Erstellt am 27. Juli 2016, 04:30

von Maximilian Köpf

Fegerl will mit Österreich eine Olympia-Medaille holen. Mit der NÖN sprach er über Vorbereitung, Ziele, den Zika-Virus und andere Gefahren. Stefan Fegerl vertritt als einziger Waldviertler Österreich in Rio de Janeiro.

Auf in eine neue Ära. Erst will Stefan Fegerl in Rio aufzeigen, danach mit Borussia Düsseldorf in neue Sphären stoßen.  |  Maximilian Köpf

NÖN: Nicht mehr ganz zwei Wochen bis in Rio de Janeiro das olympische Tischtennis-Turnier beginnt. Bereits am Freitag geht’s für sie nach Brasilien. Wie läuft die Vorbereitung?

Stefan Fegerl: Die Vorbereitung läuft sehr gut. Mit dem Training in China und dem guten Abschneiden bei den Japan Open (Out im Achtelfinale gegen Vladimir Samsonov; Anm.) hat es gut begonnen.

Danach waren wir am Faaker See und seither habe ich in der Werner Schlager Academy trainiert, wo ich mit guten Partnern sehr viel weitergebracht haben. Vergangene Woche waren wir in Düsseldorf und haben mit dem deutschen Nationalteam trainiert.

Da gab‘s dann am Samstag auch einen Vergleichskampf, um unsere Form zu überprüfen (Österreich verlor 0:3, Fegerl spielte gegen Dimitrij Ovtcharov stark; Anm.). Die letzte Woche vor dem Turnier schraube ich die Intensität etwas herunter, um meine Akkus aufzuladen.

Wie bereitet man sich auf so ein außergewöhnliches Event wie Olympia vor? Gibt es ein spezielles Programm?

Fegerl: Es ist natürlich angepasst. Olympische Spiele sind nur alle vier Jahre, da bereitet man sich ganz anders vor. Es stehen viel mehr Einheiten auf dem Programm. Ich halte die meine Sommerpause ja generell immer kurz. Aber heuer habe ich noch überhaupt keine Pause eingelegt.

Wie schaut es da mit den Kräften aus?

Fegerl: Kräftemäßig habe ich gar kein Problem. Wenn es wirklich einmal zu viel wird, dann nehme ich mir einen Tag frei. Das funktioniert sehr gut. Meine Form stimmt. Die letzten Trainingswochen waren sehr gut.

Das eine ist die sportliche, das andere die mentale Komponente. Wie schaut es in ihnen aus im Hinblick auf Olympia? Ist die Vorfreude schon groß?

Fegerl: Es sind meine ersten Spiele. Darüber hinaus habe ich eine wirklich starke Qualifikation gespielt, bin im Einzel und mit der Mannschaft dabei. Da freue ich mich natürlich schon sehr auf das Turnier. Noch einmal spannender wird es, wenn die Auslosung steht (findet am 3. August statt; Anm.).

Was dürfen wir uns von Stefan Fegerl in Rio erwarten? Zählt der olympische Gedanke oder setzen sie sich schon Ziele?

Fegerl: Natürlich ist beim ersten Mal schon dabei zu sein eine Klasse-Geschichte. Durch meine gute Weltranglistenposition bin ich schon als 16. gesetzt, steige erst in der dritten Hauptrunde ein. Damit ist die Platzierung schon gut. Beim olympischen Turnier sind viele unangenehme Gegner dabei, da kommt es immer auch ein bisschen auf die Auslosung an.

 „Ich halte meine Sommerpause ja generell kurz.Aber heuer gab es gar keine.“

Stefan Fegerl zur speziellen Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 

Daher schaue ich erst einmal von Runde zu Runde. Aber meine erste Runde, also die dritte Hauptrunde, zu überstehen, ist schon ein Ziel, das ich mir setze. Mit der Nationalmannschaft schauen die Ambitionen natürlich anders aus.

Österreich ist im Tischtennis eine starke Nation. Ich weiche nicht davon ab, zu sagen, dass eine Medaille durchaus möglich ist. Wir sind amtierender Europameister, müssen uns vor keiner Nation verstecken und können jeden schlagen. Außer China, die, meiner Meinung nach, noch immer unschlagbar sind.

Der ehemalige Weltfußballer Rivaldo hat davor gewarnt, in seine Heimat zu kommen, weil es zu gefährlich sei. Wie haben sie diese Debatte wahrgenommen?

Fegerl: Man bekommt natürlich über die Medien mit, was in Brasilien passiert – von Zika-Virus über Kriminalität und so weiter. Aber Tischtennis ist mein Job und ich mache ihn gern. Da lasse ich mich von solchen Warnungen nicht davon abbringen, den Sport zu betreiben.

Schon gar nicht, wenn Olympische Spiele vor der Tür stehen – die sind so hochrangig… Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich irgendein anderer Sportler davon beeinflussen lässt.

