet im Waldviertel – die Facebook-Seite „Rettet den Aichelberglift“ hatte rasch 3.100 Fans – lief der Betrieb dann auch ohne weitere Verfolgung der Ausbaupläne weiter. Jetzt droht der gebliebene seidene Faden auch noch zu reißen, warnt Bürgermeister Harald Vogler (ÖVP): „Werden einige mit 31. Mai ausgelaufene Pachtverträge nicht verlängert, dann wird Landl über kurz oder lang die Aufforderung zur Aufforstung des Waldes erhalten.“

Die Marktgemeinde kennt die Unterlagen – hat sie doch die Anlage erst vor wenigen Jahren aus ihrem Besitz in die Hände von Wolfgang Landl übergeben. In den Unterlagen befindet sich auch die „Rodungsbewilligung“, die im Jahr 2001 für die gesamte Skisportanlage samt ihrer Nebenanlagen in einem gemeinsamen Bescheid für 15 Jahre ausgestellt wurde. Die Bewilligung läuft also vor der nächsten Wintersaison aus.

Und: Für das Ansuchen um eine Verlängerung dieser Rodungsbewilligung müssen – wie Bezirkshauptmann Johann Böhm auf NÖN-Nachfrage bestätigt – auch gültige Pachtverträge vorgelegt werden. Kann die Bewilligung nicht verlängert werden, so muss der ursprüngliche Zustand des Gebietes wieder hergestellt, die Liftanlage folglich abgetragen und der Wald aufgeforstet werden.

Dass sich die Situation überhaupt so auf den letzten Moment hin zuspitzt, lastet Bürgermeister Vogler auch dem Lifte-Geschäftsführer Landl an. Man könne nicht einfach „Verhandlungen zwischen Tür und Angel“ führen: „Er hätte mit allen Grundstücks-Besitzern reden müssen, ihnen auch wirklich alle Daten und Fakten offen auf den Tisch legen müssen.“ Genau das sei, wie zwei Betroffene im Jahr 2014 gegenüber der NÖN beklagten, bei allen großen Planungen ausgeblieben.

Daher sei Vogler selbst, wie er sagt, vor zwei Jahren als Vermittler eingesprungen: „An die zehn Familien nahmen einen gemeinsamen Termin wahr, auch jene, mit denen sich Landl zuvor nicht hatte einigen können. Dann sagte er Minuten vorher sein eigenes Kommen ab und entsandte den Mitarbeiter, der nicht einmal die vollständigen Unterlagen dabei hatte.“

Landl „noch zu keiner Stellungnahme bereit“

Wolfgang Landl selbst bestätigt gegenüber der NÖN, dass Verträge ausgelaufen sind. Er will nach dem medialen Wirbel in der Vergangenheit aber nicht konkret werden: „Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich noch zu keiner Stellungnahme bereit.“

Bürgermeister Vogler betont, die Gemeinde habe für den Erhalt und Ausbau der Attraktion alles ihr Mögliche versucht – inklusive Verhandlungen mit Besitzern von Grundstücken und der Finanzierung zigtausend Euro teurer Widmungsverfahren. „Die Fortführung wäre für die Region immens wichtig und auch im Interesse des Geschäftsführers, der im anderen Fall um seine Investitionen umfällt“, so Vogler: „Es ginge ja – die Leute kommen, Landl versteht es, die Piste zu präparieren und hat ein motiviertes Team hinter sich.“