Erstellt am 31. Oktober 2015, 05:42

von Karin Pollak

Unmut über Luchse – wer übernimmt Schäden?. Jäger und Landwirte sehen wachsendes Problem. Vorfälle mit der Wildkatze sollen dokumentiert werden.

Markus Kirchberger, der für den Landesjagdverband am Luchsprojekt Österreich Nord-West beteiligt ist, referierte im Gasthaus Weninger in St. Martin über den „Luchs – (un)heimlicher Heimkehrer“. Im Bild mit Bezirksjägermeister-Stellvertreter Helmut Tüchler und Bezirksjägermeister Ernst Strasser. Das präsentierte Luchsfell stammt vom Naturhistorischen Museum. Foto: Karin Pollak  |  NOEN, Karin Pollak

Der seit 1918 in Österreich verschwundene Luchs ist seit September 2011 wieder in den Waldviertler Wäldern unterwegs. Um wie viele Luchse es sich handelt, darüber scheiden sich die Geister. Daher lud Bezirksjägermeister Ernst Strasser am 23. Oktober zu einer Infoveranstaltung ins Gasthaus Weninger in St. Martin.

Kirchberger versuchte Mythen auszuräumen

Referent Markus Kirchberger, der für den Landesjagdverband am Luchsprojekt Österreich Nord-West beteiligt ist, versuchte dabei Mythen und Legenden, die sich um die größte Wildkatze Europas ranken, auszuräumen.

„Das Rehwild ist im Bezirk Gmünd rückläufig. Im Vorjahr wurden 3.500 Rehe geschossen, darin sind auch die 1.400 Tiere, die auf den Straßen ihr Leben lassen mussten, beinhaltet. Wir befürchten, dass die Luchspopulation ähnlich wie beim Fischotter explodieren könnte. Das würde den Rehwildbestand nochmals reduzieren“, brachte Bezirksjägermeister Ernst Strasser die Ängste der Jäger vor.

Der Luchs, der österreichweit nur im Grenzraum zwischen dem Mühl- und Waldviertel und Tschechien sowie in den Kalkalpen vorkommt, ernährt sich von kleinen und großen Beutetieren. Mäuse, Frischlinge, Vögel, Füchse und Rehe stehen auf seinem Speiseplan.

„Ein Luchs frisst seine Beute komplett auf, dazu benötigt er einige Tage“, erklärte Kirchberger und dokumentierte mit Fotos, wie der Luchs – die männlichen sind Kuder, die weiblichen Katzen – dabei vorgeht. Auch die Fährten des Luchses seien unverkennbar. Somit können die Jäger mit hoher Sicherheit die Anwesenheit eines Luchses in ihrem Revier feststellen.

Luchs braucht Revier zum Umherwandern

Noch besser geht das aber mit Fotofallen. „Der Luchs ist standorttreu und verwendet meist dieselben Routen“, so Kirchberger. Aber nur selten ist er auf einem Platz zu sehen, braucht doch ein Kuder ein bis zu 40.000 Hektar großes Revier, in dem er umherwandert. Einem Luchs konnte anhand von Fotos nachgewiesen werden, dass er zwischen Oktober 2012 und März 2013 von der Donau bis zur Moldau (111 Kilometer Luftlinie) gewandert war.

Die Jägerschaft glaubt indes an die Anwesenheit von wesentlich mehr Luchsen. Mit Fotos wurden auch Rehrisse belegt, die eindeutig auf das Konto des Luchses gehen sollen. Nur bleiben derzeit die Landwirte auf den Schäden sitzen – der Luchs, der durch den NÖ-Jagdverband, die Bonner und Berner Konvention und das Washingtoner Artenabkommen geschützt ist, ist nicht versichert.

„Daher brauchen wir die Unterstützung aus der Jägerschaft, die uns zum Vorkommen des Luchses Fakten liefern. Alles andere sind Mutmaßungen“, so Kirchberger, der dazu auch eine Website www.luchse.at erstellt hat.