Erstellt am 25. Mai 2016, 06:24

von Markus Lohninger

Sternstunde wurde zu bitterer Niederlage. Enttäuschung im Lager der FPÖ trotz historischem Top-Ergebnis. Grüne atmen auf. Antoni applaudiert, Göll appelliert.

Heini Staudinger (5. v.l.) lud am Montag zur Feier für Van der Bellen ein - und appellierte an die Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft.  |  NOEN, zVg

Siege für Norbert Hofer in den Wahllokalen aller 21 Gemeinden, eine nur knappe Niederlage unter den immerhin 3.304 Wahlkartenwählern, insgesamt 56,4 Prozent der Stimmen: Die freiheitliche Bewegung erlebte am 22. Mai ihre größte Sternstunde im Bezirk Gmünd. Dennoch wird diese als ganz bittere Niederlage in Erinnerung bleiben, nachdem das Ergebnis am Montag nach Auszählung der Briefwahl-Stimmen in Richtung des ehemaligen Grünen-Chefs Alexander Van der Bellen kippte.

„Es ist traurig für Österreich“, sagt der Interims-Bezirksobmann der FPÖ, Walter Hoffmann: „Aber man kann nichts machen, wenn alle gegen einen sind.“ Das Wort „Wahlbetrug“, das am Montag durch das Internet geisterte, will er aber nicht in den Mund nehmen. „Ich will keinem etwas unterstellen, glaube eher weniger an Ungereimtheiten. Das Ergebnis ist zu akzeptieren.“ Im Bezirk habe die FPÖ aber seit Wochen tadellose Arbeit geleistet, „an uns ist es nicht gelegen.“ In elf der 21 Gemeinden – jeweils mit absoluter ÖVP-Mehrheit in den Gemeinderäten – erreichte Hofer über 60, in Reingers sogar 70,5 Prozent. Nur in Hirschbach und Hoheneich wurde es mit +3 bzw. +4 Stimmen knapp.

Stattler: „In erster Linie Erleichterung“

Groß war erwartungsgemäß die Freude im Lager der Grünen im Bezirk. „In erster Linie verspüre ich Erleichterung, erst in zweiter Linie Freude“, sagt ihr Bezirkssprecher Manfred Stattler zur NÖN. Er sei davon überzeugt, dass Van der Bellen das Land international und zuhause besser repräsentieren könne und auch die Kluft, die sich in der Bevölkerung auftat, besser wieder kitten könne als Hofer.

Den Wunderwuzzi, zu dem der künftige Präsident im Intensiv-Wahlkampf stilisiert wurde, erwartet er sich aber auch von Van der Bellen nicht. „Die Scheren zwischen Stadt und Land, zwischen mehr und weniger gebildet, zwischen arm und reich müssen kleiner werden. Und dafür sind Parlament, Regierung, Institutionen und letztlich auch wir alle in der Gesellschaft gefordert!“ Am Bezirksergebnis freut Stattler, dass es aus der Sicht von Van der Bellen deutlich über jenem in Zwettl, Waidhofen und Horn liegt.

Wenig überrascht vom Bezirksergebnis ist indes die ÖVP-Abgeordnete Margit Göll. „Primär bin ich aber froh, dass es vorbei ist und wir uns wieder anderen Themen widmen können – es gibt im Bezirk und im Land genug zu tun.“ Die Wahl sieht sie als Weckruf für die Bundespolitik der Großparteien, „die Leute haben die Nase voll von Streitereien, die an sich gute Arbeit überdecken.“

Konrad Antoni, Bezirksvorsitzender der SPÖ, gratuliert Van der Bellen. Dieser werde nationale und internationale Herausforderungen gut lösen, sagt Antoni: „Er ist ein erfahrener Politiker, der in seinen Grundsätzen dafür steht, dass Menschen zueinander zu bringen sind – er steht nicht für eine Politik der Spaltung der Gesellschaft.“

Das betonte auch Heini Staudinger bei einer am Montag prompt organisierten Siegesfeier in der Schuhwerkstatt. Nicht der Hass, sondern die Dialogfähigkeit habe gesiegt, sagte er. Aber, so der „Schuh-Rebell“: „Wir dürfen denen da oben nicht trauen. Wir müssen selber viel mehr Verantwortung übernehmen, müssen viel aktiver werden, wir müssen uns als eine wichtige gestaltende Kraft in unserer Gesellschaft verstehen!“ Dazu gehöre ein liebevollerer Umgang mit den Ressourcen – und ein höherer Organisationsgrad des „humanistischen Flügels“ der Gesellschaft, damit dieser nicht länger „relativ wehrlos den tip-top organisierten Banken, Konzernen und der politischen Rechte“ gegenüberstehe.

Hoffmann: „Noch weiße Flecken abdecken“

Was nehmen FPÖ und Grüne im Bezirk – die bei Wahlen im überregionalen Vergleich tendenziell eher bescheidene Ergebnisse einfahren – aus der Stichwahl für die Zukunft mit? Manfred Stattler hofft, dass Grüne mit einem grünen Bundespräsidenten und etlichen Wählern im Bezirk, die erstmals ihr Kreuz bei Grün gemacht haben, künftig etwas „wählbarer“ werden. Walter Hoffmann will indes „schauen, dass wir gut weiter arbeiten und noch weiße Flecken abdecken in Gemeinden, wo Gemeinderats-Mandate denkbar wären.“ So könne sich, so Hoffmann, in Weitra eine neue Ortsgruppe abzeichnen.