Erstellt am 23. Dezember 2015, 05:03

von Markus Lohninger

Verfahren gegen Primar. Kein Kunstfehler, sondern das Versäumen vorgeschriebener Fortbildungen sind Anlass für ein Verfahren gegen Hans-Martin Vischer. Der kritisiert den Nachweise-Modus.

Hans-Martin Vischer  |  NOEN, Archiv

Der beliebte Leiter der chirurgischen Abteilung am Landesklinikum Gmünd steht auf der „Watchlist“ der Ärztekammer: „Es stimmt, es gibt ein Verfahren der Disziplinarkommission“, bestätigt Primar Hans- Martin Vischer, Gmünder Venenspezialist mit hoch frequentierter privater Ordination, auf NÖN-Nachfrage.

Vischer wird kein Kunstfehler zur Last gelegt, sondern das Versäumen des Nachweises der für alle Mediziner vorgeschriebenen Fortbildungen in den vergangenen Jahren. Und dafür hat er mit Personalengpässen am Klinikum in Kombination mit eingeschränkten Arbeitszeiten seiner Ärzte und dem Modus der Nachweis-Erbringungen gleich mehrere Erklärungen.

Die Ärztekammer fordert Belege über Seminar- und Kongressbesuche oder Studien vorgegebener Literatur (E-Learning) ein. Die Tests hält Vischer für eine „Augenauswischerei. Da kann man auf einer Browserseite die angebotene Literatur – die selten mit meinen Schwerpunkten zu tun hat – lesen und zugleich auf einer zweiten Seite den Fragebogen ausfüllen.“

Fortbildung organisiere er sich lieber auf eigene Faust. „Ich investiere jährlich mehrere tausend Euro in international anerkannte Fachjournale und nutze Portale, wo man sich bei fachkompetenten internationalen Autoren wunderbar informieren kann“, sagt er. Nur wertet die Kammer diese Art der Weiterbildung nicht.

„Hatte zeitweise 16 Nachtdienste“

Bliebe der Kongressbesuch am Wochenende. Diese Option sei wegen personeller Engpässe am Klinikum lange unmöglich gewesen, zumal das Ärztearbeitszeit-Gesetz die Dienstzeit aller Ärzte bis auf den Primar wesentlich einschränkte. Für Vischer verschärfte sich damit die Situation.

„Ich hatte pro Monat zeitweise 16 Nachtdienste“, erklärt er: „Außerdem bin ich als Leiter der chirurgischen Abteilung in der Akutmedizin für eine adäquate Behandlung von Patienten verantwortlich. Ich mache mich strafrechtlich angreifbar, wenn ich in Salzburg auf Fortbildung bin und zugleich in Gmünd einen noch nicht fertig ausgebildeten Assistenzarzt Dienst machen lasse!“

Ärztekammer-Sprecherin Birgit Jung kommentiert das Verfahren aus Gründen absoluter Vertraulichkeit nicht. Nur: „Ein reines Lesen von Fachliteratur reicht in Österreich als Fortbildungsnachweis nicht aus.“

Was droht, wenn ein Arzt der Fortbildungspflicht nicht nachkommt? Er könne „in letzter Konsequenz mittels Disziplinarbescheid aus der Ärzteliste gestrichen werden“, warnt die Kammer auf ihrer Homepage. Ganz so düster sieht Primar Hans-Martin Vischer seine Zukunft nicht: „Die Situation am Klinikum hat sich seit November wesentlich entspannt, wir sind jetzt wieder sehr gut aufgestellt.“Auch auf zwei Fortbildungen war er inzwischen.

Das Punktekonto füllt sich allmählich, und Regionalmanager Andreas Reifschneider bietet Vischer dabei „maximale Unterstützung“ der Landeskliniken-Holding an. Reifschneider: „Der Primarius ist ja an sich sehr um Fortbildung bemüht. Wir gehen davon aus, dass er wie alle unsere Ärzte die Voraussetzungen selbstverständlich erfüllt.“