Neben Olympia wartet ja auch schon das nächste Abenteuer auf sie: die deutsche Bundesliga mit Rekordmeister Borussia Düsseldorf. Ihre Erwartungen waren groß. Jetzt sind Sie seit fast zwei Monaten offiziell ein Borusse. Haben sich ihre Erwartungen bestätigt?

Fegerl: Wegen der Vorbereitung für Olympia war ich seit Saisonende erst einmal in Düsseldorf. Ich komme am 18. August aus Rio retour, dann geht‘s erst mit Borussia Düsseldorf so richtig los. Am 7. September ist die Saisoneröffnungs-Pressekonferenz, am 11. September ist der erste Spieltag gegen Ochsenhausen, einen starken Gegner.

Und bis dahin geht es darum, dass sich die Mannschaft, die ja mit mir, Kristian Karlsson und Anton Källberg gleich drei der vier Plätze neu besetzt hat, einspielt. Die Ziele sind natürlich klar: Titel. Timo Boll ist jetzt auch wieder sehr gut in Form, hat bei den letzten Turnieren toll abgeschnitten. Ich denke, das wird ganz gut klappen.

Bei der SG Weinviertel Niederösterreich gingen ja im Juni die Lichter für immer aus. Sie haben – die Zeit beim Vorgängerverein SVS Niederösterreich miteingerechnet – insgesamt sechs Jahre beim erfolgreichsten Tischtennis-Verein Österreichs verbracht. Verspüren sie noch Wehmut, dass es ihn nicht mehr gibt?

Fegerl: Ja, natürlich. Der Abschied war ein sehr emotionaler, allerdings auch ein sehr erfolgreicher. Wir waren die gesamte Saison am Maximum und haben Hans (Friedschröder, Manager; Anm.) mit dem Triple einen tollen Abschied beschert. In der Champions League hatten wir etwas Pech, im ETTU-Cup ist es dafür von Beginn weg sehr gut gelaufen.

Im Audi Q3 wird Stefan Fegerl (li.) es zwar nicht nach Rio de Janeiro schaffen, aber sonst begleitet ihn das vom neuen Sponsor, Autohaus Waldviertel, zur Verfügung gestellte Fahrzeug überall hin. Am Bild mit Geschäftsführer Stephan Mayr und Vertriebsleiter Benjamin Zeilinger (v.l.).  |  NOEN, privat

Und in der Bundesliga waren wir ohnehin die ganze Saison über unangefochten. Schade, dass diese Zeit jetzt vorbei ist. Was Hans in den vergangenen Jahren dort geleistet und auf die Beine gestellt hat, wird aber auf jeden Fall in Erinnerung bleiben.

2015 haben sie sich bei Weinviertel NÖ zur Nummer eins gemausert. Die Weltrangliste vom Juli hat sie als 21. ausgespuckt. Sechs Plätze hinter Timo Boll, der Nummer eins bei Borussia Düsseldorf. Wann werden sie dort die Nummer eins werden?

Fegerl: Timo ist unterbewertet, hat in letzter Zeit wenig gespielt. Jetzt kommt er wieder in Form. Normalerweise gehört er in die Top 10 und dort wird die Luft schon sehr dünn. Da wird es immer schwerer, Plätze gut zu machen. Man muss wirklich gut planen, welche Turniere man spielt. Das vergangene Jahr ist für mich aber absolut gut gelaufen.

 „Ich habe in den vergangenen Jahren wenig Blödsinn gemacht.“

Stefan Fegerl zu seinem bevorstehenden Aufstieg in die Top 20 der Weltrangliste 

Ich habe wenig Blödsinn gemacht. Im August werde ich noch einen weiteren Platz gutmachen, das steht jetzt schon fest. Dann stehe ich zum ersten Mal in den Top 20 der Weltrangliste. Das ist schon ein großer Erfolg. Auf dem kann ich weiter aufbauen.

Für die kommenden zwei Jahre sind sie jetzt fix ein Borusse. Wie schaut ihre Zielsetzung für diese Zeit aus? Respektive: Welchen Plan verfolgen sie langfristig. Mit ihren 27 Jahren kommt das beste Tischtennis-Alter ja erst.

Fegerl: Langfristig zu planen, ist im Tischtennis schwer. Wenn man mich vor eineinhalb oder zwei Jahren gefragt hätte, ob ich bei Borussia Düsseldorf in der ersten Mannschaft spielen werde, hätte ich nicht daran geglaubt. Heute bin ich aber hier. In den vergangenen ein bis zwei Jahren ist bei mir sehr viel weitergegangen, ist der Knopf aufgegangen.

Daher muss ich abwarten, wie ich mich weiterentwickle. Jetzt bin ich einmal fix zwei Jahre bei der Borussia. Danach wird man schauen, wie und wo es weitergehen kann. Eine Rückkehr nach Österreich ist in den nächsten Jahren aber unwahrscheinlich.

Nach dem Ende von Weinviertel NÖ spielt einfach kein Verein mit derart großen Ambitionen – in internationaler Hinsicht – in der Bundesliga. Auch in naher Zukunft zeichnet sich da nichts ab.

Umfrage beendet

  • Olympia: Was schafft Stefan Fegerl?