Erstellt am 22. Mai 2016, 05:24

von Markus Lohninger

Stadtplatz-neu: Zank um Umgestaltung. Nach Fertigstellung der Rampe zur Stadtpfarrkirche regt sich Widerstand. Opposition spricht von „Geldverschwendung“ und „Verschandelung“, Bürgermeister wehrt sich.

Lange hat es gedauert, nach Abschluss der Arbeiten für den barrierefreien Zugang zur Stadtpfarrkirche regt sich aber massive Kritik. Fotos: Christine Deutsch  |  NOEN, Christine Deutsch
Kurz vor Fertigstellung der Stadtplatz-Umgestaltung in Litschau mehrt sich Kritik am optischen Erscheinungsbild der neuen, über dem Platz thronenden Holzrampe, die im großen Bogen in die Stadtkirche führt. Der Verdruss einiger Anrufer bei der NÖN wird in den Oppositions-Parteien geteilt.

SPÖ-Stadtrat Gerhard Holzweber etwa sagt, er sei darauf bereits gut 50 Mal angesprochen worden. „Ich verstehe die Kritik. Die Rampe passt nicht ins Ortsbild und ist Geldverschwendung – ein Treppenlift hätte es genauso getan und wäre weit billiger gekommen“, sagt er.

Von einer „Verschandelung“ spricht BBL-Gemeinderat Roland Edinger. Einen Aufruf zum Einbringen von Vorschlägen habe es gegeben, sagt er, „aber die ÖVP hatte schon ein klares Konzept im Wahlkampf, und das Geschäft ließ sie einer parteinahen Organisation zukommen. Also zeichnete der Sohn einer Stadträtin halt für die Wahlwerbung ein paar Bilder, und der Planungsauftrag an seine Firma wurde dann ohne Ausschreibung einfach so vergeben.“

Edinger: „Ich biete bei sowas nicht mit“

Die Holzrampe an der Schattenseite hält Edinger, selbst mit einer Holzbaufirma aktiv, für „Schwachsinn. In wenigen Jahren ist das unbehandelte Lärchenholz unansehnlich, vermodert, vermoost und glitschig.“ Daher habe er sich auch am Bieterverfahren um den Bauauftrag nicht beteiligt.

Das Geld wäre besser in die Barrierefreiheit von Gemeindeamt oder Polizei-Dienststelle gesteckt worden, ergänzt Edinger – der bezweifelt, dass die budgetierten Gesamtkosten von 360.000 Euro für die Stadtplatz-Umgestaltung eingehalten werden können.

An ihn sei außer durch die Opposition keine Kritik herangetragen worden, sagt indes VP-Bürgermeister Rainer Hirschmann auf NÖN-Nachfrage. Er habe sogar sehr positives Feedback erhalten. „Man sollte das Gesamtkonzept am Stadtplatz erst beurteilen, sobald es fertig ist“, sagt er.

Bis dahin seien primär noch letzte Zimmerer-Arbeiten und Pflasterungen durchzuführen – die Holzrampe sei jedoch fertig, die kolportierte Glas-Einfassung des Geländers nie Teil des Plans gewesen.

„Nur wegen eines verwandtschaftlichen Verhältnisses eine Firma nicht zu nehmen, halte ich für wenig sinnvoll.“
Rainer Hirschmann (ÖVP)


Das Büro „grünplan“ sei jedenfalls mit der Planung beauftragt worden, weil es „in Niederösterreich schon viele Projekte umgesetzt hat, sich einen sehr guten Ruf erarbeitet hat und wir durch sie viele Förderquellen ansprechen konnten, die wir ansonsten vielleicht nicht erreicht hätten. Nur wegen eines verwandtschaftlichen Verhältnisses eine Firma nicht zu nehmen, halte ich für wenig sinnvoll.“ Bezüglich der Beständigkeit der Rampe verlasse er sich auf das Gutachten von „grünplan“, auf dessen Basis die Wahl des Materials erfolgt sei.

Ob es bei den 360.000 Euro an Kosten bleibt? Hirschmann: „Es gibt noch keine endgültige Abrechnung. Wir werden aber schauen, dass wir die Kosten so niedrig wie möglich halten.“ Ein Treppenlift wäre wohl billiger gewesen, sagt der Bürgermeister, „ich glaube aber nicht, dass das Bundesdenkmalamt dem zugestimmt hätte.“ Das Amt sei genauso wie die Blumendamen ins Projekt einbezogen worden, auch eine Bürgerbeteiligung sei organisiert worden – die allerdings auf kein Echo gestoßen sei.

Mitverantwortlich für die Umgestaltung fühlen sich die Oppositionellen nicht. Edinger: Er habe dem nie zugestimmt. Holzweber: Den Grundsatzbeschluss für eine Attraktivierung des Platzes habe er mitgetragen, ins Projekt an sich sei er aber wenig einbezogen worden.

„Das haben im Stadtrat andere bestimmt. Ich habe dort einige Beschlüsse, auch jenen für den Auftrag ans Planungsbüro, nicht mitgetragen“, beteuert er. Diesen Aussagen hält Hirschmann entgegen, dass die Opposition „bei jedem Beschluss dabei war“.